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Pinar Selek: Situation in der Türkei ist nicht neu

Pinar Selek: Situation in der Türkei ist nicht neu
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Sie kommt aus der Türkei und lebt seit 2009 im Exil. Pinar Selek, eine Soziologin und Intelektuelle, die in ihrem Heimatland wegen Terrorismus angeklagt ist. Seit 20 Jahren läuft ihr Prozess und schon vier Mal wurde sie von den Vorwürfen freigesprochen. Vor den Wahlen am 31. März in der Türkei gibt sie zu bedenken, dass die Situation in ihrem Land nicht neu ist.

"Erdogan ist nicht vom Himmel gefallen. Er ist ein Produkt dieses Systems. Als ich 1998 im Gefängnis war, gab es 45.000 politische Flüchtlinge in der Türkei. In meinem Gefängnis wurde mehr als die Hälfte der Kameradinnen, die ebenfalls politische Flüchtlinge waren, gefoltert oder vergewaltigt."

Sie sagt, dass sie die Türkei vermisse, aber sieht sich selbst als Weltbürgerin. Seit 2011 lebt sie in Frankreich und wurde 2017 französische Staatsbürgerin. Als Europäerin ist sie irritiert von der Doppelmoral.

"Warum ist beispielsweise Polen in der EU? Oder andere osteuropäische Länder, bei denen von Demokratie keine Rede sein kann. Zum Beispiel beim Thema Abtreibung. Wenn das gleiche in der Türkei passieren würde, wäre es ein Skandal."

Das europäische Parlament hat erst kürzlich dafür gestimmt, die EU-Beitrittsverhandlungen der Türkei formal auszusetzen.