Wladimir Putin erklärte am Samstag, der Krieg in der Ukraine geht "auf ein Ende zu“. Dabei war der erste Tag der von Donald Trump angekündigten Waffenruhe von gegenseitigen Vorwürfen über Verstöße sowie überschattet wurde.
Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte am Samstag, der Krieg in der Ukraine gehe seinem Ende entgegen. Zugleich attackierte er die westliche Unterstützung für Kyjiw. Am ersten Tag einer von Donald Trump verkündeten Waffenruhe warfen sich beide Seiten gegenseitig Verstöße vor.
Bundesregierung lehnt Gerhard Schröder als Vermittler ab
Der russische Staatschef sagte auch, sein bevorzugter Vermittler sei der deutsche Altkanzler Gerhard Schröder. Doch das lehnte die Bundesregierung in Berlin bereits ab, wie unter anderen die Tagesschau meldet. Das Angebot mit Schröder reihe sich in eine Serie von Scheinangeboten und sei Teil der bekannten hybriden Strategie Russlands, verlautete aus Regierungskreisen. Deutschland und Europa ließen sich dadurch nicht spalten. Die Verhandlungsoption sei demnach nicht glaubwürdig, da Russland seine Bedingungen nicht geändert habe.
Einige SPD-Politiker - wie der außenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Adis Ahmetović - sprachen sich allerdings dafür aus, "jedes Angebot ernsthaft zu prüfen".
Kurz nach Beginn des Kriegs in der Ukraine war Gerhard Schröder im März 2022 nach Moskau gereist und hatte den russischen Präsidenten Wladimir Putin getroffen.
Offenbar gibt es auch Diskussionen darüber, ob Schröder zusammen mit dem deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier nach Russland geschickt werden könne.
Parade am "Tag des Sieges" in Moskau viel kleiner als sonst
Jetzt hatte Putin Soldaten bei der verkleinerten Militärparade in Moskau erklärt, sie kämpften gegen eine „aggressive Kraft“ in der Ukraine, die von der gesamten NATO unterstützt werde. Seine Kriegsziele nannte er „gerecht“.
Der Kremlchef macht die Erinnerung an den sowjetischen Sieg über Nazideutschland im Zweiten Weltkrieg seit Jahren zum Kern seiner fünfundzwanzigjährigen Herrschaft. Immer wieder beruft er sich darauf, um den Angriff auf die Ukraine zu rechtfertigen.
Normalerweise inszenieren die Behörden die Parade zum Tag des Sieges mit großem Pomp. Eine Serie ukrainischer Angriffe über weite Distanz in den vergangenen Wochen führte jedoch dazu, dass der Kreml die Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärfte und die Feier in diesem Jahr deutlich zurückfuhr.
Nach der Parade gefragt, ob die westlichen Waffenlieferungen an die Ukraine zu weit gegangen seien, sagte Putin: „Sie haben begonnen, die Konfrontation mit Russland immer weiter hochzuschrauben. Das hält bis heute an.“
„Ich glaube, dieser Konflikt steuert auf ein Ende zu, aber er bleibt eine ernste Angelegenheit.“
„Sie haben monatelang darauf gewartet, dass Russland eine vernichtende Niederlage erleidet, dass sein Staatswesen zusammenbricht. Das ist nicht eingetreten.
Und nun stecken sie in diesem Denken fest und finden nicht mehr heraus“, sagte Putin mit Blick auf die westlichen Staaten.
Putin erklärte zudem, er sei zu einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in einem Drittland bereit, jedoch erst, wenn alle Bedingungen für ein mögliches Friedensabkommen ausgehandelt seien.
„Das sollte der Schlusspunkt sein, nicht der Verhandlungsprozess selbst“, sagte er.
Waffenruhe: gegenseitige Vorwürfe
Nach zwei gescheiterten Anläufen für eine Feuerpause in dieser Woche kündigte US-Präsident Donald Trump am Freitag eine dreitägige Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine ab Samstag an.
Moskau und Kyjiw beschuldigten sich daraufhin gegenseitig, die Vereinbarung zu brechen. Größere Angriffe wurden jedoch nicht gemeldet, obwohl Drohnen weiterhin unterwegs waren und auf beiden Seiten Zivilisten zu Schaden kamen.
„Hoffentlich ist dies der Beginn vom Ende eines sehr langen, tödlichen und erbittert geführten Krieges“, schrieb Trump auf seinem Netzwerk Truth Social. Er fügte hinzu, die Waffenruhe werde von einem Gefangenenaustausch begleitet.
Der Kreml erklärte, es gebe derzeit keine Pläne, die Feuerpause zu verlängern.
Die Konfliktparteien hatten sich zudem darauf verständigt, während der Waffenruhe jeweils tausend Gefangene auszutauschen. Russland habe dazu bislang jedoch keine konkreten Vorschläge der Ukraine erhalten, sagte Putin am Samstag.
Siegesparade deutlich verkleinert
Die Parade fiel im Vergleich zu früheren Jahren deutlich kleiner aus. Erstmals seit fast zwei Jahrzehnten rollte kein Militärgerät über den Roten Platz. Zudem reiste nur eine Handvoll ausländischer Staats- und Regierungschefs an, überwiegend aus eng verbündeten Ländern Russlands.
In seiner Ansprache vor russischen Truppeneinheiten und Soldaten aus Nordkorea verwies Putin erneut auf den sowjetischen Sieg im Zweiten Weltkrieg, um Unterstützung für seine Armee in der Ukraine zu mobilisieren.
„Die große Tat der Generation der Sieger inspiriert die Soldaten, die heute die Ziele der speziellen Militäroperation umsetzen“, sagte Putin.
„Sie stellen sich einer aggressiven Kraft entgegen, die von der gesamten NATO ausgerüstet und unterstützt wird. Trotzdem rücken unsere Helden vor". Und so Putin weiter: "Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Sache gerecht ist“.
In Moskau stieß die Rede jedoch teils auf verhaltene Reaktionen. Das Internet war zeitweise abgestellt, was viele beklaften. Und die Müdigkeit nach dem inzwischen vierjährigen Krieg legten sich wie ein Schatten über die Feierlichkeiten.
Auf die Frage, was sie am Tag des Sieges fühle, der an die Niederlage Nazideutschlands im Zweiten Weltkrieg erinnert, antwortete die 36-jährige Ökonomin Jelena: „Nichts.“
"Ich brauche das Internet, und ich habe keins“, sagte sie Reportern im Zentrum Moskaus.
Russland verhängte für die Dauer der Parade zeitweise Internetsperren und verwies auf eine erhöhte Gefahr durch ukrainische Angriffe.
Angereist waren nur die Staats- und Regierungschefs von Belarus, Malaysia, Laos, Usbekistan und Kasachstan. Im vergangenen Jahr hatte unter anderem Chinas Staatschef Xi Jinping auf der Ehrentribüne gesessen.
Später traf Wladimir Putin als einzigen Regierungschef aus der EU den slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico.
Russlands Angriffskrieg in der Ukraine dauert inzwischen seit mehr als vier Jahren an. Der Konflikt hat Hunderttausende Menschen das Leben gekostet und ist der bislang tödlichste in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.
Von den USA vermittelte Gespräche über ein Ende der Kämpfe kommen seit Februar kaum voran. Damals verlagerte Washington den Schwerpunkt seiner Militärstrategie auf den Krieg gegen den Iran.