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Stimmen aus Chemnitz nach dem 27.08.

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Stimmen aus Chemnitz nach dem 27.08.

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Chemnitz am Tag nach erneuten Demonstrationen. Bleierne Ruhe, wo sich wenige Stunden zuvor noch wütende Demonstranten gegenüberstanden.

Rechte und linke Gruppen waren in der Innenstadt, auseinandergehalten von einer unterbesetzten Polizei. Die Sicherheitskräfte versuchten auch, rechte und linke Demonstranten auseinanderzuhalten. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Ein Mann in Chemnitz ist vor allem erbost darüber, dass die Protestierenden als "Mob" bezeichnet wurden. Er sagt: "Ich bin kein Mob."

Ein anderer Chemnitzer beklagt die Situation in der Stadt: "Jeden Abend gibt es hier Ärger. Ich möchte nicht sagen, dass es nur Ausländer sind. Aber man kann nicht in die Stadt gehen, ohne Angst zu haben, dass einem was passiert."

Eine Frau aus der linken Gegendemo möchte, dass nicht alle in Chemnitz über einen Kamm geschoren werden. "Das ist eigentlich eine tolerante Stadt hier", meint sie.

Familienministerien Franziska Giffey will an diesem Freitag Chemnitz besuchen, um denen den Rücken zu stärken, die für ein demokratisches Chemnitz eintreten.

Inzwischen hat auch Kanzlerin Angela Merkel die Ausschreitungen vom Wochenende verurteilt.

Sie sagte: "Wir haben Videoaufnahmen darüber, dass es Hetzjagden gab, dass es Zusammenrottungen gab, dass es Hass auf der Straße gab, und das hat mit unserem Rechtsstaat nichts zu tun." Sie fügte hinzu: "Es darf auf keinem Platz und keiner Straße zu solchen Ausschreitungen kommen."

Die Polizei räumte derweil ein, unterbesetzt gewesen zu sein. Medienberichten zufolge standen mehreren Tausend Demonstranten 600 Polizisten gegenüber.

Letztlich sei das aber auch das Ergebnis jahrelanger Einsparungen, so die Gewerkschaft der Polizei.

Anlass für die Proteste war eine Messerstecherei beim Chemnitzer Stadtfest. Dabei wurde ein Deutscher getötet, ein Syrer und ein Iraker gelten als mögliche Täter.

In einem Interview macht FDP-Politiker Wolfgang Kubicki die Kanzlerin für die Ausschreitungen in Chemnitz verantwortlich.