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"Desaster" und "Sonnenschein": Juncker zieht Bilanz

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"Desaster" und "Sonnenschein": Juncker zieht Bilanz

"Desaster" und "Sonnenschein": Juncker zieht Bilanz
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Jean-Claude Juncker hat seine letzte Rede zur Lage der EU vor den Parlamentariern in Straßburg gehalten. Nächstes Jahr hört er als EU-Kommissionspräsident auf. Zeit, im Euronews-Interview eine erste Bilanz zu ziehen.

Euronews-Reporter Darren McCaffrey:
"Vor vier Jahren sind Sie aufgestanden und haben gesagt, Europa sei in keinem guten Zustand. Heute, vier Jahre später sieht es noch schlechter aus."

Jean-Claude Juncker:
"Nein, so präsentieren einige unserer britischen Kollegen im Parlament gern die Dinge. Ich glaube nicht, dass sich alles in eine schlechte Richtung entwickelt hat. Während der 21 Trimester ist die Wirtschaft gewachsen, die Arbeitslosigkeit niedriger geworden und das Haushaltsdefizit gesunken. Die Investitionen sind auf demselben Niveau, auf dem sie während der Krise waren. Ich teile die Meinung derer nicht, die sagen, alles sei finster. Es gibt irgendwo auch Sonnenschein."

"Und Probleme beim Thema Migration, Brexit, Populismus... Warum leugnen Sie das alles?"

"Überhaupt nicht. Ich bin nicht naiv, ich weiß genau, wo die Probleme sind. Populismus ist ein Problem, der Brexit ein Desaster. Die Tatsache, dass sich die Mitgliedstaaten nicht auf grundlegende Antworten auf das Migrationsproblem einigen konnten, macht mich traurig. Doch das ist nicht der Fehler der EU-Kommission, denn diese hat ihre Vorschläge bereits im März 2015 vorgelegt. Und wenn alle Mitgliedstaaten so klug gewesen wären wie die Kommission vor vier Jahren, hätten sich die Dinge anders entwickelt.“

"Beim Brexit sprechen EU-Chefunterhändler Michel Barnier und einige Politiker in Großbritannien davon, dass in sechs bis acht Wochen ein Deal geschlossen werden könnte. Glauben Sie daran?“

"Ich teile die Ansichten Michel Barniers."

"Letzte Frage: Was ist Ihr größtes Bedauern nach vier Jahren EU-Kommissionspräsidentschaft?"

"Dass die europäischen Institutionen nicht in der Lage waren, die Gräben zwischen Ost und West zu überbrücken."