In den Niederlanden kann sich die Armee vor Freiwilligen kaum mehr retten, seit Königin Maxima und Thronfolgerin Amalia sich als Reservistinnen engagiert haben. Wegen des Erfolgs der Royals im Tarnanzug müssen Militärs jetzt sogar Überstunden machen.
In den Niederlanden gibt es einen wahren Ansturm von Bewerbern und Bewerberinnen bei den Streitkräften, seit sich Königin Maxima nach ihrer ältesten Tochter, Kronprinzessin Amalia, als freiwillige Reservistin angemeldet hat.
Im Februar machte die 54-jährige Königin Maxima während ihrer Grundausbildung weltweit Schlagzeilen. Die in Argentinien geborene Máxima Zorreguieta war auf Fotos im Tarnanzug und beim Zielen mit einer Pistole auf einem Schießstand zu sehen.
Das Engagement der königlichen Familie und die Rekrutierungskampagnen der niederländischen Streitkräfte haben sich als so erfolgreich erwiesen, dass das Militär jetzt Überstunden machen muss, um den Zustrom von Neuankömmlingen zu bewaffnen, auszubilden und unterzubringen.
Im Verteidigungsministerium nennt man das den "Amalia-Effekt", in Anspielung auf die Thronfolgerin Catharina-Amalia. Die 22-jährige Prinzessin Amalia ist in den Niederlanden sehr populär, zählt zu den beliebtesten jungen Royals in Europa und war auch bei der Krönung von König Charles mit dabei.
"Es gibt mehr Bewerbungen als wir bearbeiten können", erklärt der Staatssekretär im Verteidigungsministerium Derk Boswijk. "Wir haben einen Mangel an Ausbildungskapazitäten, einen Mangel an Unterkünften, sie brauchen Uniformen, sie brauchen Waffen, sie brauchen eine Ausbildung, man braucht Platz für die Ausbildung, das sind also die Schwierigkeiten im Moment, aber es ist ein Luxusproblem, sage ich, weil wir wirklich hart daran arbeiten, all diese Probleme zu lösen."
Boswijk zufolge gibt es in den Niederlanden etwa 9.000 Reservisten und Reservistinnen, und die Armee strebt an, im Jahr 2030 mindestens 20.000 zu haben.
Dies ist Teil der Pläne der niederländischen Regierung, die Zahl der Militärangehörigen bis 2035 von derzeit 80.000 auf 120.000 zu erhöhen. Das Vorhaben trifft auf eine breite politische Unterstützung.
Ein Schritt zur Modernisierung der europäischen Streitkräfte
Die Rekrutierungskampagne spiegelt die Bestrebungen in ganz Europa wider, die Streitkräfte zu erweitern und zu modernisieren, da die Staats- und Regierungschefs den von Russland begonnenen Krieg gegen die Ukraine und die von US-Präsident Donald Trump kürzlich geäußerte Enttäuschung über das NATO-Bündnis mit Argwohn betrachten.
Eine Gefreite im Reservebataillon des 10. Infanteriebataillons des Guard Security Corps National Reserve, die an einer Wochenendübung in den Niederlanden teilnahm, erklärte, sie habe eine Verschiebung der Prioritäten festgestellt, da die globale Sicherheit unbeständiger und weniger vorhersehbar geworden sei.
"Als ich zu den Streitkräften kam, gab es so gut wie kein Risiko und so gut wie keine Bedrohung... und jetzt ändert sich das, so dass wir uns dessen stärker bewusst sind", sagte sie. Das bedeute einen Mentalitätswandel hin zu "mehr grünen Dingen, wie wir sie nennen, Infanterie-Dingen".
Und die Gefreite unterstrich ihr Engagement: "Wir sind hier, um unser Land zu verteidigen und dafür zu sorgen, dass die Bedrohung gering bleibt."
Ihr Gesicht und das ihrer Kollegen und Kolleginnen ist mit Tarnfarbe beschmiert, als die Soldaten fast lautlos mit Colt C7-Gewehren aus einem Wald auftauchen. Sie suchen ihre Umgebung nach potenziellen Bedrohungen ab, die nach Ansicht von Vertretern der Europäischen Union und der NATO heute sehr real sind.
Da der Krieg in der Ukraine der tödlichste auf dem Kontinent seit dem Zweiten Weltkrieg ist, zielen die neuen NATO-Pläne nun darauf ab, einer potenziellen Bedrohung durch einen Aggressor entgegenzuwirken. Das verlangt von den Verbündeten, dass sie ihre Armeen auf große Schlachten vorbereiten und sich dabei auf mobilere Streitkräfte konzentrieren, die schnell verlegt werden können.
Die Niederlande haben ihre Wehrpflicht nie ganz abgeschafft, aber die Einberufungen sind seit 1997 ausgesetzt, und es gibt keine unmittelbaren Pläne, sie wieder einzuführen.
Reservisten und Reservistinnen in den Niederlanden verpflichten sich zu 300 Stunden Dienst pro Jahr, einschließlich regelmäßiger Wochenendübungen.
Traditionell werden sie zur Sicherung und Bewachung inländischer Einrichtungen eingesetzt und nicht zu Kampfeinsätzen nach Übersee geschickt, aber sie können auch in nationalen Notfällen aktiv werden, z. B. zum Aufschütten von Sandsäcken bei schweren Überschwemmungen.
Andere Länder verstärken die Rekrutierung
In Deutschland ist es das Ziel von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius, genügend Rekruten zu gewinnen, ohne die Wehrpflicht, die 2011 für Männer ausgesetzt wurde, wieder aufleben zu lassen. Der Plan lässt die Tür für eine begrenzte Zwangsrekrutierung offen, falls sich nicht genügend Freiwillige melden.
Wie die Niederlande setzt auch Frankreich auf den Freiwilligendienst, um das Militär zu stärken. Im Rahmen eines Programms, das im September beginnt, sollen 3 000 Freiwillige im Alter von 18 bis 25 Jahren angeworben werden.
Sie werden 10 Monate lang nur auf dem französischen Festland und in den überseeischen Gebieten in Uniform dienen. Bis 2035 sollen jährlich bis zu 50.000 Freiwillige angeworben werden.
In Nord- und Osteuropa, wo die Bedrohung durch Russland am stärksten zu spüren ist, gibt es in einigen Ländern noch eine Wehrpflicht.
In Finnland gibt es eine Wehrpflicht für alle Männer und ein freiwilliges System für Frauen. Schweden hat 2017 einen geschlechtsneutralen Teilwehrdienst wieder eingeführt. Wenn sich nicht genügend Freiwillige melden, werden die übrigen Plätze durch eine Lotterie bestimmt.
Das benachbarte Dänemark hat ein ähnliches System, ebenso wie Lettland, das seine Wehrpflicht im Jahr 2023 als Reaktion auf Russlands Angriffskrieg in der Ukraine wieder eingeführt hat.