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Der “Jakobsmuschel-Krieg“ – oder warum sich französische Fischer auf den „Brexit“ freuen

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Der “Jakobsmuschel-Krieg“ – oder warum sich französische Fischer auf den „Brexit“ freuen

Der “Jakobsmuschel-Krieg“ – oder warum sich französische Fischer auf den „Brexit“ freuen
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Es geht um eine Muschel, 10 bis 15 Zentimeter groß, manchmal auch 20. Im Ärmelkanal dürfen sowohl britische als auch französische Fischer auf die Jagd nach Jakobsmuscheln gehen – die Briten gemäss ihren Vorschriften aber zehn Tage früher als die Franzosen – Anlass für den «Jakobsmuschel-Krieg» auf hoher See. 35 bis 40 Kutter aus der Normandie umzingelten fünf britische Schiffe, Steine flogen und Leuchtraketen, Schiffe wurden gerammt.

Die Muscheln kosten in der Schale knapp 7 Euro pro Kilo, ausgepult, frisch knapp 37 Euro.

In Frankreich machen Jakobsmuscheln (englisch Scallop) nach jüngsten Zahlen (2013) knapp 6 % des Fischfangs aus, bei den Briten gut 7 % – Marktwert beim Endabnehmer zusammen gut eine halbe Milliarde Euro (532 Millionen Euro) – mengenmäßig sind sie aber auf EU-Ebene hinter Heringen oder Makrelen unter „ferner liefen“ - mit ganzen 1,7 % der gefangenen Mengen.

Mengenmäßig sind sie offenbar nicht wichtig genug für eine übergreifende EU-Regelung.

Aber für die Fischer in der Normandie geht es längst ums Prinzip.

Ihr Verbands-Präsident Dimitri Rogoff:

"Dass Jakobsmuscheln nicht von der EU reguliert werden, heißt nicht, dass wir den Umgang mit dieser Ressource nicht regeln sollten. Sie ist nicht unbegrenzt verfügbar. Jakobsmuscheln sind anfällig, empfindlich. Es ist eine Spezies, die wir wirklich bewahren müssen, weil sie sowohl für Frankreich als auch für Großbritannien einen Wert hat. Es liegt also in jedermanns Interesse, das gut zu machen. Je mehr Jakobsmuscheln, desto mehr Menschen können davon leben."

Seine Muschelfischer gehörten zu den wenigen Nutznießern, die sich auf einen "Brexit" freuen könnten. Dann nämlich hätten die Briten ab 29. März keinen Zugang mehr zu Fangzonen, die zum Territorium der EU zählen.