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Iran: Britisch-iranische "Spionin" im Staats-TV

Iran: Britisch-iranische "Spionin" im Staats-TV
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Das iranische Staatsfernsehen hat ein Video von der Verhaftung von Nazanin Zaghari-Ratcliffe gezeigt. Die Mitarbeiterin der Journalisten-Stiftung von Thomson Reuters war im April 2016 nach einem Besuch bei Familienmitgliedern am Flughafen Teheran verhaftet worden – und wurde wegen Spionage zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt. Die Sendung mit den Aufnahmen einer versteckten Kamera sollte belegen, dass Großbritannien versucht, den Iran über den persischen Kanal der BBC zu infiltrieren.

Für den britischen Ehemann Richard Ratcliffe ist die Sendung Teil eines „Psycho-Spiels“. Ihm wird die Einreise in das Land verweigert.

Zaghari-Ratcliffe wird vorgeworfen, durch die Ausbildung von Journalisten in Iran an einem Umsturz des Regimes gearbeitet zu haben, was sie bestreitet. Ihre Tochter, inzwischen vier Jahre alt, lebt seither bei den Großeltern in Iran - ihr Pass wurde eingezogen.

BRITISCHER AUSSENMINISTER

Der Fall überschattet die diplomatischen Beziehungen zwischen Großbritannien und Iran. Der britische Außenminister Jeremy Hunt schrieb via Twitter, er werde sich auch künftig für die dauerhafte Freilassung der 40-Jährigen einsetzen.

Zu Weihnachten twitterte er : «Lasst uns an all jene denken, die unschuldig im Gefängnis sitzen, so wie Nazanin Zaghari-Ratcliffe.»

Die iranischen Behörden hatten der Frau mit britischer und iranischer Staatsangehörigkeit im August drei Tage Auszeit von der Haft bewilligt.

HUNGERSTREIK

Zaghari-Ratcliffe sitzt im berüchtigten Evin-Gefängnis in Norden von Teheran und will – zusammen mit der Mitgefangenen Narges Mohammadi – mit einem befristeten Hungerstreik Mitte Januar Zugang zu Ärzten und Medikamenten erreichen. Die hätten nach der Ankündigung ihre Rationen gekürzt die Länge ihrer Telefongespräche reduziert, so ihr Ehemann.

Zaghari-Ratcliffe wurde 1978 in Teheran geboren. 2007 zog sie nach Großbritannien, wo sie ihren Ehemann kennenlernte.

Mohammadi ist Vizepräsidentin des Zentrums für Menschenrechte, das von der Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi gegründet wurde. Zuletzt verurteilte ein Revolutionsgericht in Teheran Mohammadi im Mai 2016 zu insgesamt 16 Jahren Haft. Sie ist schwer krank und Mutter von elfjährigen Zwillingen, mit denen sie zuletzt im Sommer 2015 telefonieren durfte.

su