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Sebastian Kurz (31): "Ich bin kein Wunderwuzzi"

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Sebastian Kurz (31): "Ich bin kein Wunderwuzzi"

Sebastian Kurz - der jünste Regierungschef
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REUTERS/Leonhard Foeger
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« America first » heißt bei ihm „Österreich zurück an die Spitze bringen“.

Sebastian Kurz, designierter Regierungschef in Österreich, schreckt vor Superlativen nicht zurück. „Österreich ist das schönste Land der Welt“ sagt der 31jährige in einem YouTube-Clip auf dem Dachstein-Berggipfel mit Gipfelkreuz. Seine Botschaft soll – wie bei Donald Trump - möglichst viele ansprechen: „wir wollen die Steuerzahler entlasten, den Standort stärken und vor allem wollen wir für mehr Sicherheit sorgen!“

Damit erschöpfen sich aber auch die methodischen Gemeinsamkeiten mit dem vier Jahrzehnte älteren US-Präsidenten. Nicht nur, dass Kurz „für echte Veränderung“ in seinem Land arbeiten will – der bisherige Außenminister und Parteichef Kurz hat in seiner nicht langen, aber steilen Karriere geschickt alle Stolpersteine und Fettnäpfchen entfernt, die ihm – in noch so vielen Jahren in der Zukunft – gefährlich werden könnten.

  • In seiner Partei ÖVP stellte er die sogenannten Bünde kalt - Interessengruppen von Bauern, Unternehmern und Arbeitnehmern und verlangte die letzte Entscheidungskopmpetenz

  • Mit dem europaskeptischen, populistischen Koalitionspartner FPÖ ließ er sich nur ein, nachdem der ihm zusagte, während der fünfjährigen Zusammenarbeit keine Volksabstimmung über den Verbleib Österreichs in der EU zuzulassen.

Wie schon in seiner Partei will Kurz offenbar auch im ganzen Land den Proporz aushebeln – Korporatismus genannt. In der Gesellschaft sollte man „für das geschätzt werden, was man tut und nicht, was man ist“, so das Bekenntnis des Studienabbrechers (Jura).

Und seine – möglichst positiv formulierten – Zielvorstellungen lassen jede Menge Raum für Interpretation als Kritik am Status Quo:

„Wir glauben fest daran, dass es eine neue politische Kultur in unserem Land braucht – weg von faulen Kompromissen und politischem Tauschhandel“ oder

„Die soziale Herkunft darf nicht die soziale Zukunft bestimmen.“

Und wenn sich die Migranten auch darauf berufen ? Können sie. Inhaltlich haben sich die beiden Regierungsparteien zwar verordnet, die illegale Migration zu stoppen und Asylverfahren zu beschleunigen, Geldleistungen für Asylberechtigte sollen stark gekürzt werden. Aber als Außenminister machte sich Kurz erfolgreich für kostspielige Integrationsprogramme stark.

Doch halt -  bloß nicht zu viele Erwartungen züchten. Kurz zu seinem Überflieger-Image:

«Ich kann Ihnen nicht sagen, was ein Wunderwuzzi ist und ich bin auch keiner.“

Sigrid Ulrich