Nach den Wünschen der Regierung von Praia soll die digitale Wirtschaft bis 2030 ein Viertel des BIP ausmachen. Die Internetdurchdringung liegt bei 75 Prozent - doppelt so hoch wie der afrikanische Durchschnitt. Aber die große Herausforderung ist, die Abwanderung von Fachkräften zu stoppen.
Der wirtschaftliche Fokus der kapverdischen Inseln liegt heute auf dem Tourismus. Doch die Inselgruppe im Atlantischen Ozeanden hat den Ehrgeiz, in naher Zukunft das "Estland Afrikas" zu werden. Das Land soll zur Spitze der Technologie des afrikanischen Kontinents und ein wichtiges Zentrum für den digitalen Sektor werden - ein Bereich, in dem es anderen afrikanischen Staaten bereits weit voraus ist.
Dieser Vorsprung hatte es dem Land bereits ermöglicht, den Auswirkungen der Covid-19-Epidemie auf den Tourismus zu mildern, wie die britische Zeitung The Guardian in einem Artikel schreibt.
Der Staatssekretär für die digitale Wirtschaft, Pedro Fernandes Lopes, erklärte gegenüber der britischen Zeitung, dass das Land ein "Leuchtturm" für den freien Personen- und Kapitalverkehr zwischen der gesamten afrikanischen Diaspora in der ganzen Welt werden wolle. Lopes ist Zugpferd der Bemühungen der Kapverden, sich nach estnischem Vorbild in ein digitales Zentrum für Westafrika und darüber hinaus zu verwandeln. Das baltische Land ist seit einigen Jahren ein Vorreiter in Europa, was die Digitalisierung der Wirtschaft angeht.
Die Kapverden haben das Staatssekretariat im Jahr 2021 mit dem Ziel gegründet, dass die digitale Wirtschaft bis 2030 ein Viertel des BIP ausmacht.
"Die Seewege, auf denen einst der Sklavenhandel stattfand, sind dieselben, auf denen heute die Unterseekabel verlaufen, die Hochgeschwindigkeitsinternet bringen", so der Staatssekretär.
Die Inselgruppe hat eine Internetdurchdringungsrate von 75 %, doppelt so viel wie der Durchschnitt in Afrika. Der Guardian weist auch darauf hin, dass in den Schulen des Landes Fächer wie Robotik oder Computerprogrammierung unterrichtet werden.
TechParkCV, ein digitalesGeschäftszentrum, das verschiedene öffentliche und private Organisationen beherbergt, mit Einrichtungen in der Hauptstadt Praia und einer Zweigstelle in Mindelo, ist das Ergebnis einer Investition von rund 52 Millionen Euro, die größtenteils von der Afrikanischen Entwicklungsbank finanziert wurde.
Die große Herausforderung bei der Ankurbelung dieser digitalen Wirtschaft besteht darin, die Abwanderung von Fachkräften in dem Land zu stoppen, das die höchste Auswanderungsrate der Welt aufweist. Schätzungen zufolge ist die kapverdische Diaspora drei- bis viermal so groß wie die 529.000 Einwohner des Archipels.