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Verbraucherpreise in Europa: Welche Länder sind am teuersten, welche am billigsten?

Ein mit Waren gefüllter Einkaufswagen steht am zehnten Juni 2009 in einem Supermarkt in Dresden.
Ein bis obenhin mit Waren gefüllter Einkaufswagen steht am 10. Juni 2009 in einem Supermarkt in Dresden. Copyright  Copyright 2009 AP. All rights reserved.
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Von Servet Yanatma
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Von Island bis Nordmazedonien schwanken Verbraucherpreise stark. Neue Eurostat-Daten zeigen, wo Alltagsgüter am teuersten sind – und warum Preise nur einen Teil der Realität widerspiegeln.

Der gleiche Einkaufswagen kann in Europa je nach Standort fast viermal so viel kosten. Doch welche Länder sind am teuersten – und wie lässt sich das gerecht vergleichen?

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Antwort liefern die Preisniveauindizes von Eurostat. Sie setzen die Kosten für Konsumgüter und Dienstleistungen in jedem Land ins Verhältnis zum EU-Durchschnitt.

Vereinfacht gesagt: Wenn derselbe Waren- und Dienstleistungskorb im EU-Schnitt 100 Euro kostet – wie teuer ist er dann in jedem einzelnen Land?

Damit der Vergleich aussagekräftig ist, stützt Eurostat die Indizes auf jährliche nationale Durchschnittspreise für mehr als 2.000 Güter und Dienstleistungen.

Es gibt zwei Arten, Preise zu messen. Die eine erfasst nur, was Haushalte direkt ausgeben, die andere bezieht auch öffentlich finanzierte Leistungen wie Gesundheitsversorgung und Bildung ein.

Dieser Artikel arbeitet mit dem weiter gefassten Konzept der tatsächlichen individuellen Konsumausgaben (AIC). Eurostat hält es für besser geeignet für internationale Vergleiche. In der Grafik ist zusätzlich das Maß für die Konsumausgaben der privaten Haushalte (HFCE) enthalten.

Ein Preisniveau von 100 entspricht dem EU-Durchschnitt. Ein Wert über 100 bedeutet, dass ein Land teurer ist, ein Wert darunter, dass es günstiger ist.

Diese Zahlen vergleichen ausschließlich die Preise. Einkommensniveaus bleiben außen vor. Ein teureres Land ist für seine Bewohnerinnen und Bewohner also nicht automatisch weniger erschwinglich.

Teuerste und günstigste Länder in Europa

Innerhalb der EU ist die Spannweite groß. Luxemburg führt die Liste an, Rumänien hat die niedrigsten Preise. Die Verbraucherpreise in Luxemburg liegen rund 2,5-mal so hoch wie in Rumänien.

Bezieht man Beitrittskandidaten und EFTA-Staaten mit ein, ist Island das teuerste Land und Nordmazedonien das günstigste. Die Kluft wächst dann auf das 3,7-Fache.

Groß betrachtet liegen die Preisniveaus in West- und Nordeuropa höher, während Mittel- und Osteuropa deutlich günstiger bleiben.

Preise und Löhne: Erst zusammen ergibt sich das Bild

Island liegt 83,7 % über dem EU-Durchschnitt, die Schweiz 81 %.

„Diese Zahlen sollte man immer zusammen mit den Löhnen lesen. Für den Lebensstandard ist nicht entscheidend, ob die Preise hoch sind, sondern was ein örtlicher Lohn vor Ort ermöglicht: die Kaufkraft, nicht allein das Preisschild“, sagte Professor Robert Inklaar von der Universität Groningen gegenüber Euronews Business.

Zur Veranschaulichung verweist er auf die Schweiz: Sie wirkt teuer, doch die Löhne sind dort so hoch, dass die Kaufkraft zu den stärksten in Europa gehört. Dasselbe Preisniveau bei deutlich niedrigeren Löhnen würde sich ganz anders anfühlen.

Auch Dänemark (40,2 %), Irland (39,6 %) und Norwegen (38,4 %) zählen zu den teuersten Ländern Europas und liegen damit jeweils rund 40 % über dem EU-Durchschnitt.

