Ukraine verliert täglich schätzungsweise 60 Mio. Euro an Exporterlösen, weil Russland gezielt die Getreiderouten ins Ausland angreift.
Mutmaßliche russische Drohnenangriffe auf zivile Schiffe im Schwarzen Meer setzen die weltweite Versorgung mit Lebensmitteln zusätzlich unter Druck, warnt die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas.
Vor dem Europäischen Parlament erklärte Kallas am Dienstag, binnen zehn Tagen seien Schiffe sechsmal angegriffen worden. Sie sprach von "einer gefährlichen und inakzeptablen Eskalation“.
Die Angriffe trafen Frachter vor den Küsten Rumäniens und Bulgariens, beides EU- und NATO-Staaten. Das sorgt in ganz Europa für Alarm.
Kallas, die Hohe Vertreterin für Außen- und Sicherheitspolitik, warf dem Kreml vor, die Einnahmen der Ukraine abwürgen zu wollen, während russische Truppen an der Front kaum vorankommen. Ihrer Einschätzung nach gehen der Ukraine täglich rund 60 Millionen Euro an Exporterlösen verloren.
Die Ukraine gehört zu den weltweit wichtigsten Exporteuren von Weizen, Mais und Gerste. Der Großteil dieser Waren wird über den Seeweg ausgeführt.
Nach ihren Angaben sind die weltweiten Getreidereserven derzeit besser gefüllt als 2022, als eine russische Blockade 20 Millionen Tonnen ukrainisches Getreide festsetzte.
"Die globalen Getreidevorräte sind größer als 2022“, sagte sie. "Doch das globale Ernährungssystem steht vor einem Sturm. Einem Super-El-Niño, Dürren in beiden Hemisphären und Konflikten im Nahen Osten, die den Düngerhandel belasten.“
Kallas warnte vor dieser Kombination von Risiken. "Russlands Vorgehen erschwert es, weltweit Teller mit Nahrung zu füllen“, sagte sie.
Ukraine-Exportrouten: Ersatzwege in Gefahr
Seit 2022 hat die EU Landkorridore geschaffen, sogenannte „Solidarity Lanes“. Darüber werden ukrainische Waren durch Mitgliedstaaten transportiert, statt über das Schwarze Meer. Nach Angaben von Kallas geraten nun auch diese Routen ins Visier, weil Russland Grenzübergänge zu Moldau, Rumänien und Polen angreift.
In der vergangenen Woche forderten die Staats- und Regierungschefs der EU, die sichere Passage für zivile Schiffe im Schwarzen Meer umgehend wiederherzustellen.