Donald Trump verschärft den Ton gegenüber dem Iran und warnt, das Land könne "in einer Nacht" vernichtet werden, sollte es keine Einigung geben. Teheran lehnt eine Waffenruhe ab und fordert ein dauerhaftes Kriegsende, während die Kämpfe weiter eskalieren.
US-Präsident Donald Trump hat dem Iran mit scharfen Worten gedroht. Sollten die laufenden Verhandlungen scheitern, könne das Land "innerhalb einer Nacht ausgeschaltet" werden. Kurz vor Ablauf einer entscheidenden Frist verschärft sich damit die Lage weiter. Auf einer Pressekonferenz am späten Montagabend formulierte Trump seine Drohung unmissverständlich: "Das ganze Land könnte in einer Nacht ausgelöscht werden – und diese Nacht könnte schon morgen sein."
Auch US-Verteidigungsminister Pete Hegseth stellte eine weitere Zuspitzung in Aussicht. Die Militärschläge würden ausgeweitet, sagte er. "Heute werden wir so viele Angriffe fliegen wie noch nie seit Beginn. Morgen werden es noch mehr sein."
Hintergrund ist eine Frist aus Washington, die am Dienstagabend endet. Die USA verlangen von Teheran, die Straße von Hormuz wieder zu öffnen. Sollte es keine Einigung geben, droht Trump mit Angriffen auf Kraftwerke und andere zentrale Infrastruktur.
Großangelegte Rettungsaktion nach Abschuss eines US-Piloten
US-Präsident Donald Trump hat sich auch zur Rettung eines US-Waffensystemoffiziers geäußert, der mit dem Piloten von iranischen Streitkräften abgeschossen worden war.
Er sprach von einem aufwendigen Einsatz, an dem zahlreiche militärische Kräfte beteiligt gewesen seien. Nach Angaben des Präsidenten war der Offizier schwer verletzt und verlor viel Blut. Dennoch gelang es ihm, sich durch unwegsames, bergiges Gelände zu kämpfen und Kontakt zu den US-Streitkräften aufzunehmen.
Insgesamt seien 155 Flugzeuge an der Rettungsmission beteiligt gewesen, darunter vier Bomber, 64 Kampfjets, 48 Tankflugzeuge und 13 Maschinen für die Bergung. Trump zufolge habe das Militär zudem versucht, die iranischen Streitkräfte gezielt über den tatsächlichen Suchort zu täuschen.
Der Präsident drohte zudem mit rechtlichen Schritten gegen ein Medienunternehmen, das Details zu dem Vorfall veröffentlicht hatte. Sollte die Quelle nicht offengelegt werden, stellte er sogar eine Gefängnisstrafe in Aussicht.
"Wir werden das herausfinden. Es geht um die nationale Sicherheit. Und die Person, die diese Geschichte geschrieben hat, wird ins Gefängnis kommen, wenn sie ihre Quelle nicht nennt", sagte Trump. Den Informanten bezeichnete er als "kranken Menschen".
Iran lehnt Waffenruhe ab – Trumps Frist läuft
Der Iran hat am Montag eine vorgeschlagene 45-tägige Waffenruhe zurückgewiesen und stattdessen ein dauerhaftes Ende des Krieges gefordert. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur IRNA.
Nach Angaben aus Teheran wurde die Position über Pakistan an die Vereinigten Staaten übermittelt. Islamabad gilt in dem Konflikt als wichtiger Vermittler. Medienberichten zufolge umfasste die Botschaft eine Antwort mit zehn Punkten, darunter Vorschläge für den Wiederaufbau und die Aufhebung von Sanktionen.
"Ein Ende des Krieges kommt für uns nur infrage, wenn garantiert ist, dass wir nicht erneut angegriffen werden", sagte Mojtaba Ferdousi Pour, Leiter der iranischen diplomatischen Vertretung in Kairo, der Nachrichtenagentur AP. Zugleich machte er deutlich, dass Teheran der US-Regierung nicht mehr vertraue, nachdem es bei früheren Gesprächen zu Angriffen gekommen sei.
Die Absage erfolgt kurz vor Ablauf der von Donald Trump gesetzten Frist für Teheran. Bei einem Auftritt im Weißen Haus am Rande des traditionellen Easter Egg Roll hatte Trump den jüngsten iranischen Vorschlag zwar als "sehr bedeutenden Schritt" bezeichnet, zugleich aber klargemacht: "Er ist nicht gut genug."
Angriffe dauern an
Unterdessen halten die Kämpfe in der Region an. Israel und die Vereinigten Staaten flogen am Montag eine neue Angriffswelle auf den Iran. Berichten zufolge wurden dabei mehr als 25 Menschen getötet. Die Opferzahlen lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen. Nach Angaben des Wirtschaftswissenschaftlers Mohammed Vesal wurde bei einem der Angriffe ein Gebäude für Informations- und Kommunikationstechnologie an der Teheraner Sharif-Universität getroffen.
Mehrere Staaten haben die Hochschule wegen mutmaßlicher Verbindungen zum iranischen Militär mit Sanktionen belegt, insbesondere im Zusammenhang mit dem ballistischen Raketenprogramm der Revolutionsgarde. Israel teilte zudem mit, eine zentrale petrochemische Anlage im Erdgasfeld South Pars angegriffen zu haben. Außerdem seien zwei Kommandeure der Revolutionsgarde getötet worden, darunter der Chef des Geheimdienstes.
Israels Militär begründete den Angriff damit, eine wichtige Einnahmequelle des Iran ins Visier genommen zu haben. South Pars gilt als größtes Erdgasfeld der Welt, das sich Iran und Katar teilen. Es ist von zentraler Bedeutung für die Energieversorgung und Stromproduktion des Landes. Der Iran reagierte mit Raketenangriffen, die sowohl Israel als auch arabische Golfstaaten trafen.
Mehr als 5.200 Tote seit Kriegsbeginn
Seit Beginn des Krieges am 28. Februar sind im gesamten Nahen Osten nach aktuellen Schätzungen mehr als 5.200 Menschen ums Leben gekommen.
Die Zahlen basieren auf einer Auswertung der Nachrichtenagentur AFP, die sich auf Angaben von Regierungen und Behörden stützt. Demnach wurden 3.546 Todesopfer im Iran registriert, 1.497 im Libanon, 34 in Israel, vier im besetzten Westjordanland, 108 im Irak sowie 41 in den Golfstaaten.
Eine unabhängige Überprüfung dieser Angaben ist derzeit nicht möglich, sie gelten daher lediglich als Annäherungswerte.