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Ebola-Klinik im Kongo angezündet: Streit um Leichnam eskaliert

Ebola-Krankenhaus Rwampara
Ebola-Krankenhaus Rwampara Copyright  AP Photo
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Von Anna Flori
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Nach dem Tod eines jungen Fußballers griffen Angehörige und Bewohner eine Ebola-Station im Osten des Kongos an und setzten Zelte in Brand. Viele Menschen vor Ort glauben nicht an das Virus, obwohl der Ausbruch bereits über 100 Todesopfer gefordert hat.

Im Osten der Demokratischen Republik Kongo, wo sich aktuell das Zentrum des Ebola-Ausbruchs in Afrika befindet, kam es zu gewaltsamen Protesten gegen die strengen Regeln in einer Klinik. Auslöser war der Tod eines Mannes, dessen Familie den Leichnam zurückhaben wollte, um ihn traditionell zu beerdigen.

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Das Krankenhaus verweigerte dies jedoch, da Ebola auch von Verstorbenen noch hoch ansteckend übertragen werden kann. Deshalb dürfen Tote nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen bestattet werden. Die Angehörigen widersetzten sich den Anweisungen: Sie setzten das improvisierte Behandlungszentrum in Brand und griffen Mitarbeitende mit Steinen an.

Noch bevor die Polizei eingreifen konnte, wurde ein Helfer verletzt. Der Leichnam des Verstorbenen verbrannte schließlich in einem der brennenden Zelte.

Familie beharrt: Der junge Mann hatte kein Ebola

Die Familie des jungen Mannes beharrte jedoch darauf, dass er gar nicht an Ebola gestorben sei. In der Gemeinde galt er als bekannte und beliebte Persönlichkeit: ein talentierter Fußballspieler, der für mehrere Teams der Region auflief.

Viele Menschen kannten ihn und mochten ihn. Nach Angaben seiner Eltern sei er an Typhus gestorben – nicht an dem Ebola-Virus. Eine traditionelle Beerdigung hätte ihrer Ansicht nach deshalb keine Gefahr dargestellt.

Die Ärzte widersprachen dieser Darstellung entschieden. Nach ihren Angaben war der junge Mann mit Ebola infiziert. Gerade traditionelle Trauerzeremonien gelten bei Ebola als besonders gefährlich, da Angehörige dabei häufig direkten Kontakt mit dem Leichnam haben. Aus Angst vor einer weiteren Ausbreitung der Krankheit verweigerte das Krankenhaus deshalb die Herausgabe des Körpers. Die Menschen vor Ort wollten diese Erklärung jedoch nicht akzeptieren.

Aus Wut griffen sie die Ebola-Station des Krankenhauses von Rwampara an – ein provisorisches Behandlungszentrum aus Spezialzelten, das wegen des jüngsten Ausbruchs erst kurz zuvor errichtet worden war.

Viele glauben offenbar nicht an Ebola

Viele Menschen in den betroffenen Dörfern glauben offenbar nicht an Ebola. Ein Lokalpolitiker sagte britischen Medien zufolge, zahlreiche Bewohner hielten das Virus für eine Erfindung von Außenstehenden. Hilfsorganisationen würden ihrer Ansicht nach die Krankheit bewusst dramatisieren, um Geld und internationale Unterstützung zu erhalten. Der Politiker erklärte zudem, wie schwierig Aufklärungsarbeit in den abgelegenen und dünn besiedelten Regionen der Demokratischen Republik Kongo sei.

Traditionelle Vorstellungen seien tief verwurzelt und prägten das Leben der Menschen oft stärker als medizinische Erklärungen. Das angegriffene Krankenhaus liegt nahe der Stadt Bunia in der Provinz Ituri – der Region, die derzeit am stärksten von dem Ebola-Ausbruch betroffen ist. Nach Angaben der Behörden kamen dort seit Beginn des Ausbruchs vor etwa zwei Wochen bereits rund 130 Menschen ums Leben. Besonders gefährlich ist dabei, dass in der Region ein Ebola-Stamm kursiert, gegen den bislang kein Impfstoff existiert.

Weltweite Pandemie gilt als unwahrscheinlich

Experten für Infektionskrankheiten halten eine weltweite Pandemie durch den aktuellen Ebola-Ausbruch trotz der steigenden Fallzahlen für unwahrscheinlich. Zwar breitet sich das Virus in Teilen Afrikas schnell aus, und inzwischen wurden auch Infektionen sowie Todesfälle außerhalb des Kontinents registriert. Fachleute betonen jedoch, dass Ebola nicht mit der weltweiten Corona-Pandemie vergleichbar sei.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat dennoch einen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen, um schneller auf die Ausbreitung reagieren zu können. Im Unterschied zu früheren Ausbrüchen stehen den Behörden heute deutlich bessere Mittel zur Verfügung: Die WHO verfügt über etablierte Verfahren zur Eindämmung des Virus, und seit 2019 existiert zudem ein Medikament gegen die meisten Ebola-Varianten.

Dadurch ist die Sterblichkeitsrate bei vielen Stämmen stark gesunken – von früher oft deutlich über 50 Prozent auf inzwischen etwa sechs Prozent. Trotzdem gilt Ebola unter Experten weiterhin als potenzielles biologisches Kampfmittel. Grund dafür ist die hohe Gefährlichkeit des Virus und seine Fähigkeit, sich unter bestimmten Bedingungen sehr schnell auszubreiten.

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