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Spanien 40 Jahre nach Franco: Suche nach dem verschollenen Vater

Spanien 40 Jahre nach Franco: Suche nach dem verschollenen Vater
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Fausto Canales ist der Sohn eines Opfers des Spanischen Bürgerkriegs. Am 20. August 1936, nur einen Monat nach dem Militärputsch, um zwei Uhr morgens, holten die Falangisten seinen Vater Valerico um zwei Uhr morgens aus dem Bett. Fausto, damals zwei Jahre alt, sah ihn nie wieder.

Noch am selben Tag wurde er offenbar zusammen mit sechs weiteren Personen, darunter eine Frau, in Aldeaseca, in der Provinz Ávila, etwa 25 Kilometer von seiner Wohnung entfernt, erschossen. Sie wurden in einen ausgetrockneten Brunnen geworfen, der nicht mehr benutzt wurde. Faustos Familie wusste nicht mehr über die Leiche, bis 1959 einer seiner Brüder sagte, er "wisse von einer guten Quelle", dass die Überreste in das „Tal der Gefallenen“ gebracht worden seien.

Im "Tal der Gefallenen" („Valle de los Caidos“), in einem Gebirge in der Nähe von Madrid, liegen die einzigen Überreste seines Vaters, die Fausto Canales in fast zwei Jahrzehnten Nachforschungen ausfindig machen konnte. Es gelang ihm, das Gemeinschaftsgrab zu finden, in das die Leichen von sieben Menschen nach ihrer Ermordung im Jahr 1936 geworfen wurden. Diese Entdeckung bestätigte Hinweise, die er als Teenager bekommen hatte.

Fausto Canales, Sohn eines Opfers des Spanischen Bürgerkriegs:

"Dass sie in das sogenannte „Tal der Gefallenen“ gebracht worden waren, hörte ich zum erstenmal im Jahr 1959. Ich brachte gerade mein Studium in Madrid zuende und mein Bruder hörte es von jemandem in der Nähe von Aldeaseca in der zentralspanischen Provinz Ávila."

Da war die Franco-Ära in Spanien gerade erst gut zur Hälfte um.

Die Leiche wurde wie die der meisten Republikaner ohne Zustimmung der Familie hierher verlegt. In vielen Fällen gab es jedoch auch keine Genehmigung, dass die Überreste der Sieger im Franco-Mausoleum enden sollten, wo ungefähr 34.000 Leichen liegen, fast ein Drittel nicht identifiziert.

Rosa Gils Großvater stand auf der nationalen Seite, seine Familie wartet immer noch auf eine würdige Bestattung.

Rosa Gil, Enkelin eines Opfers des Spanischen Bürgerkriegs:

„Als Bürgerin hätte ich gerne einen normalen Verwaltungsvorgang und die Exhumierung meines Großvaters beantragt, nichts weiter. Aber so war es nicht. Wir mussten vor Gericht damit.“

SUCHE IN MASSENGRÄBERN

Vom Jahr 2000 an wurden in Spanien im ganzen Land Gräber geöffnet und die Überreste von rund 8.500 Menschen geborgen. In einigen Fällen ging das bis zum "Tal der Gefallenen". Es gibt etwa zwanzig Beschlüsse zugunsten verschiedener Familien, auch der von Rosa und Fausto, ihre Angehörigen von hier wegzubringen. Aufzuarbeiten bleibt die Bedeutung des Franco-Mausoleums.

Francisco Ferrándiz, Anthropologe bei der größten öffentlichen Forschungseinrichtung Spaniens CSIC:

"Um das zu erklären, sollten wir meines Erachtens die neuen Technologien einsetzen, damit die Besucher des Tals das Denkmal virtuell besichtigen können, sehen können, wie es gebaut wurde ... das totalitäre Andenken wäre versteinert und das demokratische Andenken würde dieses Denkmal per Pixel neu bewerten."

Carlos Marlasca, Euronews:

"An normalen Tagen wie heute schmücken frische Blumen das Grab von Francisco Franco. Auf jeder Seite ruhen die Überreste von Opfern des Bürgerkriegs, die in vielen Fällen ohne Zustimmung der Angehörigen hierher gebracht wurden. Wenn die Exhumierung des Diktators endgültig abgeschlossen ist, bleibt die Frage, was tun mit dem Tal der Gefallenen."

Im Bürgerkrieg und unter Franco wurden in Spanien rund 150.000 Menschen umgebracht oder verschwanden, so Hinterbliebenenverbände. Spaniens Regierung hat die umstrittene Umbettung der Gebeine von Francisco Franco (1892-1975) nach monatelangen Diskussionen offiziell in die Wege geleitet.

Das Fehlen einer wirklichen, auch offiziellen Aufarbeitung der Franco-Zeit ist höchst aktuell, als einer der tieferen Gründe für die Katalonienkrise: Die republikanisch orientierte katalanische Elite war unter Franco besonders harten Repressionen ausgesetzt.

su