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Die Zukunft anziehen: Nachhaltigkeit in der Bekleidungsindustrie

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Pascal Brun
Pascal Brun   -   Copyright  euronews
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Als Verantwortlicher für Nachhaltigkeit bei H&M, dem weltweit bekannten Bekleidungsunternehmen, der für seine „schnelle Mode“ bekannt ist, hat Pascal Brun alle Hände voll zu tun.

Er ist entschlossen, das ehrgeizige Nachhaltigkeitsziel des Unternehmens zu umzusetzen, bis 2040 eine positive Klimabilanz aufzuweisen. Er sagt, H&M wolle nicht nur seine eigene Handlungsweise verbessern, sondern auch die Bekleidungsindustrie insgesamt in eine neue, nachhaltigere Zeit führen.

So wie Mode heute genutzt und hergestellt wird, ist sie nicht nachhaltig
Pascal Brun
Bei H&M für Nachhaltigkeit zuständig

Mit der Größe des Unternehmens gehe eine Verantwortung einher, sagt er gegenüber euronews. „So wie Mode heute genutzt und hergestellt wird, ist sie nicht nachhaltig. Wir brauchen ein neues Modell und müssen unseren Wirtschaftszweig verändern. Unser Ziel ist die Entwicklung von einem linienförmigen Modell zu einem Kreislauf“, betont er.

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Ein Kreislauf ist das Ziel

Um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, sagt der mit dem Thema Nachhaltigkeit bei dem schwedischen Unternehmen betraute Brun, müsse H&M sicherstellen, dass Kleidung so lange wie möglich in Gebrauch bleibe und dann ein neues Leben erhalte. Es geht um einen Kreislauf.

„Man kann modebewusste Ware herstellen, ohne den Kreislauf zu zerstören", sagt Brun und nimmt als Beispiel seine eigene Jacke zur Hand: „Das sind Teile, die leicht zerlegt werden und wiederverwendet werden können. Es wurden auch Stoffe eingesetzt, die weniger Spuren hinterlassen. Das ist gebrauchte Baumwolle, eine Jacke aus unterschiedlichen Teilen. Gebrauchtes Metall, Reißverschlüsse. Man sieht keine Nieten“, erläutert er.

Aber H&M ist noch nicht am Ziel: Kleidung, die zerlegbar ist und somit leichter wiederverwendet werden kann, und das Vorhandensein der dafür notwendigen Stoffe sind zwei der Schwierigkeiten, für die das Unternehmen Lösungen finden muss.

Heute reicht das Angebot an gebrauchten Stoffen nicht annähernd an die wachsende Nachfrage heran. Brun hofft, dass Neuerungen helfen werden - finanziert durch einen „Lauf“ von Aufträgen, bei denen „das Geschäft Möglichkeiten schafft“. Er fordert: „Wir müssen Erneuerer zusammenbringen und eine Partnerschaft des Fortschritts schaffen.“

Die Entwicklung neuartiger Stoffe - beziehungsweise ihre veränderte Gewinnung - ist eine weitere Möglichkeit, um Kleidung umweltfreundlicher zu machen.

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Tonnen von Kleinstplastik landen im Meer. Auch das hat mit Kleidung zu tun. Denn die Teilchen werden freigesetzt, wenn die Kleidung gewaschen wird. Eine Lösung bestehe darin, so Brun, die Menschen zu ermutigen, ihre Kleidung in Wäschesäcke zu stecken, die das Kleinstplastik auffangen (aber somit keine Müllvermeidung bedeuten), eine andere darin, neue Wege zu finden, um Garn zu spinnen, damit es nicht mehr freigesetzt wird.

Wagen Sie es, kühn zu sein
Pascal Brun
Bei H&M für Nachhaltigkeit zuständig

Die Stoffe der Zukunft?

Einige solcher Lösungen, an denen derzeit geforscht wird, sind laut Brun Kunststoffe, die Kohlenstoffe aufnehmen, und im Labor gezüchtete Baumwolle. Brun sagt, H&M unterstütze die Forschung bei der Entwicklung einer ganzen Reihe von Stoffen. Dazu gehöre auch Leder, das aus Zellen gezüchtet wird, damit es „nicht mehr von einer Kuh oder einem Schaf kommt“, so Brun.

Neuerungen, Partnerschaften und Ratschläge für die Kundschaft: Brun hält beim Versuch, die Nachhaltigkeit in der Bekleidungsindustrie zu erhöhen, mehrere Fäden in der Hand. Einer davon hat viel mit Mut zu tun. „Wagen Sie es, kühn zu sein. Sich wagen, kühn zu sein, sich zu etwas bekennen, transparent zu sein“, so der leitende H&M-Angestellte.