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Heimlich Sport treiben: Alltag für Frauen in Afghanistan

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Heimlich Sport treiben: Alltag für Frauen in Afghanistan

Junge Frauen im Fitness-Studio in Kabul
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euronews
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In der konservativen afghanischen Gesellschaft sind Frauen Männern untergeordnet. Auch für Entscheidungen in den Bereichen Bildung oder Gesundheit sind sie meist auf ihre Väter, Brüder oder Ehemänner angewiesen.

Die religiöse Führung schreibt vor, dass Männer und Frauen sich beispielsweise bei der Arbeit nicht in den gleichen Räumen aufhalten. Nach der Schule heiraten die meisten Frauen und leben als Mutter und Hausfrau.

Ein junges Mädchen in Kabul hat entschieden, dass sie ihre Zukunft mitgestalten will.

Hourieh ist 17 Jahre alt und bereitet sich auf ihre Aufnahmeprüfung vor, damit sie zur Universität gehen kann. Sie will Ärztin werden. Nach dem Unterricht verbringt sie Zeit im Fitnessstudio mit ihrer jüngeren Schwester Lyll.

"Ich will anders sein." Ich mag es nicht, wie andere afghanische Mädchen zu sein", sagt Hourieh Euronews, "ich komme hierher für einen schönen Körper und eine gute Gesundheit. Deshalb mache ich Fitness."

Aber in der patriarchalischen Gesellschaft Afghanistans ist die Teilnahme von Frauen am Sport generell verpönt. Hourieh und ihre Schwester gehen heimlich zum Sport.

"Nein, sie (meine Eltern) wissen nicht, dass ich hierher komme", sagte Beigum. "Wenn sie wüssten, würden sie mich nicht herkommen lassen. Sie haben gesagt: "Nein, das ist nicht gut für dich."

Seit fünf Monaten betreibt Hourieh das reine Frauen-Fitness-Studio, das sie als ihre "Flucht" aus dem Alltag betrachtet. Rund 15 bis 20 Mädchen, Frauen und Großmütter kommen regelmäßig. Durch Mundpropaganda werden immer neue Besucherinnen angelockt.

"Früher war es tabu. Eine Frau konnte sich nicht ausdrücken, sich nicht körperlich betätigen. Geschweige denn, über ihren Körper reden", sagte Beigum. "Aber Fitness hat Frauen dazu inspiriert, über ihren Körper nachzudenken sich ihr Selbstbestimmungsrecht zurück zu holen."

Die 19-jährige Trainerin betreibt zwei weitere geschlechtsexklusive Fitnessclubs in der afghanischen Hauptstadt. Einige Menschen haben sie aufgrund ihrer Tätigkeit bedroht, aber sie hat geschworen "weiterhin meine Arbeit zu tun".

Doch Frauen-Fitness hat auch andere Funktionen, wie sie findet.

"Diese junge Generation, besonders diese Frauen, müssen sich etwas ändern", so Hourieh. "Denn wenn sie nichts ändern, wer wird dann dieses Land verändern?"

Einige Namen wurden geändert, um ihre Identität zu schützen.