Belgisches Model Julia warnt vor Deepnudes

Julia hatte eine Nachricht mit gefälschten Nacktfotos von ihr bekommen.
Julia hatte eine Nachricht mit gefälschten Nacktfotos von ihr bekommen. Copyright Julia, une étudiante et mannequin belge, a été victime de deepfake.
Copyright Julia, une étudiante et mannequin belge, a été victime de deepfake.
Von Heilika Leinus
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Bevor Julia selbst zum Opfer von Kriminellen wurde, die Deepnudes erstellen, dachte sie nicht, dass so etwas mit ihr passieren kann.

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Julia (21) ist Marketingstudentin und semiprofessionelles Model aus Belgien. Vor kurzem hat jemand, der anonym bleiben wollte, aus ihrem Foto ein sogenanntes Deepnude erstellt: Mittels einer KI-Anwendung wurde sie auf einem privaten Foto virtuell ausgezogen.

„Ich hatte bereits von Deepnudes und Deepfakes gehört, aber sie waren mir nicht wirklich bekannt, bevor es mir passierte“, gab sie in einem Interview mit Euronews zu. „Für mich war es ein etwas anekdotisches Ereignis, das im Leben anderer Menschen geschah, aber nicht in meinem.“

Anonyme Nachricht vom Unbekannten

Eines Tages hat sie eine anonyme Nachricht bekommen: „Hallo Julia. Wir fragen uns, welches Foto dir am ähnlichsten sieht. Hier habe ich die Bilder. Danke für deine Rückmeldung.“ Auf dem mithilfe einer KI-Software erstellten Foto war sie vollkommen nackt. Auf dem ursprünglichen Foto trug sie einen weißen Top und eine kurze Jeans.

„Es war sehr seltsam, weil ich wusste, dass es nicht mein Körper war, aber gleichzeitig hatte ich wirklich das Gefühl, mich selbst zu sehen. Ich war also in einer Art Zwischenzustand, der schwer zu beschreiben ist“, schilderte das junge Model. Weil das private Foto direkt von einem alten privaten Instagram-Konto von Juli entnommen wurde, könnte es sein, dass sie diese Person kennt. „Meine einzige Angst war, dass er sie auf Webseiten platziert, um Geld zu verdienen und zugleich mein öffentliches Image zu beschädigen“, sagt Julia.

In Belgien eine Straftat

Das Erstellen und Teilen von Deepnudes ist nach belgischem Recht illegal und strafbar. Daher erstattete Julia am nächsten Tag Anzeige bei der Polizei. Wie Julia erzählt, war die Polizistin zwar sehr höflich, gab ihr aber nicht viel Hoffnung, dass der Täter eines Tages erfasst wird. Sie sagte mir: „Der Staatsanwalt ist überfordert. Die Chance ist sehr, sehr gering“, erinnert sich Julia.

Zum Glück wurde Julia mit ihrer Sorge nicht alleingelassen. „Ich habe viele sehr nette Rückmeldungen erhalten. Die Leute, die mir folgen, sind sehr nett und fürsorglich“, sagt sie. Ihrer Meinung tun die Plattformen für soziale Medien nicht genug, um die Nutzer vor Missbrauch der Fotos zu schützen.

Neulich erhielt Julia von einem Freund auf TikTok eine Nachricht mit der Überschrift „Willst du deinen Schwarm nackt sehen? Schau dir diese App an“. „Es war klar, dass es sich um einen Betrug handelte. Aber ich verstand nicht, wie die Anwendung bei solchen Titeln die Videos durch einen Filter passieren lassen konnte“, ist Julia ratlos.

Neue EU-Richtlinie soll Frauen schützen

Mit einer neuen Richtlinie will die Europäische Union nun Frauen besser vor Gewalt schützen. Mit der Richtlinie sollen nicht nur sexuelle und häusliche Gewalt gegen Frauen überall in der Europäischen Union strafbar werden, sondern auch digitale Gewalt.

„Das ist alles sehr gut, aber es ist zu spät. Es hätte passieren müssen, bevor diese Anwendungen in Europa zugelassen wurden“, ist Julia überzeugt. Heute zeigen 98 Prozent der Deepnudes Frauen. Laut einer Studie der Universität Antwerpen haben sieben Prozent der jungen Belgier bereits ein Deepnude erstellt.

Menschen, die Deepnudes anfertigen, rät Julia: „Denkt nach, werdet aufmerksam, lest Bücher über Einwilligung und Feminismus. Beschäftigt euch mit etwas anderem, als Frauen auszuziehen, die nicht darum gebeten haben. Oder junge Männer, denn das passiert auch Männern.“

Ihre Botschaft an die Opfer: „Sprecht darüber. Ich weiß, dass es leichter gesagt als getan ist, aber sagt es, habt keine Angst. Schweigt vor allem nicht, schämt euch nicht. Scham muss die Seite wechseln. Opfer müssen sich nicht schämen.“

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