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#EUroadtrip in Ungarn: Sind die EU-Gelder sinnvoll eingesetzt?

#EUroadtrip in Ungarn: Sind die EU-Gelder sinnvoll eingesetzt?
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Wir sind weiter in Ungarn unterwegs und heute in der Stadt Hatvan angekommen, etwa eine Autostunde von der Hauptstadt Budapest entfernt. Uns interessiert, wie in Ungarn mit EU-Geldern umgegangen wird. Und unser rotes Sofa steht hier direkt vor einem Projekt, bei dem man eigentlich sofort an eine komplette Geldverschwendung von EU-Mitteln denkt.

Das ist ein sehr ungewöhnlicher Fahrradweg. Dieses Projekt wurde von der EU mit drei Millionen Euro finanziert. Und tatsächlich scheint niemand diesen Fahrradweg benutzen zu wollen. Er ist in einem schlechten Zustand, aber niemand scheint das zu stören. Wir haben versucht, ein paar Einwohner auf unser rotes Sofa zu bitten, doch keiner wollte mit uns vor der Kamera darüber sprechen. Als die Kamera aus war, sagten uns Kinder, dass sie generell schon Fahrradwege benutzen, aber nicht diesen, weil er einfach zu gefährlich ist. Ein Lehrer von ihnen hätte sich darauf schon schwer verletzt.

Neuer Fahrradweg ist eine Geldverschwendung

Obwohl niemand zu uns auf das rote Sofa kommen wollte, haben wir es dennoch geschafft, mit einem Mann zu sprechen, der aus der Hauptstadt Budapest kommt. Er sagt: "Wir kommen regelmäßig hierher. Wir haben gesehen, dass das hier rumsteht, im Internet haben wir uns erkundigt, was das sein könnte, weil wir nie jemanden darauf gesehen haben. Also, es wurde zwar eingeweiht, aber niemand kümmert sich darum. Überall wächst das Unkraut, nicht mal das Gras wird gemäht. Wenn man es genau nimmt, könnte man schon sagen, das Ganze ist eine Geldverschwendung."

Offensichtlich gibt es hier in Ungarn aber auch andere EU-Projekte, bei denen es so aussieht, als ob die Gelder von der EU sinnvoller eingesetzt werden. Wir haben auch ein Weingut in der Stadt Soltvadkert besucht. Dort hat die Firma das Geld, das sie von der EU bekommen hat, in eine Anlage zur Weiterverarbeitung investiert und konnte so ihren Betrieb viel effizienter gestalten.

Winzerbetrieb profitiert von EU-Geldern

Das Weingut Frittmann war früher ein Familienbetrieb und wurde von zwei Brüdern geführt. Heute arbeiten dort 22 Mitarbeiter. Seit dem Beitritt Ungarns zur Europäischen Union bekamen sie rund 800.000 Euro an Entwicklungsgeldern. Zurzeit wird das letzte Projekt fertig gestellt.

Für den Winzer Janos Frittmann sei dieser Fonds sehr wichtig, da sie sich so moderene Gerätschaften leisten können. Andernfalls hätten sie sich eine Menge Geld mühevoll zusammensparen müssen. Sie seien dadurch wettbewerbsfähiger, es würde helfen, im Markt bestehen zu können oder neue Märkte zu erobern.

Wir haben uns also am Beispiel von zwei Projekten angesehen, wie genau die EU-Gelder ausgegeben werden. Wir fragen uns, ob sich die Ungarn Gedanken machen, wohin die EU-Gelder fließen. Wir glauben, dass die Wähler in Ungarn EU-Gelder ganz allgemein als Geschenk betrachten. Deshalb machen sie sich auch keine Sorgen, getreu dem Motto, `besser etwas zu haben, als gar nichts. Doch gleichzeitig wissen sie: Es wird immer einen Missbrauch von EU-Gelder geben - egal wie sie abstimmen werden.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie von Euronews. Die anderen Geschichten finden Sie in unserer Übersicht:

#EUroadtrip | Euronews berichtet vor den Europawahlen aus der EU