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Saudi-Arabien: König und Kronprinz kondolieren Familie Khashoggi

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Saudi-Arabien: König und Kronprinz kondolieren Familie Khashoggi

Saudi-Arabien: König und Kronprinz kondolieren Familie Khashoggi
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Nach dem gewaltsamen Tod des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul bleibt Saudi-Arabien durch Informationen von türkischer Seite unter Druck. Der Sprecher der türkischen Regierungspartei AKP sprach von einem "brutal geplanten" Mord. "Wir sehen, dass wir es mit einer Situation zu tun haben, die äußerst brutal geplant war und dass mit viel Mühe
versucht wird, die Sache zu vertuschen", sagte Ömer Celik. "Das ist ein sehr komplizierter Mord."

Präsident Recep Tayyip Erdogan will an diesem Dienstag Details zu den Vorgängen nennen.

Am Montag wurden in Istanbul fünf Zeugen von mehreren Staatsanwälten verhört, laut staatlicher Nachrichtenagentur Anadolu Konsulatsmitarbeiter. Mehr als 20 weitere Zeugen sollten noch befragt werden. Die Polizei fand demnach zudem ein zum saudischen Konsulat gehörendes Auto in einer

Tiefgarage des Stadtteils Sultangazi. Die Ermittler hätten bei der
Staatsanwaltschaft und den saudischen Behörden um eine Genehmigung zur Durchsuchung des Wagens mit diplomatischem Kennzeichen gebeten.

Die saudische Führung hatte nach massivem internationalen Druck in der Nacht zum Samstag die Tötung Khashoggis vor zwei Wochen eingeräumt.

"Das ist ein sehr komplizierter Mord"

Ömer Celik Sprecher der türkischen Regierungspartei AKP

Nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur SPA („Saudi Press Agency“) hat der saudische König Salman mit Mitgliedern der Familie Khashoggi telefoniert. Auch Kronprinz Mohammed bin Salman habe den Hinterbliebenen telefonisch sein Beileid ausgedrückt. Saleh Khashoggi, Sohn des getöteten Journalisten, habe sich für die Anteilnahme bedankt, hieß es.

Die türkische Verlobte von Khashoggi wurde laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu unter Polizeischutz gestellt. Die Agentur berief sich in dem Bericht auf Sicherheitskreise im Istanbuler Gouverneursamt. Die Frau hatte am 2. Oktober vor dem Generalkonsulat auf Khashoggi gewartet, der dort Dokumente für ihre Hochzeit holen wollte. Sie alarmierte die Behörden, nachdem er aus dem Gebäude nicht wieder herauskam.

Khashoggi hatte Saudi-Arabien und seine Familie im Sommer 2017 verlassen, um frei schreiben zu können, unter anderem für die „Washington Post“. Unter Druck der Regierung entschied seine Frau nach Aussagen von Freunden (Maggie Mitchell Salem), sich von Khashoggi scheiden zu lassen.

Im Mai lernte Khashoggi demnach seine spätere Verlobte, die Türkin Hatice Cengiz, auf einer Konferenz kennen. Um sie heiraten zu können, hatte er in Istanbul das saudische Konsulat betreten. In der „New York Times“ schrieb Cengiz: „Er hat das Gebäude nicht mehr verlassen, und mit ihm bin auch ich dort verloren gegangen.“

Nach offizieller Darstellung, die von westlichen Politikern als wenig glaubwürdig eingestuft wird, war es zwischen Khashoggi und mehreren Personen zu einer tödlichen Schlägerei gekommen. 18 saudische Staatsangehörige seien deshalb festgenommen worden, zudem seien zwei Berater des Kronprinzen Mohammed bin Salman entlassen worden. Türkische Ermittler gehen nach Medienberichten dagegen davon aus, dass Kashoggi von einem aus Saudi-Arabien angereisten 15-köpfigen Einsatzkommando im Konsulat gefoltert, ermordet und zerstückelt wurde.

Die Führung Saudi-Arabiens weiß nach den Worten ihres Außenministers Adel al-Dschubair derzeit nichts über den Verbleib der Leiche.

BOTSCHAFTER IN BERLIN EINBERUFEN

Die deutsche Bundesregierung bat den saudischen Botschafter zu einem Gespräch, um ihm die deutsche Position zu verdeutlichen, so das
Auswärtige Amt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte
zuvor weitere Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien ausgeschlossen. Auch in der EU wurde über mögliche Auswirkungen auf die Beziehungen beraten.

Der Fall überschattet auch eine für Dienstag in Riad geplante
Wirtschaftskonferenz, auf der das Königreich um ausländische
Investoren werben will. Wie zuvor bereits andere Vertreter aus
Politik und Wirtschaft sagte auch Siemens-Chef Joe Kaeser
seinen Besuch ab.