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Warum wir so viel fürs Fliegen zahlen: So berechnet sich das Flugticket

In die Berechnung von Flugticketpreisen fließt eine ganze Menge ein.
Hinter dem Preis eines Flugtickets steckt eine ganze Menge. Copyright  Photo by Oxana Melis on Unsplash
Copyright Photo by Oxana Melis on Unsplash
Von Fakhriya M. Suleiman
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Flugpreise zu berechnen ist komplex. Dynamische Preissysteme, staatliche Vorgaben und globale Entwicklungen machen Tickets für Reisende kaum kalkulierbar.

Hand aufs Herz: Fliegen ist alles andere als billig, und Steuern schlagen erheblich auf den Ticketpreis.

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Die Debatte über Aufschläge auf Flugtickets in Europa ist neu entflammt, seit das deutsche Finanzministerium bekanntgab, dass das Bundeskabinett Pläne gebilligt hat, die Luftverkehrsteuer wieder auf das Niveau von 2024 zu senken.

Wenn die Reform wie geplant im Juli in Kraft tritt, sinken die Luftverkehrsteuern in allen Distanzklassen: auf Kurzstrecken von 15,53 Euro auf 13,03 Euro, auf Mittelstrecken von 39,34 Euro auf 33,01 Euro und auf Langstrecken von 70,83 Euro auf 59,43 Euro.

In der Mitteilung heißt es: „Dem Bundesministerium der Finanzen ist wichtig, dass die Entlastung an die Reisenden weitergegeben wird.“

Allerdings muss der Bundestag den Plänen noch zustimmen, bevor sie tatsächlich greifen.

Doch entlasten diese Kürzungen unsere Geldbeutel wirklich – und sorgen sie über Nacht für günstigere Tickets?

Die komplizierte Preisbildung bei Flugtickets

In die Kalkulation von Flugpreisen fließt vieles ein. Klar ist auch: Wer erst in letzter Minute bucht, zahlt mehr – die Preise sind nicht fix.

Fluggesellschaften arbeiten mit dynamischer Preisgestaltung in Abhängigkeit von einem optimalen „Load Factor“, also der Auslastung des Flugzeugs.

Sind kurz vor Abflug nur noch wenige Plätze frei, wissen die Airlines um die hohe Nachfrage, vor allem in der Ferienzeit. Die Preisalgorithmen passen die Tarife in Echtzeit an – und die Tickets werden teurer.

Zusätzlich verteuern staatliche Abgaben und Gebühren der Flughäfen die Tickets. Forschungsdaten zeigen, dass die ersten Flugticketsteuern in Europa in den 1990er-Jahren in Italien, Frankreich und dem Vereinigten Königreich eingeführt wurden, um zusätzliche Einnahmen für die Staatshaushalte zu erzielen.

In den 2010er-Jahren führten Länder wie Österreich, Deutschland, die Niederlande, Norwegen, Schweden und Portugal Abgaben ein, um die Umweltkosten des Luftverkehrs zu senken.

Eine Studie der in Paris ansässigen Internationalen Energieagentur ergab, dass die Luftfahrt 2023 für 2,5 % der weltweiten energiebedingten CO2-Emissionen verantwortlich war und zwischen 2000 und 2019 schneller gewachsen ist als Schiene, Straße oder Schifffahrt. In diesem Jahr erreichten die Emissionen wieder 90 % ihres Höchststands vor Covid-19.

Belgien verdoppelt Ticketabgabe

Im Jahr 2025 berichtete die Belga News Agency dass die belgische Bundesregierung die Steuer auf Kurzstreckenflüge bis 2027 von fünf auf zehn Euro pro Sitz erhöhen will; The Brussels Times berichtete zudem von einem weiteren Anstieg bis 2029 auf elf Euro.

Auf die neuen Sparmaßnahmen angesprochen, sagte Permierminister Bart de Wever: "Jede und jeder wird das im Geldbeutel spüren. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Wir müssen uns klarmachen, dass das Land finanziell seit vielen Jahren schlecht gemanagt wird.“

Ähnlich äußerte sich eine Sprecherin von Brussels Airlines. Die Fluggesellschaft könne sich die zusätzliche Steuer „nicht aus eigener Tasche leisten und muss sie daher an die Passagiere weitergeben“.

Schweden kippt Flugabgabe

Das schwedische Parlament, der Riksdag, hat dagegen beschlossen, die Flugticketsteuer zum Juli 2025 abzuschaffen.

Das skandinavische Land hatte die Abgabe 2018 eingeführt. Je nach Reiseziel wurden zwischen 60 Kronen (5,50 Euro) und 400 Kronen (36,60 Euro) pro Passagier fällig.

Den Kurswechsel begrüßte Swedavia, der staatliche Flughafenbetreiber, der zehn Flughäfen in Schweden betreibt, darunter Stockholm Arlanda und Malmö.

