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Tag der Entscheidung in Brasilien: Bolsonaro oder doch Haddad?

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Tag der Entscheidung in Brasilien: Bolsonaro oder doch Haddad?

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Nach einem hart geführten Wahlkampf entscheiden die Brasilianer heute, wer ihr nächster Präsident werden wird. Bei der ersten Abstimmung vor 3 Wochen hatte kein Kandidat die absolute Mehrheit der Stimmen erreicht.

145 Millionen Menschen werden deshalb heute erneut an die Urnen gerufen - in einer für das Land richtungsweisenden Wahl. Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro kann laut letzten Umfragen mit 54 Prozent der Stimmen rechnen. Fernando Haddad von der sozialistischen PT lag zuletzt bei 46 Prozent. Um 23:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit schließen die letzten Wahllokale.

Bolsonaro will die Polizei zu robusten Einsätzen in den Favelas ermutigen und den Zugang zu Waffen für Privatleute vereinfachen. Das könnte die ohnehin schon weit verbreitete Gewalt noch einmal befeuern. Im vergangenen Jahr wurden bereits 63 000 Menschen in Brasilien getötet.

Starken Rückhalt hat Bolsonaro auch in der mächtigen Agrarlobby. Auf dem Land werden viele Konflikte mit brutaler Gewalt ausgetragen. Mindestens 57 Menschen wurden im vergangenen Jahr im Zuge von Landkonflikten getötet - laut der Nichtregierungsorganisation Global Witness die höchste Zahl weltweit. «Die Agrarindustrie ist die Branche, die am stärksten in die Morde verwickelt ist», heißt es in einem Bericht.

Bolsonaro provoziert immer wieder mit Ausfällen gegen Frauen, Schwarze und Schwule sowie mit seiner Sympathie für die Militärdiktatur (1964-1985). Allerdings profitiert er von der Wut vieler Brasilianer über die jüngsten Korruptionsskandale und die zunehmende Gewalt. Dieser Wechselstimmung hat Haddad wenig entgegenzusetzen. Das Image seiner Arbeiterpartei ist nach Lateinamerikas größter Schmiergeldaffäre «Lava Jato» (Autowäscherei) schwer beschädigt.

Haddads politischer Ziehvater, Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, sitzt wegen Korruption im Gefängnis. Im Falle eines Wahlsiegs will Bolsonaro das Waffenrecht liberalisieren, gegen Homoehe und Abtreibung eintreten sowie die Rechte indigener Gemeinschaften im Amazonas-Gebiet beschneiden. Beobachter befürchten eine Zunahme der Gewalt sowie negative Auswirkungen auf den internationalen Klimaschutz und die soziale Lage im größten Land Südamerikas.