Die Ölpreise sind am Montagmorgen gestiegen. Im Nahen Osten spitzt sich die Lage erneut zu, zugleich rechnen Anleger mit einer möglichen US-Zinserhöhung.
Asiatische Aktienmärkte haben am Montag nachgegeben. Anlass waren aggressive Kommentare von US-Notenbankchef Kevin Warsh, die Wetten auf eine Zinserhöhung in den USA anheizten. Zugleich sind die Ölpreise nach einem neuen Aufflammen des US-Iran-Kriegs deutlich gestiegen.
Die Inflation bleibt hartnäckig hoch, vor allem wegen der teuren Energie. Die US-Notenbank steht deshalb unter Druck zu handeln, und Warshs Weigerung, klare Hinweise zu geben, hat die Unsicherheit zusätzlich geschürt.
In einer mit Spannung erwarteten Rede beim Jackson-Hole-Symposium von Zentralbankern und Ökonomen in Wyoming zerstreute er nun viele Zweifel: Warsh machte deutlich, dass er bereit ist, die Kreditkosten anzuheben.
Warsh erklärte: „Wir müssen sicher sein, dass die zugrunde liegende Inflation klar und ausreichend schnell auf unser Ziel zusteuert. Andernfalls haben wir noch Arbeit vor uns.“
Den jüngsten Inflationssprung – derzeit 3,7 Prozent und damit fast doppelt so hoch wie das Fed-Ziel von 2 Prozent – nannte er „besorgniserregend“. Die aktuellen Finanzierungsbedingungen könne er nur schwer als „restriktiv“ bezeichnen, sagte Warsh. Das gilt als möglicher Hinweis auf bevorstehende Zinsschritte.
Eine ausdrückliche Unterstützung für eine Zinserhöhung vermied er jedoch. „Ich stehe heute hier, verpflichtet einer Disziplin, nicht einer Entscheidung“, sagte Warsh.
An der Wall Street sind am Freitag alle drei großen Indizes gefallen. Die Renditen kurzlaufender US-Staatsanleihen, die die Erwartungen an die Geldpolitik widerspiegeln, sprangen nach oben. Der Dollar legte gegenüber anderen Währungen zu, Gold als klassischer Profiteur niedriger Zinsen gab nach.
In Asien setzte sich die Entwicklung fort. Vor allem Technologiewerte, die für ihre riesigen KI-Investitionen auf Kredite angewiesen sind, standen unter Druck.
Tokio, Seoul, Hongkong, Shanghai, Taipeh und Jakarta lagen im Minus, Singapur und Wellington verzeichneten leichte Gewinne.
Anleger blicken auf wichtige Konjunkturdaten
Der Blick richtet sich nun auf eine Reihe wichtiger Daten, die in den kommenden zwei Wochen anstehen, bevor die Fed entscheidet. Die Arbeitsmarktzahlen kommen in dieser Woche, der Verbraucherpreisindex (CPI) folgt in der nächsten.
„Sollten wir einen Arbeitsmarktbericht bekommen, der im Rahmen der Erwartungen liegt und der Fed wenig Ansatzpunkte liefert, wird der Kern-CPI in der nächsten Woche zum entscheidenden Faktor für das Fed-Glaubenssystem der Märkte“, schrieb Chris Weston vom Brokerhaus Pepperstone.
„Die Volatilität, die für dieses Ereignis über Zinsmärkte, Devisen und Aktien eingepreist ist, könnte entsprechend hoch sein.“
Ölpreise steigen nach Spannungen zwischen USA und Iran
Der Kampf der Fed gegen die Inflation wird durch den US-Iran-Krieg erschwert. Er treibt die Ölpreise nach oben.
Nach überwiegend fallenden Notierungen in der vergangenen Woche sind die Ölpreise am Montag wieder deutlich gestiegen. Zuvor hatten die Vereinigten Staaten nach eigenen Angaben iranische Raketenwerfer auf einer kleinen Insel in der Straße von Hormus angegriffen – der erste Schlag gegen Ziele im Iran seit einem Monat.
Teheran reagierte mit Angriffen auf US-Militärziele in Jordanien. Die beiden wichtigsten Rohölkontrakte legten am Montag jeweils um mehr als zwei Prozent zu.
Der Schlagabtausch erfolgte kurz nachdem der US-Iran-Krieg die Marke von sechs Monaten erreicht hat und in einer Phase, in der die Kämpfe zuletzt abgeflaut waren.
Die jüngsten Meldungen schüren neue Sorgen über den Konflikt. Friedensbemühungen und Gespräche kommen offenbar nicht voran, die Meerenge – durch die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gasaufkommens transportiert wird – bleibt weitgehend blockiert.
US-Vertreter drohten in diesem Monat mit der „ökonomischen Erstickung“ Irans, um Teheran zur Öffnung der Wasserstraße zu zwingen.
„Hormus droht erneut, einen Boden unter den Ölpreis zu ziehen, genau in dem Moment, in dem Warsh eine Obergrenze dafür setzt, wie viel Geduld die Märkte der Fed bei der Inflation zutrauen sollten“, sagte Stephen Innes von Quintex Intel.
„Für Ölhändler ist die Entwicklung eine weitere Erinnerung daran, wie schnell die geopolitische Prämie zurückkehren kann.
Die physischen Ölströme durch Hormus haben sich von ihren schlimmsten Ständen deutlich erholt. Genau deshalb hatte Rohöl begonnen, einen Teil der Angstprämie abzubauen. Doch der jüngste Schlagabtausch zeigt, wie fragil dieser Fortschritt ist und wie schnell die Lage der Schifffahrt wieder zum dominierenden Thema an den Handelstischen werden kann.“
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