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Die Roboter für den Krieg der Zukunft kommen aus dieser spanischen Kleinstadt

Ihr aunav.BEST-System.
Ihr aunav.BEST-System. Copyright  Cortesía: EM&E Group
Copyright Cortesía: EM&E Group
Von Christina Thykjaer
Zuerst veröffentlicht am
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Ein Militärroboterwerk im ländlichen Spanien hat sich zu einem wichtigen Akteur in der europäischen Verteidigungsindustrie entwickelt, der Technologie in mehr als 20 Länder exportiert und Wirtschaft und Leben in der spanischen Kleinstadt verändert hat.

In einer aragonesischen Stadt mit etwas mehr als 10.000 Einwohnern zwischen Huesca und Lleida im Nordosten Spaniens befindet sich die größte Produktionsstätte für militärische Robotik des Landes.

In Binéfar entstehen Bodenroboter, die heute in mehr als 20 Ländern eingesetzt werden, in Kriegsszenarien ebenso wie bei der Kampfmittelbeseitigung und bei logistischen Unterstützungsmissionen. Das Werk gehört zur Unternehmensgruppe EM&E (Escribano Mechanical & Engineering) und zählt zu den zentralen Akteuren des spanischen Verteidigungssektors.

Dieser befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen, geprägt vom Krieg in der Ukraine und dem rasanten Aufstieg unbemannter Technologien.

Die Geschichte des Standorts Binéfar begann weit entfernt von militärischen Einsatzgebieten, auch wenn das Werk heute als europäischer Referenzpunkt gilt. Wie Rafael de Solís, Leiter der Robotiksparte der EM&E Gruppe, im Gespräch mit Euronews erläutert, wurde die Fabrik 1988 gegründet und entwickelte zunächst Sicherheitssysteme für Banken.

"Der Ursprung des Werks ist vollständig lokal. Gegründet wurde es von drei Erfindern aus der Region, die eine große Leidenschaft für Technik hatten", sagt er. Einer der drei ist bis heute als technischer Leiter mit dem Unternehmen verbunden.

Eine entscheidende Wende kam im Jahr 2001, auf dem Höhepunkt der terroristischen Bedrohung durch die ETA in Spanien. "Die Nationalpolizei war nicht in der Lage, die von der ETA in Fahrzeugen platzierten Sprengsätze wegen ihres Gewichts zu handhaben. Sie wandte sich an uns mit der Bitte, einen neuen Roboter zu entwickeln. Damit begann unsere Spezialisierung auf Robotik", so De Solís.

Seitdem konzentriert sich das Werk ausschließlich auf Roboter für die Kampfmittelbeseitigung, den nuklearen, biologischen, radiologischen und chemischen Schutz sowie seit einiger Zeit auch auf unbemannte Bodenfahrzeuge für militärische Zwecke.

Ein aunav.NEO HD-Roboter
Ein aunav.NEO HD-Roboter EM&E Group

Roboter und die moderne Kriegsführung

Die von menschlichen Bedienern ferngesteuerten Systeme können Munition, Nachschub und Treibstoff transportieren oder Verwundete vom Schlachtfeld bergen. Zudem lassen sich eigens entwickelte Waffensysteme in die Roboter integrieren.

"Der Krieg in der Ukraine hat den Fokus stark auf Drohnen in der Luft gelenkt, doch auch unbemannte Systeme am Boden gewinnen zunehmend an Bedeutung", erklärt De Solís.

"Es gibt Gebiete, etwa 15 Kilometer hinter der Frontlinie, in denen sich Truppen aufgrund der ständigen Bedrohung aus der Luft kaum bewegen können. Dort können diese Roboter helfen, die Zahl der Opfer zu senken."

Die EM&E Gruppe exportiert ihre Systeme seit mehr als zwei Jahrzehnten und beliefert Kunden in Asien, Afrika, dem Nahen Osten sowie in Europa und den NATO Staaten.

"Wir sind in mehr als 20 Ländern präsent, vor allem in Regionen mit einem hohen Terrorismusrisiko", ergänzt er. Im Vergleich zu anderen europäischen Wettbewerbern hebt sich das Werk in Binéfar vor allem durch seine Größe ab.

