Kegel umfahren, Körbe aus dem Straßenbahnfenster mit Bällen treffen und so sanft bremsen, dass kein Wasser aus einer Schüssel verschüttet wird: So laufen die Europameisterschaften der Straßenbahnfahrer in Warschau ab.
Am Wochenende traten im Herzen Warschaus 26 zweiköpfige Teams von Straßenbahnfahrern aus europäischen Städten sowie als Gast aus dem australischen Melbourne gegeneinander an.
Sie mussten Kegel umfahren, Körbe aus dem Straßenbahnfester treffen und besonders sanfte Bremsungen vorführen.
Die von Warschau ausgerichteten Wettkämpfe eröffnete offiziell Bürgermeister Rafał Trzaskowski. Das Ereignis war Teil der Feierlichkeiten zum 160-jährigen Bestehen des städtischen Straßenbahnverkehrs. Es begleitete die Tage des öffentlichen Nahverkehrs, bei denen die Besucher unter anderem eine Ausstellung historischer Busse und Straßenbahnen erwartete.
"Ich muss wohl niemanden mehr davon überzeugen, dass wir in Warschau den öffentlichen Nahverkehr mögen, in ihn investieren und ihn ständig ausbauen. Heute feiern wir gemeinsam mit den Straßenbahnbetrieben und haben dazu noch bestes Wetter. Ich wünsche Ihnen viel Spaß und viele Emotionen. Nutzen Sie den öffentlichen Verkehr im Alltag, er ist wirklich der beste in dieser Region Europas", sagte Bürgermeister Trzaskowski vor Beginn des Wettbewerbs.
Die Fahrer traten in Disziplinen an, die spektakuläre Unterhaltung mit einem anspruchsvollen Test von Präzision und Nervenstärke kombinierten. Solche Fähigkeiten brauchen sie im täglichen Dienst.
Straßenbahn-Europameisterschaft
Neben dem Umwerfen von Kegeln und Würfen in den Korb direkt aus dem Straßenbahnfenster mussten die Teilnehmenden rückwärts fahren und bremsen, sodass aus einer Schüssel möglichst wenig Wasser verschüttet wurde. Sie sollten den Wagen so dicht wie möglich am Mittelpunkt einer Plattform zum Stehen bringen, ein Hindernis umfahren – in dieser Rolle die Warschauer Meerjungfrau als Stadtsymbol – und die Bahn bei komplett abgedecktem Tachometer auf eine vorgegebene Geschwindigkeit beschleunigen.
Die zwölfte Auflage von TRAM-EM entschieden Vendula Tmejová und Zdenek Rychtár vom Prager Verkehrsunternehmen Dopravní podnik hl. m. Prahy für sich.
Auf dem Podium standen außerdem Teams aus dem rumänischen Oradea und aus Bulgariens Hauptstadt Sofia. Unter den polnischen Mannschaften erzielte Gorzów Wielkopolski als bestes Team Rang zwölf und lag damit knapp vor der Vertretung Warschaus.
Nächste Meisterschaft in Luxemburg
Den Einzeltitel als bester Straßenbahnfahrer holte Andrii Bichev vom Kyjiwer Verkehrsbetrieb Kyiwpastrans, beste Straßenbahnfahrerin wurde Hilda Polamo aus dem finnischen Tampere.
Das deutsche Team aus Frankfurt (Yvonne Bahl und Robin Hepp) belegte bei der Tram-Europameisterschaft in Warschau Platz 17 von 26. In der Gesamtwertung kam Frankfurt auf 4.420 Punkte.
Beim feierlichen Abschluss übergab Wojciech Bartelski, Präsident von Tramwaje Warszawskie, den symbolischen Staffelstab an den nächsten Veranstalter - an Helge Dorstewitz, Präsident des Unternehmens Luxtram. Luxemburg richtet die 13. Ausgabe am dritten Juli 2027 aus, anlässlich des zehnjährigen Jubiläums seines Straßenbahnnetzes, das nach der Stilllegung der alten Infrastruktur im Jahr 1964 neu aufgebaut wurde.