Medienberichten zufolge wurden Drohnen über einem Bundeswehrstützpunkt gesichtet, wo das Raketenabwehrsystem "Arrow 3" stationiert ist.
Der Vorfall soll sich im Dezember am Standort Annaburger Heide in Brandenburg ereignet haben, wie der WDR und der NDR unter Berufung auf einen Bundeswehrbericht berichten.
Am 3. Dezember vergangenen Jahres wurde "Arrow 3" feierlich eingeweiht. Dem Bericht zufolge sollen zwei Tage zuvor drei Drohnen in rund 100 Meter Höhe über der Radaranlage des Systems geflogen sein. Die Drohnen konnten lediglich als "unbekannten Typ" identifiziert werden.
Weiter heißt es, dass die Bundeswehr die Drohne mithilfe einer eigenen Drohne zwar filmen konnte, doch ein Abschuss mit einem Sturmgewehr mit spezieller Zieloptik erfolglos war. Daraufhin "verschob" und "entzog" die Drohen sich der Sicht, weswegen eine endgültige Identifikation nicht möglich gewesen sei.
Sowohl der Militärische Abschirmdienst (MAD) und die Feldjäger wurden informiert und eine Strafanzeige bei der Polizei erstattet. Wer hinter dem Überflug steckt, ist demnach unklar.
Warum über "Arrow 3"?
Deutschland hatte jahrzentelang keine Antwort auf ballistische Raketen, eine der gefährlichsten Waffenarten der modernen Kriegsführung. Mit diesen Raketen, die auf Höhen bis zu 100 Kilometern steigen können und dabei enorm schnell sind, greift Russland die Ukraine fast täglich seit Februar 2022 an. Dort werden vor allem die US-amerikanischen Patriot-Systeme für die Abwehr eingesetzt.
Um diese Lücke zu schließen, wurde das israelische "Arrow 3"-Raketenabwehrsystem für die Luftwaffe beschaffen. "Arrow 3" deckt Distanzen und Höhen ab, die bislang außerhalb der Reichweite lagen. "Arrow wurde speziell entwickelt, um ballistische Raketen größerer Reichweite abzufangen – etwa solche, die nukleare, chemische oder biologische Sprengköpfe tragen könnten", heißt es laut der Bundeswehr.
Das System schließt somit die Lücke zwischen atmosphärischer und exoatmosphärischer Abwehr. Zerstört werden anfliegende Raketen nicht per Sprengladung, sondern durch direkten Aufprall. Dieses sogenannte "Hit-to-Kill"-Verfahren soll den Gefechtskopf noch im Weltraum treffen und
Drohnensichtungen über Militärstandorten keine seltenheit
Bereits im Oktober vergangenen Jahres wurde über Drohnensichtungen in Deutschland vermehrt berichtet, wie beispielsweise mehrere unbemannte Flugobjekte, die Anfang Oktober 2025 in Kiel und Umgebung registriert wurden.
Berichten zufolge soll eine große Mutterdrohne von einem russischen Schiff in der Ostsee gestartet und einen KI-gesteuerten Schwarm aus Quadrocoptern über Schleswig‑Holstein abgesetzt haben. Ein Quadrocopter ist eine Drohne mit vier Rotoren, die stabil fliegt und für wendige Manöver sowie Kameraaufnahmen genutzt werden kann. Unter einer "Mutterdrohne" versteht man einen Drohnenträger, der kleinere Drohnenschwärme in der Luft freisetzen kann.
Die Drohnen wurden unter anderem über der Werft des Industriekonzerns Thyssenkrupp, dem Universitätsklinikum, dem Küstenkraftwerk, dem Sitz des Landtags sowie am Nord‑Ostsee‑Kanal gesichtet. Dem Spiegel zufolge zielten die Drohnen offenbar darauf ab, wichtige Infrastruktur und Industrieanlagen zu vermessen.
Oberst a.D. und Präsident von EuroDefense, Ralph Thiele, erklärt im Gespräch mit Euronews, das Auskundschaften mit Drohnen diene der Erstellung digitaler "Zwillinge" der kritischen Infrastruktur, militärischen Fähigkeiten und Transportwege. Solche digitalen Modelle könnten im Ernstfall für Sabotage, Spionage oder direkte militärische Angriffe genutzt werden.
Woher kommen die Drohnen?
In den vergangenen Monaten haben sich Drohnensichtungen gehäuft. Wer diese Drohnen steuert, oder ob ein ausländischer Akteur dahintersteckt, konnte bislang nicht in allen Fällen belegt werden. Um das zu belegen muss generell die Drohne, sowie die Person, die sie steuert, gefasst werden.
Im Fall Schleswig-Holstein vom vergangenen Jahr soll jedoch eine "Mutterdrohne" von einem Schiff "unter fremder Flagge" gestartet worden sein. Darunter versteht man unter anderem Schiffe der sogenannten russischen "Schattenflotte".
Der Leiter des Counter Extremism Projects, Hans-Jakob Schindler, erklärt, dass dieser Begriff "im allgemeinen für die Flotter älterer Tanker und Transportschiffe verwendet wird, welche Russland dazu benutzt EU und US-Sanktionen gegen seine Energie- und Exportwirdschaft zu umgehen".
Einem Bericht des Center for European Policy Analysis (CEPA ) zufolge sollen die Kontrollen der russischen "Schattenflotte" Tanker verschärft werden, indem Nachweise über Versicherung und Registrierung vorlegt werden müssen.
Über 900 Schiffe fahren dem CEPA zufolge ohne verlässliche Versicherung unter falscher Flagge. Sie werden für Sicherheitsrisiken verantwortlich gemacht, darunter auch für mutmaßliche Drohnenstarts und Kabelsabotagen.
Trotz EU-Sanktionen wächst Russlands Schattenflotte weiter, da alte Tanker aufgekauft und unter neuen Flaggen betrieben werden. Asiatische und arabische Abnehmer sichern die Nachfrage. Für Moskau bleibt die Flotte somit weiterhin ein zentrales Mittel, um Sanktionen zu umgehen und hybride Operationen in Europa zu unterstützen.