„Die Flugsteuer hat die Erreichbarkeit schwedischer Flughäfen, die Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum beeinträchtigt“, sagte Jonas Abrahamsson, Präsident und CEO von Swedavia. „Außerdem hat sie die notwendige Klimawende nicht unterstützt, da sie alle Treibstoffe, einschließlich biobasiertem Kerosin, gleich behandelt.“

Auch der internationale Airline-Verband IATA „feierte“ den Schritt. Rafael Schvartzman, IATAs Regional Vice President für Europa, nannte solche Abgaben kontraproduktiv für Flugreisende und argumentierte, sie seien auch für den Klimaschutz wenig wirksam.

Passagierabgabe im Vereinigten Königreich

Im April 2026 hat das Vereinigte Königreich die Air Passenger Duty (APD) erhöht. Diese Abgabe wird pro Passagier auf Grundlage der jeweiligen Reise erhoben.

Für die Höhe der Steuer zählt vor allem die Entfernung. Band A umfasst europäische Ziele, Band B Länder wie die Vereinigten Staaten, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Malediven, Costa Rica oder Sri Lanka. Auch die gebuchte Reiseklasse beeinflusst den Preis.

So steigt die Abgabe für Passagiere in der Economy Class auf Flügen von Großbritannien nach Australien, Neuseeland, Japan, Vietnam, Thailand und andere Ziele von 94 Pfund (108 Euro) auf 106 Pfund (122 Euro).

Für Nonstop-Langstreckenflüge von Flughäfen in Nordirland gilt die Abgabe nicht, solange der erste Abschnitt der Reise zu einem Ziel der Band-B-Kategorie führt.

Erhöhungen in weiteren Ländern?

In Frankreichist die Solidaritätsabgabe auf Flugtickets 2025 deutlich gestiegen. Sie gilt für alle Flüge, die von Frankreich aus starten. In der Economy- und Premiumklasse auf Europastrecken erhöht sich die Abgabe von 2,63 auf 9,50 Euro, während Geschäftsreisende nun 30 Euro statt 20,27 Euro zahlen.

Auf Mittelstrecken stieg die Steuer von 7,51 auf 15 Euro in den Economy- und Premiumkabinen und von 63,07 auf 80 Euro in den Business- und La-Première-Kabinen. Auf Langstrecken kletterte die Abgabe von 7,51 auf 40 Euro in Economy und Premium sowie von 63,07 auf 120 Euro in Business und La Première.

Norwegen hat 2022 nach einer zweijährigen Aussetzung wieder eine Ticketsteuer eingeführt. 2026 gilt ein zweistufiges System: Für Flüge nach Europa fallen 61 Kronen (5,42 Euro) an, für alle anderen Ziele 350 Kronen (31,12 Euro).

Von der Abgabe ausgenommen sind Transitpassagiere, Airline-Mitarbeitende, die in der Businesskabine reisen, Kinder unter zwei Jahren sowie NATO-Passagiere.

Was passiert außerhalb Europas?

In den Vereinigten Staaten fließen bei Inlandsflügen 7,5 % des Ticketpreises über die bundesweite Federal Ticket (Excise) Tax in den Airport and Airway Trust Fund (AATF).

Hinzu kommt die Domestic Segment Tax von 5,20 US-Dollar (4,51 Euro) pro Passagier und Flugsegment zu einem größeren Flughafen sowie eine pauschale Gebühr von 5,60 US-Dollar (4,81 Euro) je einfachem Flug für Sicherheitskosten.

Bei Flügen, die in den USA starten oder landen, fällt zudem eine International Departure/Arrival Tax von 23,40 US-Dollar (20,31 Euro) an. Dazu kommen eine Customs User Fee von 7,39 US-Dollar (6,41 Euro) und eine Immigration User Fee von sieben US-Dollar (6,08 Euro).

Singapur hingegen hat seine Pläne, als erstes Land eine grüne Treibstoffabgabe für Flugpassagiere einzuführen, vorerst auf Eis gelegt. Grund sind die Spannungen im Nahen Osten.

Die Luftfahrtbehörde Civil Aviation Authority of Singapore (CAAS) wollte die Abgabe auf Sustainable Aviation Fuel (SAF) ursprünglich im April 2026 einführen. Aufgrund der „Auswirkungen des anhaltenden Konflikts" kündigte CAAS, den Start auf Oktober 2026 zu verschieben.

Der Konflikt hat die Treibstoffkosten massiv in die Höhe getrieben. Die Schließung der Straße von Hormus ließ die Kerosinpreise in Asien und Ozeanien auf einen Wochendurchschnitt von 208,79 US-Dollar (181,23 Euro) pro Barrel steigen, wie eine Analyse der IATA zeigt.

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