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Nehmen Sie Vitamin-D-Präparate ein? Überdosierung kann schlimme Folgen haben

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Von Luke Hurst
Die Überdosierung von Vitamin D kann ernsthafte Konsequenzen haben
Die Überdosierung von Vitamin D kann ernsthafte Konsequenzen haben   -   Copyright  Michele Blackwell on Unsplash

Ein Mann, der über Monate hinweg Vitamin-D-Präparate eingenommen hatte, hatte mit ernsten gesundheitlichen Beschwerden zu kämpfen.

In einem Fall, der die Gefahren einer Überdosierung von Nahrungsergänzungsmitteln verdeutlicht, wurde ein Mann mittleren Alters in Großbritannien ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem er drei Monate lang unter wiederkehrendem Erbrechen und anderen schwerwiegenden Symptomen gelitten hatte.

Ärzt:innen warnen nun, dass es sich bei dem Fall um ein Beispiel für "Hypervitaminose D" - die Bezeichnung für eine Überdosierung von Vitamin D - handelt, ein Phänomen, das aufgrund der Beliebtheit von Nahrungsergänzungsmitteln immer mehr zunimmt.

Eine Hypervitaminose D kann zu einer Anhäufung von Kalzium im Blut führen, was Übelkeit und Erbrechen, Schwäche und häufiges Wasserlassen nach sich ziehennkann, so die Mayo Clinic. Das amerikanische medizinische Zentrum erklärt außerdem, dass eine Vitamin-D-Toxizität Knochenschmerzen und Nierenprobleme wie die Bildung von Kalziumsteinen verursachen kann.

Ärzte haben in der Zeitschrift BMJ Case Reports vor den Gefahren einer Vitamin-D-Überdosierung gewarnt, nachdem sie den betreffenden Mann behandelt hatten.

Erbrechen, Übelkeit, Unterleibsschmerzen

Der Mann wurde von seinem Hausarzt ins Krankenhaus überwiesen, nachdem er einen Monat nach Beginn einer intensiven Einnahme von Vitaminpräparaten unter einer Reihe schwerwiegender Symptome gelitten hatte.

Zu den Symptomen, die drei Monate lang andauerten, gehörten wiederkehrendes Erbrechen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Wadenkrämpfe, Tinnitus (Ohrgeräusche), Mundtrockenheit, erhöhter Durst und Durchfall. Außerdem verlor er in dieser Zeit 12,7 kg an Gewicht.

Als diese Symptome auftraten, hörte der Patient auf, seinen täglichen Nahrungsergänzungscocktail einzunehmen, aber sie verschwanden nicht.

Von seinem Hausarzt angeordnete Bluttests ergaben, dass er sehr hohe Kalziumwerte und leicht erhöhte Magnesiumwerte hatte. Sein Vitamin-D-Spiegel lag siebenmal höher als der empfohlene Wert.

Außerdem wurde bei ihm eine akute Nierenschädigung festgestellt, und die Organe funktionierten nicht richtig.

Der Mann wurde acht Tage lang im Krankenhaus behandelt und bekam Flüssigkeit, um sein System durchzuspülen, sowie eine Behandlung zur Senkung des Kalziumspiegels in seinem Blut.

Freiverkäuflicher Ergänzungscocktail

Der Patient begann seine Nahrungsergänzung auf Anraten eines Ernährungstherapeuten. 

Die Autoren der Studie warnen davor, dass solche Fälle aufgrund der zunehmenden Beliebtheit von Nahrungsergänzungsmitteln, für die in der Werbung, von Gesundheitsinfluencern und Ernährungsberatern geworben wird, weltweit zunehmen.

Der Mann hatte täglich hohe Dosen von mehr als 20 rezeptfreien Nahrungsergänzungsmitteln eingenommen. Darunter befanden sich 150.000 internationale Einheiten (IE) Vitamin D, mehr als das 300-fache der empfohlenen Tagesdosis.