Es folgen Schweden und Finnland, deren Werte aber etwas niedriger ausfallen. In Schweden liegen die Preise 28,4 % über dem EU-Schnitt, in Finnland 26,1 %.

Eine Verbraucherin oder ein Verbraucher zahlt in den Niederlanden für denselben Waren- und Dienstleistungskorb 120,4 Euro, in Österreich 119 Euro und in Belgien 118,1 Euro; im EU-Durchschnitt kostet er 100 Euro.

Größte Volkswirtschaften Europas im Preisvergleich

Unter den vier größten Volkswirtschaften der EU ist Deutschland am teuersten: Die Preise liegen 9,1 % über dem EU-Durchschnitt, Spanien ist 8,9 % günstiger. Für denselben Warenkorb zahlt man in Deutschland damit 18 Euro mehr als in Spanien.

Frankreich (106,4) liegt knapp über dem EU-Schnitt, Italien (98) knapp darunter.

Am anderen Ende der Skala sind die Preise in weiten Teilen Südosteuropas deutlich niedriger.

In Nordmazedonien kostet ein Warenkorb, der im EU-Durchschnitt 100 Euro ausmacht, nur 49,7 Euro – also weniger als die Hälfte.

In der Türkei wären es 52,2 Euro, es folgen Bosnien (55,7 Euro), Rumänien (58,9 Euro) und Bulgarien (60 Euro). Diese Länder sind damit mindestens 40 % billiger als der EU-Durchschnitt.

Auch Montenegro (61), Serbien (62,5), Albanien (65,7), Polen (71,1) und Ungarn (71,6) gehören zu den günstigeren Ländern; ihre Preisniveaus liegen mindestens 25 % unter dem EU-Schnitt.

Weitere Länder mit Preisen unter dem EU-Durchschnitt sind Kroatien (76,3), die Slowakei (81,4), Litauen (81,4), Tschechien (82), Griechenland (84) und Portugal (85,3).

Warum die Preisniveaus so stark auseinandergehen

„Der wichtigste Grund für unterschiedliche Preise in Europa sind unterschiedliche Löhne, und diese hängen von der Produktivität ab“, erklärte Robert Inklaar Euronews Business.

„Wo Beschäftigte produktiver sind, verdienen sie mehr. Diese höheren Löhne schlagen direkt auf die Preise all dessen durch, was lokal produziert und konsumiert wird: ein Restaurantbesuch, ein Haarschnitt, der Termin beim Zahnarzt, Mieten, Kinderbetreuung. Nichts davon lässt sich importieren, deshalb folgen die Preise hier schlicht den lokalen Arbeitskosten.“

Inklaar warnt jedoch davor, dies nur auf Dienstleistungen zu beziehen. Selbst scheinbar vollständig handelbare Güter wie Lebensmittel im Supermarktregal oder Kleidung enthalten einen großen lokalen Anteil: das Geschäft selbst, das Personal, der Transport, die Miete für die Fläche. Auch in Warenpreisen stecken also lokale Löhne, wenn auch weniger stark als bei Dienstleistungen.

Löhne sind jedoch nicht der einzige Faktor.

Er verweist zudem auf Entfernung, Vertrieb, Regulierung und Grenzen, die zusätzliche Kosten verursachen. Identische Produkte landen deshalb nicht überall zum gleichen Preis im Regal. Unterschiede bei der Mehrwertsteuer und anderen Verbrauchsteuern kommen noch oben drauf.

„Ein umfassender Vergleich stellt das Preisniveau daher immer den Löhnen oder dem verfügbaren Einkommen gegenüber, idealerweise in Kaufkraftgrößen und unter Berücksichtigung von Wechselkurs- und Steuerunterschieden“, sagt er.

Professor Rainer Maurer, emeritierter Professor der Hochschule Pforzheim, betont zudem, dass die Preisniveaus der Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion klar positiv mit dem BIP pro Kopf korrelieren.

In anderen Worten: Die teuersten Länder Europas sind meist auch die wohlhabendsten. Hohe Preise gehen häufig mit hohen Einkommen einher, weshalb Ökonominnen und Ökonomen Preisniveaus immer zusammen mit der Kaufkraft betrachten.

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