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Mahnung für eine bessere Zukunft: "Dunkler Tourismus" in Nordirland

Mahnung für eine bessere Zukunft: "Dunkler Tourismus" in Nordirland
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Nordirland gilt als eine so genannte "Post-Konflikt-Gesellschaft". Für den Großteil des 20. Jahrhunderts wagten sich die Besucher kaum hierher.

Aber im Zuge des Friedensprozesses haben sich auch hier neue Industrien gebildet. Eine davon ist der sogenannte "Dunkle Tourismus", bei dem Menschen historische Stätten besuchen, die mit Tod und Zerstörung zu tun haben.

Von Mauern getrennt

Auch in Belfast gibt es solche Orte. Trotz jahrzehntelanger Programme zur Aussöhnung leben viele Katholiken und Protestanten immer noch getrennt voneinander. Einige Viertel sind weiter durch eine Mauer getrennt.

Mark Neil bietet Rundfahrten durch West Belfast an. Während der Troubles, wie der Konflikt hier genannt wird, war er Taxifahrer. Seine Touren zeigen den Besuchern, dass der Konflikt hier immer noch an jeder Ecke zu sehen ist. Neil ist sich sicher, dass der Konflikt nicht wieder aufflammen wird. Dafür habe das Land in den letzten 20 Jahren zu viele Fortschritte gemacht.

"Die Menschen sind zu weit gekommen und wollen die dunklen Tage des Konflikts hinter sich lassen. Sie wollen das Beste für ihre Kinder und sie wollen Frieden."

Der Brexit ändert die Meinungen

Dieser Optimismus wird jedoch nicht von allen geteilt. Das Firma von Mark Wylie bietet Wanderungen durch das Stadtzentrum von Belfast an. Auf dem Weg besuchen die Touristen die Orte von damaligen Schießereien, Bombenanschlägen und Entführungen. Wylie hat in letzter Zeit Veränderungen bemerkt. Vor kurzem mussten er das Skript für das Ende der Tour ändern.

"Bis letztes Jahre habe ich am Ende der Tour immer erzählt, dass es bis zu einem Referendum über die Grenze wahrscheinlich noch 20 Jahre dauert, und weniger als 30% unterstützten eine Wiedervereinigung Irlands. In den letzten Monaten wurden sehr gründliche Umfragen durchgeführt, die zeigen, dass im Falle eines No-Deal-Brexit die Unterstützung für die Wiedervereinigung bei über 50% liegt."

Vincent McAviney, Euronews:

In den zwei Jahrzehnten seit der Unterzeichnung des Karfreitagsabkommens haben beide Gemeinden hier hart an der Versöhnung gearbeitet. Sie haben aber auch versucht, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und zu zeigen, worum es in Nordirland sonst noch geht. Hier wurde die Titanic gebaut, das berühmteste Schiff aller Zeiten. An diesem Ort gibt es ein Museums, in das Menschen aus der ganzen Welt kommen. Und weiter unten am Ufer in diesen Lagerhäusern, dort wird Game of Thrones gefilmt, einer der beliebtesten Serien im Fernsehen. Nordirland ist jetzt ein Zentrum für die Film- und Fernsehproduktion.

Die Menschen hier glauben, dass das die glänzende Zukunft ist, auf die sie seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens hinarbeiten. Aber alle sind sich einig, dass der Brexit das in Gefahr bringen könnte, als eine Trennlinie, die sie nicht brauchen.