Ein deutsches Unternehmen setzt Drohnen ein preiswertes Abwehrsystem entgegen. Der sogenannte DroneHammer wurde auf einer Rüstungsmesse in Nürnberg vorgestellt.
Raketen gegen Drohnen - bei Kriegen stehen sich längst nicht mehr zwei Heere gegenüber. Fast tagtäglich werden Drohnen in der großangelegten russischen Invasion in der Ukraine eingesetzt. Zuletzt haben die fliegenden Geräte auch Flughäfen in Deutschland und im Baltikum lahmgelegt und kritische Infrastruktur gefährdet.
"Es geht um Sabotage und Spionage", warnte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt im vergangenen Herbst. Er sprach von einer "ständigen hybriden Bedrohung".
Ein deutsches Unternehmen hat jetzt vorgestellt, wie gegen Drohnen vorgegangen werden kann. Dabei handelt es sich um eine lasergesteuerte Abwehr-Rakete.
Deutsches Unternehmen stellt Abwehrsystem "DroneHammer" vor
Rund 2.500 Euro pro Stück, mit lasergesteuertem optischem Suchkopf. Das Geschoss hat eine maximale Reichweite von 2.000 Metern, wiegt weniger als ein Kilogramm und soll die Möglichkeit bieten, Ziele mit geringem Kollateralschadenrisiko außer Gefecht zu setzen.
Anders als herkömmliche Systeme setzt das Unternehmen Skylance aus Hürth in Nordrhein-Westfalen dabei auf eine Kombination aus Laserenergie und Softwarealgorithmen. Die Zielerfassung und -verfolgung erfolgt nicht mit klassischen Suchköpfen, sondern mit Softwarealgorithmen und Bildverarbeitungstechniken.
Auch der Abschussmechanismus soll Vorteile bieten: Im Sprengkopf ist ein Schrapnellmechanismus eingebaut. So ist geplant, dass der Sprengkopf etwa wenige Meter vor dem Ziel explodieren soll und die Zieldrohne mit einer hochkonzentrierten Schrapnellwolke unschädlich macht. Die Erfolgsquote dieser Methode wird mit 99 Prozent angegeben.
Dadurch kommt der sogenannte "DroneHammer" ohne konventionellen Sprengstoff aus und soll besonders wirtschaftlich sein: Mit einem angegebenen Stückpreis ab 2.500 Euro positioniert sich der DroneHammer deutlich unterhalb vergleichbarer Systeme am Markt, heißt es nach Unternehmensangaben.
Die Raketen sind Ergebnis einer Partnerentwicklung des Technologie-Unternehmens Skylance, der Mosolf Business Unit Special Vehicles und Stoof International, Experte von bewaffneten Fahrzeugen.
"DroneHammer" im Einsatz
Das Anti-Drohnen-System soll in zwei Stufen zum Einsatz kommen. In einer ersten Phase wird die Rakete über die daran befestigte Kamera auf das Ziel ausgerichtet und verfolgt es autonom.
Sobald sich die Reichweite verändert, wird ein externer Laserpointer aktiviert. Die Rakete ermittelt diesen Laserpunkt mithilfe des Kamerasystems und vollendet den Angriff, indem sie sich auf die markierte Position ausrichtet.
Bisher gibt es zwar die Möglichkeit von Mehrfachschüssen, doch Komplikationen, wie etwa Interferenzen zwischen zwei eigenen Raketen, können nicht ausgeschlossen werden. In verschiedene Richtungen kann jedoch fast gleichzeitig geschossen werden.
Damit soll das System eine Lösung anbieten, die asymmetrische Bedrohungen durch billige Drohnen bekämpft. Das Unternehmen betont, dass sich die Fahrzeug- und tragbaren Konfigurationen derzeit noch in der Entwicklungsphase befinden. Erste Serienmodelle sollen im vierten Quartal 2026 fertiggestellt werden.
Das Unternehmen stellt sich vor, ein Präventionskonzept mit geringem Kollateralschadenrisiko insbesondere für Strafverfolgungsbehörden, Grenzschutzkräfte und den Schutz kritischer Infrastrukturen anzubieten. Es soll sich um eine kostengünstige Verteidigungslösung gegen asymmetrische Bedrohungen durch billige Drohnen handeln.
Das Unternehmen Skylance hat seine Anti-Drohnen-Rakete auf der Enforce Tac-Messe vorgestellt. Drei Tage lang versammelten sich Innovatoren, Geldgeber, Politik und Wirtschaft in Nürnberg auf der Messe Enforce Tac. Ziel der Veranstaltung: Führende Rüstungsmesse in Europa zu werden.
Drohnenabwehr: Reform des Luftsicherheitsgesetzes geplant
Drohnen können ausspähen, gezielt stören oder den Luftverkehr blockieren. Im vergangenen Jahr ist Deutschland immer wieder Ziel von Drohnenüberflügen geworden, in unmittelbarer Nähe zu Flughäfen und kritischer Infrastruktur.
Im Dezember 2025 hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt eine neue Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei in den Dienst gestellt. Sie sollen als Spezialkräfte ausgebildet werden und in Einsatzlagen schnell Entscheidungen treffen können.
"Gegen Drohnen-Bedrohungen setzen wir auf ein klares Prinzip: aufspüren, abwehren, abfangen", sagte Dobrindt damals.
Mit einer Novelle des Luftsicherheitsgesetzes will die Bundesregierung auf diese veränderte Gefahrenlage reagieren und die staatlichen Abwehrmöglichkeiten ausbauen.
Den Streitkräften der Bundeswehr solle laut Gesetzesentwurf der Bundesregierung erlaubt werden, zur Unterstützung der Länder und Landespolizeien "Drohnen notfalls auch abzuschießen, wenn nur so ein besonders schwerer Unglücksfall abgewendet werden kann".
Grundsätzlich liegt die Gefahrenabwehr im Inland weiterhin bei den Polizeibehörden. Doch künftig sollen die Länder die Bundeswehr um Unterstützung bitten können. Konkret ist vorgesehen, dass das Verteidigungsministerium allein über den Einsatz entscheidet, statt wie bisher in Abstimmung mit dem Innenministerium.
Bundeswehr und Landespolizeien sollen bereits Interesse an dem Drohnenabwehrsystem von Skylance bekundet haben.
In der laufenden Woche berät der Bundestag abschließend darüber, am Freitag soll die Reform stehen.