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Spanien: 3,5 Millionen Arbeitslose infolge der Coronakrise

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Spanien: 3,5 Millionen Arbeitslose infolge der Coronakrise
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Spaniens Wirtschaft ist von der Coronakrise hart betroffen. Es gibt 3,5 Millionen Arbeitslose. Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds prognostizieren eine dramatische wirtschaftliche Situation. 26 Prozent der spanischen Bevölkerung haben sich noch nicht von der vorangegangenen Wirtschaftskrise erholt, der Arbeitsmarkt ist fragil.

Bei Tamara Heredia ist das Arbeitslosengeld ausgelaufen, Lkw-Fahrer Zakarias Darouich ist vom Lockdown betroffen. Das Paar hat kein Einkommen.

"Wenn man frühstückt, isst man nicht zu Mittag.Isst man zu Mittag hat man nichts am Abend. Wir müssen uns das Essen einteilen", erzählt Zakarias Darouich.

Tamara Heredia sagt: "Jetzt brauchen wir Hilfe, jetzt sind wir darauf angewiesen. Später können wir uns unser Leben wieder verdienen. Wir bitten nur, um eine Tüte mit Lebensmitteln oder Essen-Gutscheine."

Überforderte Sozialdienste

Sozialdienste sind überfordert: Ohne Kinder ist es schwieriger, Unterstützung zu bekommen: "Es gibt keine Dienste, wo man etwas zu essen bekommt. Sie sagen, sie sind überfüllt. Man bekommt nur ein Picknick", klagt Tamara Heredia.

Euronews-Reporterin Cristina Giner: "Lokale Hilfsorganisationen und Verbände berichten, dass sich seit Beginn der Ausgangsperre die Hilfsanfragen verdreifacht haben. Dieser Verein gibt etwa 220 Mahlzeiten pro Tag aus."

Die Santa Anna Kirche im Zentrum Barcelonas hat sich in ein Lebensmittellager verwandelt. 15 Freiwillige unterstützen den Pfarrer:

"Es kommen vermehrt Familien, die in Mietwohnungen und gemieteten Häusern leben, die ihre Arbeit verloren haben. Nach einem Monat Ausgangssperre kommen sie mit ihrer 'Überlebensstrategie' nicht mehr weiter", erzählt Pfarrer Peio Sanchez.

In Spanien hat die Armut stark zugenommen

Die Essensausgabe-Schlange ist eine Momentaufnahme der Verzweiflung: Einige bitten darum, nicht gefilmt zu werden - ihre Familien wissen nicht, dass sie um Lebensmittel anstehen müssen.

In Spanien hat die Armut in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen. Die vorangegangene Krise hinterließ 600.000 Haushalte ohne Einkommen und einen fragilen Arbeitsmarkt.

Etna Carbonell arbeitete als Hausangestellte. Sie hat zwar ihre Arbeit verloren, aber nicht ihre Solidarität: "Einige haben keine Papiere, für sie ist es schwieriger, Unterstützung zu bekommen. Ich teile mit ihnen, was ich hier bekomme."

Alexandro lebt seit Jahren auf der Straße. Er hat keinen Schlafplatz. Die Situation für Obdachlose ist extrem. Soziale Einrichtungen verlangen nach Antworten. Ein Mindesteinkommen ist wichtiger denn je.

Carlos Susías, Präsident des europäischen Netzwerks zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung (EAPN), sagt:

"Wenn das Mindesteinkommen nicht umgesetzt wird, wird Spaniens Gesellschaft noch ungleicher, die Hilfsdienste würden explodieren und die Institutionen sich delegitimieren."

Ein Grundeinkommen könnte Teil der Lösung sein, nicht nur für Familien, sondern auch, um den Konsum und die angeschlagene Wirtschaft anzukurbeln.