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Forscher He stellt sich Kritik an "Designer-Babys"

Forscher He stellt sich Kritik an "Designer-Babys"
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Die Aufmerksamkeit war ihm auf dem Genomforscher-Kongress in Hongkong sicher: Forscher He Jiankui hat dort seine Arbeit verteidigt.

He Jiankui verteidigt seine Retortenbabys

Er hatte im Internet ein Video veröffentlicht, in dem er von der Geburt genmanipulierter Zwillinge berichtete, die er mithilfe einer Genschere resistent gegen das HI-Virus gemacht habe.

Auf dem Kongress sagte He Jiankui: "Diese Menschen benötigen unsere Hilfe. Wir sollten Mitgefühl mit Millionen Familien, die diese Krankheit - eine Erb - oder Infektionskrankheit - haben, zeigen. Wenn wir die nötige Technologie haben, können wir sie eher zur Verfügung stellen und damit mehr Menschen heilen als bisher."

Forschung über verändertes Erbgut steckt noch in den Kinderschuhen

Durch die Veränderung des menschlichen Erbguts können potenziell Krankheiten therapiert - oder Erbkrankheiten verhindert werden, doch die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen. Ob die Technik auch Auswirkungen an anderen Stellen des Erbguts hat, ist unbekannt. Zudem wird das veränderte Genom an alle folgenden Generationen weitergegeben.

"Menschheit weder ethisch noch wissenschaftlich dafür bereit"

Joyce Harper vom University College London betont, dass Hes Vorgehen gravierende wissenschaftliche und ethische Einwände hervorrufe: "Besorgniserregender ist das, was wir als "Off-Target-Effekte" bezeichnen, also wenn andere Teile des Genoms betroffen sind und wir wirklich nicht wissen, was das für den zukünftigen Menschen bedeutet. Wir sind weder wissenschaftlich noch ethisch dafür bereit. Es muss eine gesellschaftliche Debatte geben, um zu entscheiden, ob diese wirklich recht phänomenale Methode das ist, was die Gesellschaft will, um zukünftige Kinder zu schaffen."

Chinesische Regierung fordert "unverzügliche Untersuchung" an

Nach dem Bekanntwerden der Geburt genmanipulierter Zwillinge hat Peking eine "unverzügliche Untersuchung" des Vorfalls angeordnet. Fang Gang ist Assistant Professor für Biologie an der NYU Shanghai. Er rechnet damit, dass Hes Experiment wiederholt wird.

"Leute sind tatsächlich sehr agressiv, wenn sie ihre Forschung verfolgen, ihren Nutzen, ihre Leistungen. Wenn man all diese verschiedenen Faktoren miteinander kombiniert, würde ich sagen, dass das noch einmal passieren kann."

Die Technik, die He für sein Experiment nutzt, ist die sogenannte Genschere Crisper/Cas9. Mit ihr können Wissenschaftler DNA relativ zielgenau trennen und durch neue Gensequenzen ersetzen. Bisher wird diese Methode beim Menschen im Rahmen von Gentherapien eingesetzt. Ihr Einsatz an Spermien, Eizellen und Embryonen ist nicht erlaubt.