"In Frankreich gibt es nichts Vergleichbares", sagt De Solís. "In Deutschland gab es einen großen Konkurrenten, der jedoch von einem amerikanischen Unternehmen übernommen wurde. Unsere wichtigsten Wettbewerber sind heute Unternehmen aus den USA und aus Kanada."

Die EM&E-Gruppe unterzeichnet eine Vereinbarung mit Tecnove und Practika über die gemeinsame Entwicklung fortschrittlicher Verteidigungs- und Sicherheitsfahrzeuge.
Die EM&E-Gruppe unterzeichnet eine Vereinbarung mit Tecnove und Practika über die gemeinsame Entwicklung fortschrittlicher Verteidigungs- und Sicherheitsfahrzeuge. EM&E Group

Technologie und Territorium

Angesichts des anhaltenden Bevölkerungsrückgangs in weiten Teilen des spanischen Binnenlandes gilt die Ansiedlung von Hochtechnologieunternehmen in Kleinstädten als eine der wenigen Möglichkeiten, qualifizierte und langfristige Arbeitsplätze zu schaffen.

Über den militärischen Bereich hinaus hat sich das Robotikwerk zu einem zentralen wirtschaftlichen Motor für Binéfar und die umliegende Region entwickelt. Derzeit arbeiten dort mehr als 150 Menschen, perspektivisch soll die Belegschaft auf 300 anwachsen.

"In etwas mehr als einem Jahr haben wir die Zahl der Beschäftigten verdoppelt", erklärt De Solís. "Achtzig Prozent der Mitarbeitenden stammen aus der Region oder aus benachbarten Landkreisen. Einige waren zuvor in Großstädte gegangen und haben sich bewusst für eine Rückkehr entschieden."

Diese Entwicklung ist auch im Stadtbild spürbar. Für Patricia Rivera, Bürgermeisterin von Binéfar, hat das Werk die Rolle der Gemeinde als Industrie und Technologiestandort deutlich gestärkt. "Binéfar verfügte bereits über einen starken Agrar und Lebensmittelsektor. Dieses Unternehmen hat jedoch den technologischen Bereich erheblich vorangebracht und einen qualitativen Sprung ermöglicht", sagt sie im Gespräch mit Euronews.

Das schnelle Wachstum bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. "Es geht sehr rasch voran, und als Verwaltung müssen wir entsprechend schnell reagieren, um Dienstleistungen, Wohnraum und Infrastruktur bereitzustellen", räumt Rivera ein. "Das ist nicht einfach, aber wir arbeiten daran, diese Entwicklung zu begleiten."

Ein dezentrales Industriemodell

Das Werk in Binéfar ist Teil einer übergeordneten Strategie der EM&E Gruppe, ihre Aktivitäten auf verschiedene Regionen Spaniens zu verteilen. Der Hauptsitz bleibt in Madrid, doch in mehreren Landesteilen wurden spezialisierte Standorte aufgebaut: Software und künstliche Intelligenz in Barcelona, Waffensysteme in Córdoba und Linares, Forschung in Asturien sowie photonische Entwicklungen in Valencia.

"Wir wollten nicht alles weiter in Madrid bündeln", erklärt De Solís. "Unser Ansatz ist es, die Produktion zu regionalisieren und die vorhandenen Talente in unterschiedlichen Teilen des Landes zu nutzen."

Auch die Stadtverwaltung sieht darin eine Stärkung der strategischen Rolle Binéfars. "Wir liegen an einem wichtigen Knotenpunkt zwischen Aragón und Katalonien, verfügen über gute Verkehrsverbindungen und über Unternehmen, die seit Jahrzehnten hier verwurzelt sind. Es geht weniger darum, neue Firmen anzusiedeln, sondern darum, die bestehenden Betriebe bei ihrem Wachstum zu unterstützen", betont die Bürgermeisterin.

In dieser aragonesischen Stadt treffen Krieg, Technologie und das ländliche Spanien innerhalb derselben Produktionskette aufeinander. Roboter, die Leben retten und zugleich für den Einsatz im Krieg konzipiert sind, entstehen in einem Werk, das gleichzeitig dazu beiträgt, Arbeitsplätze zu sichern und die industrielle Rolle ländlicher Regionen neu zu definieren.

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