Mehr als 10 Millionen Zuschauer - Warum ist Deutschland im Handball-Fieber?

Mehr als 10 Millionen Zuschauer - Warum ist Deutschland im Handball-Fieber?
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REUTERS/Wolfgang Rattay
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Mehr als 10 Millionen Menschen haben sich den 22:21-Sieg der deutschen Handball-Nationalmannschaft in Köln im TV angeschaut. Zeit Online schwärmt vom besten Krimi aller Zeiten im ZDF. Der Sender erreicht einen Marktanteil von 30,4 Prozent. So viele Menschen haben sich noch nie ein Viertelfinale angeschaut.

"Mit so einem Erfolg haben wir nicht gerechnet", erklärt ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann. "Dass Handball in Deutschland populär ist, wussten wir natürlich, aber so viele Zuschauer hätten wir nicht erwartet." Auch ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky findet "das Interesse beeindruckend".

Warum begeistert Handball?

"Die Menschen finden unsere Handballer cool, weil sie eine hohe Bodenhaftung haben und nahbar sind. Das sind Idole zum Anfassen", sagte Fuhrmann und hatte einen kleinen Seitenhieb für den Fußball parat: "Andere Mannschafts-Sportarten können sich davon eine Scheibe abschneiden."

Die Handball-Sendungen sind sogar erfolgreicher als die Fußball-Bundesliga mit dem Bayern-Spiel gegen Hoffenheim am Freitag live im ZDF. Nur mit WM-Übertragungen wie zuletzt 2018 ist Fußball deutlich beliebter als Handball.

"Die Dramatik des Spiels ist einfach zu verfolgen", benannte der ZDF-Sportchef einen der Erfolgsfaktoren des Handballs im Fernsehen. "Es gibt viel Action und Athletik, und teilweise Akrobatik wie bei Andreas Wolff, wenn der die Beine bis auf Kopfhöhe schleudert." Und vor allem, sagte Fuhrmann: "Es ist irre spannend."

Begeistert von den Rekord-Quoten sind nicht nur die Fernsehsender, sondern auch die Handballer. "Wir sind jetzt dort, wo wir hin wollten", kommentierte DHB-Vizepräsident Bob Hanning: "Wir hatten zehn Millionen Zuschauer im Schnitt und 13 Millionen in der Spitze." Auch Hanning hatte einen Verweis zum Fußball parat: "Das brauchen wir, um den Abstand zur Lieblingssportart zu verkürzen."

Auch Heiko Maas gehört zu den Fans.

Bestverdiener mit 42.000 Euro pro Monat

Wie die Webseite Gehaltsvergleich aufzeigt, sind die Spieler der deutschen Handball-Nationalmannschaft von den Millioneneinnahmen ihrer Fußball-Kollegen weit entfernt. Am besten zahlt offenbar Paris St. Germain, dort bekommt Uwe Gensheimer einMonatsgehalt von 42.000 €, die Fûchse Berlin zahlen Silvio Heinevetter offenbar 30.000 €,und Steffen Weinhold verdient bei THW Kiel 29.000 €. Der jetzt verletzte Martin Strobel bekommt bei HBW Balingen-Weilstetten monatlich 15.000 €.

Auch die Zahl der Fans ist anders als bei anderen Stars. Uwe Gensheimer hat auf Twitter 18.100 Follover. Patrick Groetzkis Internetseite funktioniert derzeit nicht, aber er twittert ab undzu. Martin Stroblels letzter Tweet ist dagegen von April 2017.