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Guatemala: Fast jedes 2. Kleinkind ist chronisch unterernährt

Guatemala: Fast jedes 2. Kleinkind ist chronisch unterernährt
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Gewalt und Armut haben Zehntausende von Mittelamerikanern dazu getrieben, sich den Karawanen anzuschließen, die nach Mexiko und in die USA ziehen. Für die Guatemalteken ist Hunger ein Hauptgrund, ihre Heimat zu verlassen.

Fast jedes zweite Kind in Guatemala leidet an chronischer Unterernährung. Das ist eine der höchsten Raten der Welt. Sieben Jahre Dürre haben die Überlebenschancen dieser Kinder drastisch verringert.

Über drei Millionen Menschen in Guatemala leiden an Lebensmittelknappheit, 46,5 Prozent der unter Fünfjährigen sind chronisch unterernährt. Das ist eine der höchsten Raten der Welt.

Chronische Unterernährung - einer der Gründe ist der Klimawandel

Guatemalas Trockenkorridor leidet unter einer der schlimmsten Dürren der vergangenen zehn Jahre. Frühlingsstürme haben die sonst staubigen braunen Landschaften von Filincas grün werden lassen. Dennoch haben die indigenen Völker, die wie hier im Hochland leben, bereits ihre Lebensgrundlage verloren. Chronische Unterernährung kann in ländlichen Gebieten auf 80 Prozent steigen.

"Wir versorgen 160 Kinder", erzählt der Krankenpfleger Freddy Martínez. "Die Hälfte von ihnen leidet unter chronischer Unterernährung. In diesem Jahr haben wir monatlich zwischen 50 und 75 Kinder erfasst, die chronisch unterernährt sind."

Dariela Esperanza gehört dazu. Die Zweijährige ist halb so groß wie ein Kind ihres Alters normalerweise. In der Regel isst sie zwei Tortillas pro Tag.

NGO-Netzwerk bekämpft die Nahrungsmittelkrise

In den vergangenen vier Jahren hat die EU ein NGO-Netzwerk finanziert, um die Nahrungsmittelkrise zu bewältigen. "Aktion gegen den Hunger" wendet die nationalen Verfahren zur Identifizierung unterernährter Kinder auf der Grundlage von Größe und Gewicht an. Die Organisation fördert aber auch die Verwendung des MUAC-Armbands (Mid-Upper Arm Circumference). Der Schnelltest wird von der nationalen Regierung noch nicht anerkannt. Einige der stark unterernährten Kinder fallen deshalb durch das nationale Gesundheitsnetz.

"Hier in Filincas sind nach den Größe-Gewichtsmessungen rund 2,1 Prozent der Kinder akut unterernährt", sagt Glenda Rodas von "Aktion gegen den Hunger". "Messen wir sie jedoch mit dem MUAC-Armband, verdoppelt sich sich diese Zahl oft."

Finanzielle Unterstützung für den Lebensunterhalt

Von den Bergen in der Gegend Filincas geht es in die Stadt Jocotan, beide Orte liegen in der Großgemeinde Chiquimula. Dort unterstützt die EU 90 Familien finanziell, damit sie Lebensmittel kaufen können. Die EU hilft auf verschiedene Art und Weise 14.000 Menschen in vier Regionen. Die lokale Organisation "Asedechi" hat die am stärksten gefährdeten Familien in der ländlichen Gemeinde Matasano ausgewählt. Nach ihren Angaben benötigen etwa 400 von 450 Haushalten Unterstützung.

"Die Haushalte bekommen Geld überwiesen. Die Höhe richtet sich nach der Anzahl der Familienmitglieder. Eine Familie erhält für drei Monate rund 14 Euro monatlich pro Person", erklärt Victor Hugo Sosa von Asedechi.

Emma Gonzales hat Anrecht auf 140 Euro. Davon kauft sie Mais, Zucker, Bohnen, Gemüse und Fleisch. Diese Lebensmittel reichen einen Monat für Emmas 11-köpfige Familie, darunter ein Kind mit akuter Unterernährung.

"Ich kaufe für die Kinder ein, dass sie zu Hause etwas zu essen haben. Wir haben weder Geld noch Arbeit", meint Emma Gonzales.

Die Familie wohnt im Hochland von Matasano, zehn Kilometer außerhalb der Stadt. Normalerweise essen sie Tortillas, das Huhn ermöglicht ein Freudenfest, auch wenn es durch 11 geteilt werden muss. Früher lebten sie von der Landwirtschaft, aber acht Jahre ohne Regen ließen ihre Felder vertrocknen.

"Wir haben gesät, aber es gibt keine Ernte", erzählt Emma Gonzales. "Die Pflanzen wachsen ein wenig, sei es Gemüse - Mais oder Bohnen. Dann vertrocknen die Pflanzen, weil es nicht regnet. Es gibt kein Essen für unsere Kinder, Mais wird immer teurer, es gibt keine Arbeit, also hungern wir."

Standartisierter Hilfsansatz landesweit

Das von der Humanitären Hilfe der EU finanzierte NGO-Netzwerk reagiert im ganzen Land mit einem standardisierten Ansatz auf die Notlage.

"Unterernährung ist ein vielschichtiges Problem", erklärt Urko Dubois von der Humanitären Hilfe der EU. "Wir müssen das unter dem Gesichtspunkt der Ernährungssicherheit, unter dem Gesichtspunkt der Gesundheit und der Wasserversorgung angehen. Das heißt, wir müssen sicherstellen, dass das Kind nicht wieder krank wird. Deshalb arbeiten die NGOs in diesen drei Bereichen."

Die Herausforderung in Guatemala besteht darin, den saisonalen Zyklus der Ernährungsknappheit zu durchbrechen. Familien wie die von Emma werden von der EU deshalb auch mit Entwicklungsprojekten unterstützt, um nachhaltigere Lebensgrundlagen aufzubauen.

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