Zwei Monate nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus hatte sich sein Kalziumspiegel wieder normalisiert, aber sein Vitamin-D-Spiegel war immer noch abnorm hoch.

Die Autoren des Zeitschriftenartikels warnten, dass "weltweit ein zunehmender Trend zur Hypervitaminose D zu beobachten ist, einem klinischen Zustand, der durch erhöhte Serum-Vitamin-D3-Spiegel gekennzeichnet ist".

Frauen, Kinder und chirurgische Patienten seien am ehesten davon betroffen.

Dr. Alamin Alkundi, ein Endokrinologe und Mitverfasser des Berichts, erklärte gegenüber Euronews Next, dass die Öffentlichkeit stärker sensibilisiert werden müsse, um einen übermäßigen oder unkontrollierten Gebrauch von Vitamin-D-Präparaten zu verhindern. Er fügte hinzu, dass auch bei anderen frei verkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln Risiken bestehen.

"Praktisch ist es möglich, jedes Nahrungsergänzungsmittel (einschließlich Wasser) zu überdosieren, vor allem, wenn die Leber und/oder die Nieren nicht gut arbeiten", sagte er in einer E-Mail.

"Daher sollte eine Überdosierung von Nahrungsergänzungsmitteln vermieden werden".

Empfohlene Einnahme von Vitamin D respektieren

Auch wenn die Autor:innen vor den Gefahren einer Überdosierung warnen, ist Vitamin D wichtig für die Gesundheit, besonders im Herbst und Winter.

Denn die beste Quelle für Vitamin D ist das Sonnenlicht, das in den Wintermonaten nicht stark genug ist, um den Körper ausreichend mit dem Vitamin zu versorgen.

Vitamin D ist auch in einigen Lebensmitteln enthalten, darunter fetter Fisch wie Lachs, Sardinen, Hering und Makrele, rotes Fleisch, Leber, Eigelb und einige angereicherte Lebensmittel wie Frühstücksflocken.

Vitamin D trägt dazu bei, die Kalzium- und Phosphatmenge im Körper zu regulieren. Diese Nährstoffe werden benötigt, um Knochen, Zähne und Muskeln zu erhalten.

Für die meisten Menschen beträgt die empfohlene Tagesdosis jedoch nur 10 Mikrogramm (μg) oder 400 IE. Ein Mikrogramm ist 1.000 Mal kleiner als ein Milligramm (mg).

Der britische Gesundheitsdienst NHS empfiehlt dringend, nicht mehr als 100 μg (4.000 IE) Vitamin D pro Tag einzunehmen. Dies gilt für Erwachsene, einschließlich schwangerer und stillender Frauen und älterer Menschen, sowie für Kinder zwischen 11 und 17 Jahren.

Kinder im Alter von 1 bis 10 Jahren sollten nicht mehr als 50 μg (2.000 IE) pro Tag zu sich nehmen, Säuglinge unter 12 Monaten sollten nicht mehr als 25 μg (1.000 IE) pro Tag.

In den Vereinigten Staaten wird für die meisten Erwachsenen eine Tagesdosis von 15 μg (600 IE) Vitamin D empfohlen, für Personen über 70 Jahren steigt die Dosis auf 20 μg (800 IE) pro Tag.

Die Autor:innen der Studie weisen darauf hin, dass die Symptome einer Vitamin-D-Toxizität vielfältig sind und neben den bei den Patienten aufgetretenen Symptomen auch Schläfrigkeit, Verwirrung, Apathie, Psychosen, Depressionen, Koma, Anorexie, Geschwüre, Pankreatitis, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen umfassen können.

Sie warnen davor, dass sich viele Menschen der potenziellen Gefahren der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln in "unsicheren Mengen oder in unsicheren Kombinationen" nicht bewusst sind, und dass sie ihren Arzt fragen sollten, bevor sie mit einer alternativen Therapie oder einem rezeptfreien Medikamentenregime beginnen.