Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

40 Bürgermeister weltweit stellen sich gegen KI-Rechenzentrumsboom

ARCHIV - Ein Rechenzentrum von Amazon Web Services ist am 22. August 2024 in Boardman, Oregon, zu sehen. (AP Photo/Jenny Kane, Archiv)
ARCHIV - Ein Rechenzentrum von Amazon Web Services ist am 22. August 2024 in Boardman im US-Bundesstaat Oregon zu sehen. (AP Photo/Jenny Kane, Archiv) Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Una Hajdari mit AP
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Von Phoenix bis Melbourne warnen Stadtspitzen: Der Boom von KI-Rechenzentren frisst Strom, Wasser und Flächen – und sie wollen nicht länger warten.

Vierzig Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus Städten auf vier Kontinenten haben ein wegweisendes Abkommen unterzeichnet. Darin legen sie fest, unter welchen Bedingungen sie KI-Rechenzentren in ihren Städten zulassen.

WERBUNG
WERBUNG

Hintergrund ist, dass Stadtverwaltungen sich zunehmend gegen eine Branche stellen, die aus ihrer Sicht Stromnetze überlastet, Wasserressourcen aufzehrt und Wohnraum verdrängt.

Das Abkommen wurde am Dienstag während der London Climate Action Week von C40 Cities vorgestellt, einem Bündnis von knapp 100 Städten, das den Klimawandel bekämpfen soll. Es legt gemeinsame Standards für saubere Energie, Standortwahl, Wasserverbrauch und Vorteile für die Stadtgesellschaft fest.

Es ist der erste koordinierte weltweite Vorstoß von Stadtregierungen, dem Ausbau von Rechenzentren zuvorzukommen, bevor er sie überrollt.

In den Städten des C40-Netzwerks stehen bereits rund 1.700 Rechenzentren. In 50 dieser Städte dürfte die Zahl der Anlagen um mehr als 40 Prozent steigen.

Von Phoenix bis Melbourne

Das Abkommen entstand aus einem Gespräch zwischen den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern von Phoenix und Melbourne. Beide merkten, dass sie mit denselben Problemen kämpfen: Rechenzentren verbrauchen enorme Mengen Strom und Wasser und konkurrieren mit Wohnungsbauprojekten um die wenigen freien Flächen.

„Wir haben festgestellt, dass die Herausforderungen in allen Regionen der Welt sehr ähnlich sind“, sagte Cassie Sutherland, Geschäftsführerin bei C40. „Unsere Idee war: Wie können wir eine gemeinsame Stimme der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister nutzen, um Bedingungen zu formulieren, unter denen sie Rechenzentren akzeptieren?“

Phoenix gehört zu den Top Ten der nordamerikanischen Rechenzentrums-Standorte.

Allein die anhängigen Genehmigungsanträge im Großraum würden den Strombedarf der Stadt verdoppeln, falls sie alle bewilligt werden. Bürgermeisterin Kate Gallego meint, die aktuelle Investitionswelle verschärfe die Klimakrise und gehe an den Bedürfnissen der lokalen Gemeinschaft vorbei.

„Wir wissen, wie wichtig diese Innovation ist, sie schafft gute Arbeitsplätze bei uns vor Ort“, sagte Gallego. „Wir wollen nur sicherstellen, dass sie unseren Einwohnerinnen und Einwohnern nützt und der Gesundheit unseres Planeten.“

In Melbourne ist die Lage noch drastischer. Wenn die Stadt alle derzeitigen Pläne umsetzt, werden Rechenzentren nach Angaben von Oberbürgermeister Nicholas Reece bis zu 20 Milliarden Liter Wasser pro Jahr verbrauchen – rund 4 Prozent der Trinkwasserversorgung.

Schon jetzt steht die Wasserversorgung der Stadt unter Druck: Die Bevölkerung wächst, Trockenperioden dauern länger, Hitzewellen werden intensiver.

Was das Abkommen verlangt

Die Vorgaben sind sehr konkret. Rechenzentren sollen auf brachliegenden oder kaum genutzten Flächen entstehen. Sie sollen Strom aus erneuerbaren Energien und Batteriespeichern beziehen und verpflichtet werden, ihren Wasserverbrauch zu senken, Emissionen zu verringern und Abwärme nutzbar zu machen.

Außerdem sollen sie lokale Arbeitsplätze schaffen, Waren und Dienstleistungen vor Ort einkaufen, notwendige Infrastruktur-Ausbauten selbst finanzieren und die Anwohner ernsthaft einbinden.

Allein können Bürgermeisterinnen und Bürgermeister allerdings wenig ausrichten. Sutherland betonte, die gemeinsame Vision müsse in lokale Regeln und Leitlinien übersetzt werden – mit Unterstützung der Versorgungsunternehmen, anderer Verwaltungsebenen und der Privatwirtschaft.

Rund die Hälfte der vierzig Unterzeichnerstädte liegt in den USA, darunter Seattle, Chicago, Miami, Phoenix und Palo Alto.

Auch europäische Städte aus Griechenland, Spanien, Italien, Deutschland, dem Vereinigten Königreich und Norwegen machen mit, ebenso Kommunen in Kanada, Kenia, Südafrika, Sierra Leone, Côte d'Ivoire, Indien, Australien und Libanon.

Südostasien bleibt außen vor

Keine Stadt in Südostasien hat das Abkommen unterzeichnet, obwohl die Region für rund ein Viertel des weltweiten Zuwachses beim Energieverbrauch steht.

Nach Angaben des Thinktanks Ember sind in Indonesien, Malaysia, Singapur, Thailand, Vietnam und den Philippinen bereits mehr als 2.000 Rechenzentren in Betrieb.

Die Internationale Energieagentur rechnet damit, dass der jährliche Energiebedarf dieser Anlagen in fünf Jahren mehr als doppelt so hoch sein wird.

Vor allem Malaysia zieht inzwischen umfangreiche Investitionen von Microsoft, Google und Nvidia an.

Mehrere Städte in Südostasien erklärten laut C40, sie könnten wegen nationaler Vorgaben oder anderer Hürden nicht unterschreiben. Gespräche liefen aber weiter.

Rechenzentren ziehen es grundsätzlich in Städte, denn KI-gestützte Systeme brauchen nahezu sofortige Antwortzeiten. Die Nähe zu den Kundinnen und Kunden ist daher entscheidend.

Sie ballen sich meist in bestimmten Regionen und bilden Metropolen-Ökosysteme, in denen die geschäftlichen Vorteile die hohen Grundstückspreise überwiegen. Erst seit Kurzem drängt diese Dynamik die Branche auch in ländliche Gebiete, sagt Andrew Batson, globaler Leiter der Rechenzentrumsforschung beim Immobilienberater JLL.

Die Unterzeichner setzen darauf, dass eine geschlossene Front die Spielregeln verändert. Ohne sie, so formulierte es Gallego, würden Investoren einfach Städte suchen, die zu schwach sind, um bessere Bedingungen zu verlangen.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Macron und Modi besuchen indischen Pavillon auf Frankreichs Techmesse VivaTech

VivaTech 2026 in Paris: humanoide Roboter und Smart Homes rücken KI in den Mittelpunkt

Humanoide Roboter laufen mit Models bei Modenschau in Seoul