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100.000 Jobs auf der Kippe: VW-Arbeitnehmer stoppen Blumes Sparplan

Beschäftigte protestieren vor dem VW-Werk in Zwickau, Deutschland, am Donnerstag, dem neunten Juli 2026.
Protest vor VW-Werk in Zwickau: Beschäftigte demonstrieren am Donnerstag, dem neunten Juli 2026. Copyright  Jan Woitas/dpa via AP
Copyright Jan Woitas/dpa via AP
Von Doloresz Katanich
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Volkswagens radikaler Umbauplan ist im Aufsichtsrat vorerst gescheitert. Arbeitnehmervertreter blockierten laut Reuters Pläne für bis zu 100.000 Jobstreichungen und vier mögliche Werksschließungen.

Die Arbeitnehmervertreter im Volkswagen-Aufsichtsrat haben bei einer Sitzung am Donnerstag einen weitreichenden Umbauplan des Konzerns blockiert. Das berichtete Reuters am Freitag unter Berufung auf Unternehmenskreise.

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Europas größter Autobauer kämpft derzeit mit sinkenden Gewinnen, steigenden Kosten und wachsender Konkurrenz. Volkswagen teilte am Freitag mit, dass die weltweiten Fahrzeugauslieferungen im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 8,6 Prozent zurückgegangen seien. Der Rückgang fiel damit stärker aus als im Vorquartal.

Der Aktienkurs des Unternehmens lag gegen Mittag in Europa um 0,6 Prozent im Minus. Im Mittelpunkt standen jedoch weiterhin die Umbaupläne, die den Aufsichtsrat gespalten haben.

Während der Aufsichtsrat am Donnerstag am Volkswagen-Stammsitz in Wolfsburg tagte, organisierte die IG Metall, eine der größten Gewerkschaften Deutschlands, koordinierte Proteste im ganzen Land. Sie richteten sich gegen einen Plan, der Medienberichten zufolge bis zu 100.000 Stellen weltweit betreffen könnte, also mehr als 15 Prozent der Belegschaft. Zudem soll die Schließung von vier Werken in Deutschland im Raum stehen: der Volkswagen-Standorte Hannover, Emden und Zwickau sowie des Audi-Werks Neckarsulm.

Nach Angaben von Reuters unter Berufung auf nicht namentlich genannte Unternehmenskreise wurden diese Maßnahmen am Donnerstag im Aufsichtsrat abgelehnt. Dem Gremium gehören unter anderem Arbeitnehmervertreter und Vertreter des Landes Niedersachsen an. Der Aufsichtsrat stimmte demnach mit zwölf zu sieben Stimmen gegen den Umbauvorschlag des Managements, nachdem sich die Arbeitnehmerseite dagegen ausgesprochen hatte.

Volkswagen erwähnte mögliche Stellenstreichungen oder Werksschließungen am späten Donnerstag nicht. Stattdessen stellte der Konzern nach der Sitzung seine Strategie bis 2030 vor. Dazu gehört der Plan, die Zahl der angebotenen Modelle zu halbieren und die Variantenvielfalt bei Fahrzeugen um bis zu 75 Prozent zu reduzieren. Damit will Volkswagen Kosten senken und die Komplexität im Konzern verringern. Diese Maßnahmen benötigten keine Zustimmung des Aufsichtsrats.

Volkswagen erklärte außerdem, die jährliche Produktionskapazität auf rund neun Millionen Fahrzeuge zu senken, um auf den "deutlich verschärften Wettbewerb" zu reagieren. Vor der Covid-19-Pandemie lag die Kapazität bei rund zwölf Millionen Fahrzeugen, derzeit sind es etwa zehn Millionen.

Weitere Maßnahmen sehen vor, Produkte und Technologien stärker auf regionale Märkte zuzuschneiden, Produktionskapazitäten enger an die Nachfrage anzupassen und die Konzernstruktur sowie das Investitionsportfolio zu vereinfachen.

Volkswagen-Chef Oliver Blume sagte in einer Videobotschaft, "die weltweite Lage hat sich in den vergangenen zwölf Monaten deutlich verschlechtert". Er verwies auf geopolitische Spannungen, Zölle, hohe Kosten, zunehmende Regulierung und den verschärften globalen Wettbewerb.

Blume sagte außerdem, Volkswagen müsse "Überkapazitäten abbauen". Damit ließ er die Möglichkeit von Werksschließungen längerfristig offen. Digitalisierung, künstliche Intelligenz und gemeinsame Serviceeinheiten sollen laut Blume helfen, Produktivität und Geschwindigkeit im Konzern zu erhöhen.

Arno Antlitz, Finanzvorstand des Volkswagen-Konzerns, erklärte, die bereits vereinbarten Kostensenkungen seien "im aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Umfeld nicht ausreichend".

Das Unternehmen wolle die Kostenstruktur seiner Fahrzeuge verbessern, die Gemeinkosten "deutlich senken", die Effizienz der Werke steigern sowie Technologieentwicklung und Entscheidungsprozesse beschleunigen, sagte Antlitz.

Volkswagen beschäftigt weltweit rund 657.000 Menschen. Wie sich die geplante Reduzierung der Produktionskapazität auf die Belegschaft auswirken würde, hat der Konzern bislang nicht mitgeteilt. Nach Angaben von Reuters verlangt der Betriebsrat von Volkswagen bis Freitagabend Klarheit über die Sparpläne des Managements.

Der Konzern betont seit Längerem, dass ein tiefgreifenderer Umbau notwendig sei. Im Quartal bis März 2026 war der Nettogewinn im Jahresvergleich um 28 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro gefallen. Der Umsatz sank um 2,5 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro.

"Die nächsten Jahre werden entscheiden, wer künftig eine entscheidende Rolle in der Autoindustrie spielt", sagte Blume.

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