Beim South Summit in Madrid steht Künstliche Intelligenz im Fokus. Organisatoren, Investoren und Politiker fordern ein wettbewerbsfähigeres Europa, das Talente und Start-ups hält.
Künstliche Intelligenz ist längst mehr als nur eine aufstrebende Technologie. Für die Führungspersönlichkeiten des Start-up-Ökosystems, die sich diese Woche in Madrid treffen, ist sie eine wirtschaftliche Chance, die Europas Rolle in der globalen Wirtschaft neu definieren könnte.
Das war eine der zentralen Botschaften zur Eröffnung des South Summit 2026 (Quelle auf Spanisch), eines der größten internationalen Treffen für Innovation und Unternehmertum in Europa. Die Veranstaltung bringt vom dritten bis fünften Juni mehr als 20.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, rund 4.900 Start-ups, über 2.000 Investorinnen und Investoren und etwa 600 internationale Rednerinnen und Redner zusammen, so die Organisatoren.
Unter dem Motto „AI Convergence“ rückt die 15. Ausgabe der Konferenz Künstliche Intelligenz ins Zentrum der Debatte über Europas wirtschaftliche und technologische Zukunft. Die Präsidentin und Gründerin des South Summit, María Benjumea, betonte zur Eröffnung, „Künstliche Intelligenz ist keine Bedrohung, sondern ein Werkzeug, um zu wachsen und besser zu werden“, und forderte Europa auf, Hürden abzubauen, die das Wachstum junger Unternehmen bremsen.
„Ein in Spanien gegründetes Start-up muss Europa als sein natürliches Zuhause sehen können und nicht als 27 verschiedene Grenzen“, sagte Benjumea. Viele Firmen sähen sich nach wie vor gezwungen, in die USA umzuziehen, um ihre Geschäfte zu skalieren, warnte sie.
Die Veranstalterin hob zudem das Tempo hervor, mit dem sich diese Technologie entwickelt. Nach ihren Angaben hat Künstliche Intelligenz in nur drei Jahren ihren Anteil an den weltweiten Wagniskapitalinvestitionen von 30 % auf 61 % gesteigert – eine Entwicklung, die sie als „Paradigmenwechsel“ bezeichnete.
Spanien unterstreicht Kurs auf Digitalisierung
Der Minister für digitale Transformation und öffentlichen Dienst, Óscar López, nutzte die Eröffnung, um Spaniens Position in der digitalen Wirtschaft zu verteidigen.
„Die OECD hat soeben ihre Prognose für das Wachstum Spaniens von 2,1 % auf 2,2 % nach oben korrigiert. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines nationalen Kurses hin zu digitaler und ökologischer Transformation“, sagte er. López hob zudem hervor, dass Spanien 1.500 Millionen Euro in seine nationale KI-Strategie investiert hat, und betonte, das Land verfüge über einige der modernsten digitalen Infrastrukturen Europas – mit mehr als 96 % Glasfaserabdeckung und knapp 94 % 5G-Abdeckung.
Der Minister fügte hinzu, Spanien sei das erste EU-Land, das eine „vertrauenswürdige und offene“ Künstliche Intelligenz überwacht und entwickelt. Zudem hätten eine Million kleine und mittlere Unternehmen sowie Selbstständige Unterstützung für ihre Digitalisierung erhalten.
KI: vom Werkzeug zum Wachstumsmotor
Nach Angaben der Veranstalter sollte Künstliche Intelligenz nicht mehr als isolierte Technologie gelten, sondern als Querschnittsfaktor, der ganze Branchen verändert.
Als Ausdruck dieser Ausrichtung startet der South Summit in diesem Jahr das neue „AI Forum“, einen Bereich, den die Organisatoren gemeinsam mit der IE University entwickelt haben. Er soll Gründerinnen, Gründern und Unternehmen helfen, innerhalb weniger Stunden Prototypen und Geschäftsmodelle auf Basis von Künstlicher Intelligenz zu entwickeln. „Künstliche Intelligenz hat die Distanz zwischen einer Idee und den ersten konkreten Schritten radikal verkürzt“, sagte Benjumea. „Sie ersetzt weder Urteilsvermögen noch Vision, verkürzt aber die Entwicklungszeit und macht aus einer Idee etwas Greifbares.“
Der Dekan der IE Business School, Lee Newman, sieht das ähnlich. KI verändere die Spielregeln für junge Unternehmen, weil kleine Teams heute über Möglichkeiten verfügen, die früher großen Organisationen vorbehalten waren. „Die Frage ist nicht mehr, ob etwas möglich ist, sondern wie weit man gehen will“, erklärte er.
Globale Führungspersönlichkeiten in Madrid
Zu den prominenten Gästen dieser Ausgabe gehören der ehemalige italienische Ministerpräsident Enrico Letta, der Gründer von Google X, Sebastian Thrun, und die Mitgründerin von Female Invest, Anna Hartvigsen. Erwartet werden außerdem König Felipe VI. sowie Madrids Bürgermeister José Luis Martínez-Almeida und die Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso.
Zum Auftakt sprach zudem Kim Perell, Unternehmerin und Investorin aus dem Silicon Valley, die bereits an mehr als 100 Start-ups beteiligt war. Perell warb für eine pragmatische Sicht auf das Gründen und betonte, „Unternehmertum bedeutet nicht, die eine große Idee zu haben, sondern die Disziplin, umzusetzen und voranzukommen, auch wenn man noch nicht alle Antworten kennt“.