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Brasilien: Gemischte Reaktionen auf Lula-Urteil

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Brasilien: Gemischte Reaktionen auf Lula-Urteil

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In Brasilien hat die Gerichtsentscheidung, dass der inhaftierte Ex-Präsident Lula da Silva nicht erneut kandidieren darf, sehr gemischte Reaktionen hervorgerufen. In den Straßen von São Paulo gibt es sowohl Genugtuung als auch Kritik.

"Es ist ganz richtig, ihm das Kandidieren zu verweigern", sagt Carlos Andrade, der sich gerade für seinen Auftritt als Straßenclown schminkt. "Denn wenn ein Häftling zur Wahl antreten dürfte, wäre das eine Schande für unser Land – ein Land, das aus Sicht anderer Staaten bereits eine Schande ist. Man sieht ja, was hier passiert, die ganze Korruption." Die Entscheidung, dass er nicht antreten darf, sei also richtig.

"Festigt die Macht der Eliten"

Anders sieht es Catia Martins, ebenfalls aus São Paulo: "Für mich ist das eine Schändung der Demokratie. Das geht über die Amtsenthebung von Rousseff 2016 hinaus. Es festigt die Macht der Eliten in Brasilien."

Sollte sich die Entscheidung des Wahlgerichts gegen Lula bestätigen, wird vermutlich sein relativ unbekannter Vizekandidat Fernando Haddad für ihn einspringen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung sagte dieser: "Wir verteidigen etwas das von großem Wert ist: Wir bezeichnen es als Volkssouveränität. Seitdem Lula in Haft ist, gibt es noch mehr Menschen, die ihn wählen wollen. Das sollte Thema in den Medien sein.

Rekordarbeitslosigkeit und Korruptionsskandal

Fraglich ist jedoch, wie weit Haddad von der Popularität des Ex-Präsidenten profitieren kann. Brasilien ist gesellschaftlich tief gespalten. Seit drei Jahren steckt das Land in einer Wirtschaftskrise mit Rekordarbeitslosigkeit. Zugleich erschüttert der größte Korruptionsskandal in der Geschichte das Land.