Die Warnung von Guterres kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Regierung von US-Präsident Donald Trump in den letzten Monaten die Mittel für einige UN-Organisationen gekürzt und einige Pflichtbeiträge abgelehnt oder verschoben hat.
Der Chef der Vereinten Nationen, António Guterres, hat am Freitag die Mitgliedstaaten aufgefordert, ihre Beiträge zu zahlen, und davor gewarnt, dass die Organisation von einem Bankrott bedroht sei und ihr bereits im Juli das Geld ausgehen könnte.
Nach Angaben von Guterres stehen die Vereinten Nationen vor chronischen Haushaltsproblemen, weil einige Mitgliedstaaten ihre Pflichtbeiträge nicht vollständig zahlen, während andere verspätet zahlen. Dies zwinge die Organisation zu Einstellungsstopps und Ausgabenkürzungen.
"Entweder kommen alle Mitgliedstaaten ihren Verpflichtungen zur vollständigen und pünktlichen Zahlung nach, oder die Mitgliedstaaten müssen unsere Finanzregeln grundlegend überarbeiten, um einen drohenden finanziellen Zusammenbruch zu verhindern", schrieb Generalsekretär Guterres in einem Brief.
Die Warnung des UN-Chefs erfolgt auch vor dem Hintergrund, dass die Regierung von US-Präsident Donald Trump in den vergangenen Monaten die Mittel für einige UN-Organisationen gekürzt und mehrere Pflichtbeiträge abgelehnt oder verschoben hat.
Trump hat wiederholt die Relevanz der Vereinten Nationen infrage gestellt und ihre Prioritäten kritisiert.
Zudem haben Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und China – allesamt ständige Mitglieder mit Vetorecht im Sicherheitsrat, dem höchsten Entscheidungsgremium der Organisation – die Arbeit des Rates blockiert.
In diesem Monat hat Trump zudem ein "Board of Peace" ins Leben gerufen, das nach Ansicht von Kritikern als möglicher Rivale der UNO dienen soll.
Derzeitige Entwicklung "Unhaltbar"
Obwohl mehr als 150 Mitgliedstaaten ihre Beiträge gezahlt haben, verzeichneten die Vereinten Nationen Ende 2025 ein Defizit von 1,6 Milliarden US-Dollar – mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2024.
"Die derzeitige Entwicklung ist unhaltbar. Sie setzt die Organisation einem strukturellen finanziellen Risiko aus", schrieb Guterres.
Zugleich steht die UNO vor einem weiteren Problem: Sie muss den Mitgliedstaaten nicht ausgegebene Mittel zurückerstatten, wie Farhan Haq, einer von Guterres’ Sprechern, bei einer Pressekonferenz erklärte.
Der Generalsekretär wies in dem Brief auch auf dieses Problem hin und schrieb: "Wir sind in einem kafkaesken Kreislauf gefangen, in dem von uns erwartet wird, Geld zurückzugeben, das es nicht gibt."
"Die praktische Realität ist ernüchternd: Wenn sich die Einnahmen nicht drastisch verbessern, können wir das im Dezember genehmigte Programmbudget für 2026 nicht vollständig umsetzen", schrieb Guterres. Er fügte hinzu: "Schlimmer noch: Auf Grundlage historischer Trends könnten die regulären Haushaltsmittel bereits im Juli aufgebraucht sein."
Guterres, der Ende 2026 aus dem Amt scheidet, hielt in diesem Monat seine letzte jährliche Rede, in der er seine Prioritäten für das kommende Jahr darlegte. Darin sagte er, die Welt sei von "selbstzerstörerischen geopolitischen Spaltungen und schamlosen Verstößen gegen das Völkerrecht" zerrissen.
Zugleich prangerte er "massive Kürzungen bei der Entwicklungs- und humanitären Hilfe" an – eine offensichtliche Anspielung auf die tiefen Einschnitte in die Budgets von UN-Organisationen, die die Vereinigten Staaten im Rahmen der "America-First"-Politik der Regierung von Präsident Donald Trump vorgenommen haben.