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"Bis zum Sieg von Christus": Proteste gegen Kirchengesetz in Montenegro

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Protesaktion gegen das Kirchengesetz im Januar 2020
Protesaktion gegen das Kirchengesetz im Januar 2020   -  
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AP - Darko Vojinovic
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"Regierung wird die Lage nur schwer kontrollieren können"

In Montenegro haben erneut Tausende Anhänger der serbisch-orthodoxen Kirche gegen das neue Kirchengesetz protestiert. Sie fürchten, dass der Staat der Kirche Besitztümer wegnehmen will.

Das Gesetz, seit Jahresbeginn in Kraft, fordert, dass die Kirchen einen Besitznachweis für Gebäude und Grundstücke erbringen müssen, die ihnen schon vor 1918 gehört hatten, also vor der Eingliederung Montenegros in das damals gegründete Königreich Jugoslawien.

Ein Demonstrant sagte: "Ich hoffe, es gibt genug kluge Köpfe in Montenegro. Ich fürchte, dass das hier sich noch zu etwas sehr Ernsthaftem entwickeln kann. Es gibt viele Menschen, die protestieren, und ich denke, die Regierung wird die Lage nur schwer kontrollieren können, wenn sie die Stimme ihrer eigenen Bevölkerung ignoriert."

"Wir werden bis zum Sieg von Jesus Christus weitermachen"

Die Serbisch-Orthodoxe Kirche untersteht dem Patriarchat in Serbien und will die 2006 errungene Unabhängigkeit Montenegros vom Staatenbund Serbien und Montenegro nicht anerkennen.

Amfilohije Radović, der serbisch-orthodoxe Metropolit von Montenegro, sagte bei der Kundgebung: "Wir werden bis zu unserem Sieg weitermachen. Die Proteste werden weitergehen bis zum Sieg von Christus. Das ist das, was hier in Montenegro geschieht: der Sieg von Jesus Christus. Das sollten die begreifen, die in Montenegro an der Macht sind."

Risto Bozovic/AP
Montenegros Präsident Milo Djukanovic bei einem Pressegespräch 2019.Risto Bozovic/AP

Präsident Milo Djukanovic, der das Gesetz auf den Weg gebracht hatte, erklärte am Dienstag, dass er sich den Protesten nicht beugen wolle. "Montenegro ist genügend stark und entwickelt, um solchen Angriffen standzuhalten", sagte Djukanovic im staatlichen Fernsehen RTCG. Der Staat werde sich nicht erpressen lassen.

Wollen die Bürger ihren Kindern ein Montenegro als mittelalterlichen, theokratischen, serbischen Staat hinterlassen oder als einen Bürgerstaat, eine multiethnische Demokratie, gegründet auf europäischen Werten?
Milo Djukanovic
Präsident Montenegros

"Mittelalterlicher Staat" versus "multiethnische Demokratie"

Seit der Billigung des Gesetzes demonstrieren immer wieder Zehntausende Gläubige gegen die neue Regelung. Djukanovic sagte, die Proteste würden von der pro-serbischen Opposition im Land und von der Führung in Belgrad instrumentalisiert, um Montenegro zu destabilisieren.

Die Bürger müssten sich die Frage stellen, ob sie ihren Kindern "ein Montenegro als mittelalterlichen, theokratischen, serbischen Staat hinterlassen wollen oder als einen Bürgerstaat, eine multiethnische Demokratie, gegründet auf europäischen Werten", sagte Djukanovic.

Der Präsident bestimmt - in verschiedenen Funktionen - fast seit 30 Jahren die Geschicke seines Landes. Seine Gegner werfen ihm Korruption, Vetternwirtschaft und Wahlbetrug vor. Unter seiner Führung wurde Montenegro 2017 Nato-Mitglied und verhandelt seit 2012 über einen EU-Beitritt.

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