Internet-Suche nach 'Freiheit' in der Türkei? "Am 25. Juni wieder"

Internet-Suche nach 'Freiheit' in der Türkei? "Am 25. Juni wieder"
Copyright 
Von Alexandra LeistnerKamuran Samar, Alasdair Sandford
Diesen Artikel teilenKommentare
Diesen Artikel teilenClose Button

Eine türkische Oppositionspartei hat Google-Werbeflächen aufgekauft, um auf Menschenrechtsverletzungen im Vorfeld der Wahlen hinzuweisen.

WERBUNG

"Der gesuchte Begriff kann leider nicht gefunden werden. Bitte versuchen Sie es am 25. Juni erneut."

Das ist die Meldung, die Internetnutzer in der Türkei erhalten, wenn sie in Suchmaschinen nach den Wörtern "Freiheit" oder "Unabhängigkeit" suchen.

Allerdings handelt es sich nicht um Zensur durch die autoritäre Regierung des Landes vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am 24. Juni.

Die geschaltete Werbung verlinkt auf die Website der Oppositionspartei İyi (Gute Partei). Sie hat Google-Werbeflächen aufgekauft, um auf die Menschenrechtssituation in der Türkei aufmerksam zu machen.

İyi ist eine von mehreren Parteien, die sich in einem ungewöhnlichen Bündnis zusammengeschlossen haben, um Präsident Erdogan (AKP) daran zu hindern, seine Macht zu festigen. Ihre Chefin Meral Akşener ist Kandidatin bei der Präsidentschaftswahl Ende des Monats.

Die meisten Medien in der Türkei sind unter Kontrolle der Regierung. Die Wahlwerbung der Opposition wird dort nicht ausgestrahlt oder abgedruckt. Daher führen Erdogans Herausforderer ihren Wahlkampf hauptsächlich im Internet aus.

Selahattin Demirtas, Präsidentschaftskandidat der prokurdischen Oppositionspartei Demokratische Partei der Völker (HDP), kandidiert aus dem Gefängnis. Er wurde im November 2016 wegen angeblicher Verbindungen zur verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) inhaftiert.

Dutzende von HDP-Aktivisten sollen seit Beginn der Kampagne am 28. April festgenommen worden sein.

Seit dem gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 wurden tausende Menschen wegen des Verdachts auf Verbindungen zu dem im Exil lebenden Prediger Fethullah Gülen verhaftet oder entlassen. Mindestens 150 Journalisten sitzen in türkischen Gefängnissen.

Recep Tayyip Erdogan hat seine Macht gefestigt und wurde nach einem Referendum im Jahr 2017 Vorsitzender seiner regierenden Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP).

Der Präsident hatte die vorgezogenen Wahlen ausgerufen und "Entwicklungen von historischer Bedeutung in unserer Region" sowie die militärischen Operationen der Türkei in Syrien als Gründe genannt. Seine Kritiker glauben, dass die Entscheidung auf die angeschlagene Wirtschaft des Landes zurückzuführen ist, von der viele erwarten, dass sie sich weiter verschlechtert.

**Auf Twitter veröffentlichten einige Nutzer Screenshots ihrer Suchergebnisse. **

Der Text der Anzeige: "Die Freiheit nach der Sie suchen ist derzeit nicht verfügbar. Bitte versuchen Sie es am 25. Juni wieder"

Diesen Artikel teilenKommentare

Zum selben Thema

Vor der Wahl: "Die Türkei ist auf dem Weg zu einem totalitären Staat"

Das Risiko für Journalisten in Südosteuropa

Üble Beschimpfungen im Kampf um Stimmen der Kurden: Erdogan vs Demirtas