Das Unternehmen berichtet von wachsender Nachfrage. Interessierte Kundinnen und Kunden lassen sich inzwischen auf eine Warteliste setzen.
In San Francisco in den Vereinigten Staaten kommt bereits ein Roboter zum Einsatz. Er staubsaugt, schrubbt Toiletten und wischt Küchenarbeitsplatten ab – für 26 € pro Stunde.
Das US-Start-up Tau Robotics bietet seine humanoiden Roboter als Haushaltshilfen an. Sie übernehmen komplexe, vielfältige Arbeiten im Haushalt, an deren Automatisierung Robotikfirmen seit Jahren tüfteln.
Der Dienst läuft seit rund einem Monat. In dieser Zeit haben die Roboter bereits mehr als 50 Wohnungen und Eigentumswohnungen in der Stadt gereinigt. Nach Angaben des Unternehmens wächst die Nachfrage; Interessierte lassen sich inzwischen auf eine Warteliste setzen.
Tammie Siew hat den humanoiden Roboter zum ersten Mal ihre Wohnung putzen lassen.
„Dass er ab und zu stolpert, macht ihn fast sympathisch. Es ist ein bisschen, als würde man einem Kind zusehen“, sagt Siew.
„Ich glaube, genau so hält er Einzug in die Gesellschaft. Man darf nicht erwarten, dass er völlig perfekt ist.“
Für Siew liegt der Reiz auf der Hand. Einige Aufgaben überlässt sie gerne einer Maschine.
„Ich möchte die Toilette nicht putzen. Ich warte lieber ein bisschen länger und lese ein Buch oder erledige etwas Arbeit. Deshalb bin ich sehr begeistert“, sagt Siew.
Nach Angaben von Tau Robotics arbeiten die Roboter mit Kameras und Tiefendaten, die ihnen helfen, ihre Umgebung zu erfassen. Sie sind dafür ausgelegt, in ganz normalen Haushalten zu arbeiten.
Die Roboter können laut Unternehmen Böden saugen, Unordnung beseitigen, Müll hinausbringen und Oberflächen abwischen. Sie rücken Alltagsgegenstände wie Stühle, Wäschekörbe oder kleine Tische beiseite, um darum herum zu reinigen.
Eine Robo-Haushaltshilfe ist womöglich günstiger, als viele erwarten.
Derzeit können die Roboter nur jeweils eine Stunde am Stück arbeiten. Ein Einsatz mit einem Roboter kostet 30 Dollar, rund 25,7 €. Für zwei Roboter werden 60 Dollar fällig, etwa 51,5 €.
Das Unternehmen plant, künftig längere Putzzeiten anzubieten. Kundinnen und Kunden sollen mehr Auswahl bekommen.
Humanoide Roboter: Technik kommt über Demo-Phase hinaus
Humanoide Roboter galten lange als Technologie der Zukunft. Ihre begrenzte Fingerfertigkeit, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit erschwerten jedoch sinnvolle Einsätze im Alltag.
Tau Robotics erklärt, seine Maschinen könnten bereits eine Reihe von Haushaltsaufgaben übernehmen. Sie seien aber noch nicht so schnell und geschickt wie menschliche Reinigungskräfte.
Noch arbeiten sie nicht eigenständig.
Eine geschulte Bedienerin oder ein geschulter Bediener steuert jeden Roboter aus der Ferne. Die Wohnung ist über Kameras zu sehen, die am Roboter angebracht sind.
Der Einsatz von Kameras und anderen Sensoren durch Roboter in privaten Wohnungen hat bereits zuvor Datenschutzbedenken ausgelöst.
Damit Maschinen selbstständig in chaotischen, schwer vorhersehbaren Umgebungen arbeiten können, brauchen sie große Mengen an Trainingsdaten aus der Praxis. Das Sammeln dieser Daten in Wohnungen wirft zwangsläufig Fragen zum Schutz der Privatsphäre auf.
Nach der Datenschutzerklärung von Tau Robotics werden Reinigungseinsätze durchgehend über Kameras am Kopf und an den Handgelenken des Roboters aufgezeichnet. Tiefendaten halten den Grundriss der Räume und die Position von Gegenständen fest.
Dem Dokument zufolge nutzt das Unternehmen die Aufnahmen und weitere Roboterdaten, um seine KI-Modelle zu trainieren. Sie werden unbegrenzt gespeichert, es sei denn, Kundinnen und Kunden verlangen ihre Löschung. Mikrofone sind deaktiviert, Ton wird nicht aufgezeichnet.
Nach eigenen Angaben verkauft das Unternehmen keine persönlichen Daten der Kundschaft und nutzt die Aufnahmen nicht für verhaltensbezogene Werbung.
Langfristig will Tau Robotics die Autonomie seiner Roboter schrittweise erhöhen, indem sie aus echten Reinigungsaufträgen lernen.
Das Unternehmen will seine Roboter zudem für weitere Aufgaben einsetzen – von Reparaturen und Wartung im Haushalt bis hin zur Betreuung älterer Menschen.