Ferrari stellt in Rom sein erstes vollelektrisches Auto vor, den sogenannten Luce. Doch das Design des Fünfsitzers für 550.000 € stößt online auf breite Kritik und die Aktie verliert fast acht Prozent.
Italiens bekanntester Autohersteller hat am Montag den Ferrari Luce präsentiert, den ersten vollelektrischen Wagen der Marke. Mit einem Einstiegspreis von 550.000 Euro gehört er zu den teuersten E-Autos auf dem Markt.
Für Dienstag organisierte Ferrari-Vorsitzender John Elkann sogar einen Besuch im Quirinalspalast, wo er den Wagen Italiens Präsident Sergio Mattarella vorstellte. In den sozialen Netzwerken stieß das jedoch auf wenig Begeisterung.
Seit der Präsentation vergleichen Nutzer den Luce im Netz mit einem Nissan Leaf oder einem günstigen Toyota. Der Name Luce bedeutet auf Italienisch "Licht". Entwickelt wurde das Modell gemeinsam mit dem früheren Apple-Designchef Jony Ive.
"Der neue Ferrari Luce sieht weniger aus wie ein Supersportwagen und mehr wie ein günstiger Nissan oder Toyota", hieß es in einem viel geteilten englischsprachigen Beitrag. Die Ferrari-Aktie fiel in Mailand zeitweise um bis zu 7,8 Prozent.
Die Kritik kam nicht nur von anonymen Accounts.
Ex-Industrieminister kritisiert Design
Carlo Calenda, ehemaliger italienischer Industrieminister und früher selbst bei Ferrari tätig, nannte den Luce "eine ästhetische und technologische Beleidigung für alle, die Ferrari lieben". Anschließend nutzte er den Moment für ein hartes Urteil über John Elkanns Bilanz.
Elkann, der sowohl Ferrari als auch Exor, die Beteiligungsholding der Familie Agnelli, führt, treibe den schrittweisen Abbau des italienischen Industrieerbes voran, so Calenda.
Der Autozulieferer Magneti Marelli wurde an einen Finanzinvestor verkauft und befindet sich inzwischen in einem Insolvenzverfahren nach Chapter 11. Die Robotik-Sparte Comau wurde 2024 abgegeben, der Lkw-Hersteller Iveco wird abgespalten.
Fiat existiert als eigenständige italienische Automarke faktisch nicht mehr, seit Fiat Chrysler 2021 im Konzern Stellantis aufgegangen ist. Exor führt zudem fortgeschrittene Gespräche über den Verkauf von La Repubblica und La Stampa, zwei der wichtigsten Zeitungen Italiens.
Auch auf der Rennstrecke wartet Ferraris Formel-1-Team seit 2008 auf einen weiteren Weltmeistertitel – sowohl in der Fahrer- als auch in der Konstrukteurswertung.
Ferrari Luce: Kein Ferrari wie zu Großvaters Zeiten
Schnell ist der Luce immerhin. Vier Elektromotoren, je einer pro Rad, liefern mehr als 1.000 PS. Der Wagen beschleunigt in knapp zweieinhalb Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde und erreicht mehr als 310 km/h.
Im Innenraum finden fünf Personen Platz, der Kofferraum fasst 600 Liter. Ferrari verspricht außerdem, dass der Klang nicht an eine Waschmaschine erinnert. Über fünf Jahre entwickelte das Unternehmen ein Akustiksystem, das das Surren der Motoren einfängt und verstärkt, statt künstlich einen klassischen Motorsound zu imitieren.
Die glatte, fast gläsern wirkende Außenhaut, entworfen mit Ives Designkollektiv LoveFrom, bricht deutlich mit der traditionell muskulösen Formensprache der Marke.
Ferrari zeigt sich von der Aufregung unbeeindruckt – im Netz und anderswo.
"Der Ferrari Luce ist keine Reaktion auf Veränderungen", sagte Elkann bei der Präsentation in Rom vor Journalisten. "Er ist eine Entscheidung, eine bewusste Entscheidung, um mit Klarheit und Mut voranzugehen und zu bestimmen, was als Nächstes kommt."
Seit Montag können Kunden Bestellungen aufgeben. Die ersten Auslieferungen erwartet Ferrari noch vor Jahresende.