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Zwei Flüchtlingsströme, eine europäische Herausforderung

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Zwei Flüchtlingsströme, eine europäische Herausforderung

Zwei Flüchtlingsströme, eine europäische Herausforderung
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Bis 2014 schien die massenhafte Migration ein ausschließlich italienisches Problem zu sein. Auch als 2015 immer mehr Boote mit Migranten aus afrikanischen Krisenländern südlich der Sahara nach Libyen kamen, weigerten sich mehrere europäische Regierungen noch, Abwehrmaßnahmen zu See zu finanzieren – was sicher zum Aufstieg populistischer Parteien in Italien beigetragen hat.

Zwei Flüchtlingsströme, eine europäische Herausforderung

Der Krieg in Syrien brachte eine zweite Völkerwanderung ins Rollen: Griechenland, Ungarn, Österreich und der Balkan wurden ab 2015 Transitrouten nach Deutschland, dem Hauptziel der Flüchtlinge aus Nahost.

Zugleich wurden 2016 und 2017 zu Rekordjahren für Anlandungen von Migranten aus Nordafrika. In dem Sommer schloss die italienische Regierung ein Abkommen mit Libyen, und seitdem die neue Regierung unter Innenminister Matteo Salvini die Häfen für Rettungsschiffe dicht gemacht hat, sinken die Zahlen dramatisch.

Afrikas Wanderung nach Norden verlagert sich Richtung Spanien

Niger ist der Dreh-und Angelpunkt, von hier aus verteilen sich die Migrantenströme jetzt mehr Richtung Nordwesten, nach Marokko und Algerien: Die Zahlen haben sich mehr als verdreifacht, nahezu jeden Tag werden Boote abgefangen oder Ertrunkene vor der Küste geborgen. Ziel ist jetzt Spanien, sei es das nur 15 Kilometer entfernte Festland, sei es die beiden Exklaven auf afrikanischem Boden. In ihrer Nähe harren Tausende aus, die hoffen, die meterhohen Doppelzäune zu überwinden. Die afrikanische Wanderungswelle hat sich verlagert.

Ungarn hat dicht gemacht, die Balkanroute ist ein vergessenes Problem

In Ungarn herrscht inzwischen Grabesstille, nachdem Viktor Orban einen Grenzzaun hochgezogen hat. Anders die Lage auf dem Balkan, dort haben sich rund 60.000 Zuwanderer eingerichtet. Der Zustrom ist kleiner, aber er reißt nicht ab. In Bosnien-Herzegowina sind inzwischen wieder acht Mal so viel Menschen eingetroffen wie 2017.

Rechtspopulisten in Ungarn und Italien - Brüder im Geiste

Die italienische Regierung hat sich laut Innenminister Salvini Ungarn zum Vorbild genommen, wenn es um das Dichtmachen der Grenzen geht. Ungarische Verhältnisse wie 2015 will die italienische Regierung keinesfalls - für sie ist Ungarns umgang mit der Flüchtlings- und Migrantenkrise ein Erfolgsmodell.