Eilmeldung
This content is not available in your region

Eskalation: 33 tote türkische Soldaten, Türkei schlägt zurück und fordert Nato-Beistand

euronews_icons_loading
Eskalation: 33 tote türkische Soldaten, Türkei schlägt zurück und fordert Nato-Beistand
Copyright  AP Photo/Ghaith Alsayed   -   Ghaith Alsayed
Schriftgrösse Aa Aa

Nach einem Luftangriff syrischer Regierungstruppen bei Idlib ist die Zahl der toten türkischen Soldaten auf mindestens 33 gestiegen, mindestens 36 türkische Soldaten wurden verletzt. Die Türkei hat mit Vergeltungsangriffen begonnen und fordert Hilfe von der Nato.

Russland reagierte am Freitag. Das Verteidigungsministerium gab an, die getöteten türkischen Soldaten wären zum Zeitpunkt des Angriffs mit der Al-Qaida-nahen islamistischen Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS) unterwegs. Rebellen hätten in der Nacht auf Freitag eine großangelegte Offensive auf syrische Regierungstruppen unternommen.

Die Türkei wies die Meldung der russischen Behörden umgehend zurück. Der türkiche Verteidigungsminister Hulusi Akar sagte am Freitag gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, dass während des Angriffs keine bewaffneten Gruppen in der Nähe seiner Truppen gewesen wären.

Ankara: "Können die Flüchtlinge in Richtung Europa nicht mehr halten"

Ankara forderte nach dem Luftangriff den Beistand der Nato und der internationalen Gemeinschaft. In einer Stellungnahme heißt es, man rufe die gesamte internationale Gesellschaft dazu auf, ihre Pflichten zu erfüllen. Gleichzeitig drohte ein Sprecher der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP damit, syrischen Flüchtlingen im Land die Grenzen in Richtung Europa zu öffnen. Die Flüchtlingspolitik der Türkei bliebe dieselbe, hieß es, aber man hätte jetzt eine Situation, in der man die Flüchtlinge nicht mehr halten könne.

In der Nacht zu Freitag hat die Türkei mit Vergeltungsangriffen reagiert und Stellungen der syrischen Regierungstruppen bombardiert. Auf einem Kriesengipfel am späten Donnerstagabend unter der Führung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sei beschlossen worden, Syrien auf "gleiche Weise" anzugreifen, so ein Regierungssprecher.

Nach Angaben der Nachrichtenbagentur Anadolu soll der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg telefoniert haben. Das US-Außenministerium soll die Offensive des Assad-Regimes verurteilt und gesagt haben, man prüfe Optionen, wie der Türkei geholfen werden könne.

Idlib ist das letzte große Rebellengebiet in dem Bürgerkriegsland. Die Türkei unterstützt in dem Konflikt islamistische Rebellen, die die Region Idlib kontrollieren. Mit Russland als Schutzmacht der syrischen Regierung hatte Ankara ein Abkommen erzielt, um in Idlib eine Deeskalationszone einzurichten. Am Mittwoch forderte die Türkei die Truppen von Präsident Assad auf, hinter den türkischen Beobachtungsposten zu bleiben. Eigentlich gilt auch eine Waffenruhe. In den vergangenen Wochen war das syrische Militär mit russischer Unterstützung aber in der letzten von Rebellen kontrollierten Region immer weiter vorgerückt.

Bei Zusammenstößen zwischen syrischem und türkischem Militär waren bis zum Donnerstagmorgen innerhalb rund eines Monats bereits rund 20 türkische Soldaten in der Region getötet worden.

AP Photo/Ghaith Alsayed
Türkische Soldaten in SyrienAP Photo/Ghaith AlsayedGhaith Alsayed

Erdogan hat wiederholt mit einem Militäreinsatz gedroht, sollte sich das syrische Militär nicht zurückziehen. Ein entsprechendes Ultimatum in Richtung syrische Regierung soll Ende Februar auslaufen. Gleichzeitig laufen Verhandlungen mit Russland.

Angesichts der Eskalation hatte Bundesaußenminister Heiko Maas zuvor das Vorgehen der syrischen Armee und Russlands als Kriegsverbrechen gebrandmarkt. "Als Konfliktparteien stehen sie in der Pflicht, die Zivilbevölkerung zu schützen. Stattdessen bombardieren sie zivile Infrastruktur wie Krankenhäuser und Schulen", sagte Maas am Donnerstag vor dem UN-Sicherheitsrat. "Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus sprechen niemanden von der Einhaltung des humanitären Völkerrechts frei."

Vor der Sitzung hatte der SPD-Politiker im ARD-Mittagsmagazin erneut eine sofortige Waffenruhe gefordert. "Das Leid der Menschen vor Ort ist unbeschreiblich", sagte Maas.

Nach UN-Angaben sind seit Anfang Dezember fast 950.000 Menschen vor der Gewalt geflohen. Helfer beklagen eine katastrophale humanitäre Lage. Es fehlt an Unterkünften, Lebensmitteln, Heizmaterial und medizinischer Versorgung. Hilfsorganisation sprechen vom schlimmsten Flüchtlingsdrama seit Ausbruch des Bürgerkriegs vor fast neun Jahren.

Kremlchef Wladimir Putin dämpfte am Donnerstag die Hoffnungen von Erdogans vorgeschlagenen Syrien-Gipfel, an dem auch Deutschland und Frankreich teilnehmen sollen. Erdogan wolle dort mit Putin, Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron über die Lage in Idlib reden.

"Das ist im Zeitplan von Präsident Putin bislang nicht vorgesehen", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow jedoch. An dem Tag habe Putin andere Pläne. Es gebe aber andere Formate, bei denen Russland auf Experten-Ebene mit der Türkei über die Lage in Nordsyrien spreche.