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Corona-Politik in den Niederlanden: Eigenverantwortung statt Verbote

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Corona-Politik in den Niederlanden: Eigenverantwortung statt Verbote
Copyright  Peter Dejong/AP
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Belebte Straßen in Den Haag: Von der Corona-Krise ist nicht viel zu spüren. Schulen und Restaurants sind zwar noch dicht. Doch Läden dürfen öffnen, die Menschen raus.

Niederländische Gelassenheit

Die goldene Regel – 1,5 Meter Mindestabstand – wird von den meisten eingehalten. Verbote gibt es kaum, die Regierung setzt auf Eigenverantwortung.

Fahrradhändlerin Biance Kragten findet das gut. Die Touristen fehlen dem Geschäft zwar, aber viele treue Kunden kommen weiter. „Wir dürfen ins Freie. Meine Freundin in Belgien muss zu Hause bleiben und darf nur mit ihrem Hund einmal um den Block laufen. Ich meine, im Ernst?", wundert sich die Niederländerin über die strenge Politik der Nachbarn.

Die Strategie in ihrem Land scheint aufzugehen. Mit rund 40.000 Infizierten und 4.700 Toten stehen die Niederlande derzeit besser da als Belgien – und viele andere Länder in Europa, in denen viel striktere Regeln herrschen.

"Die Menschen müssen die Maßnahmen verstehen"

Marijn de Koeijer betreibt eine Buchhandlung neben Kragtens Fahrradladen. Auch er ist zufrieden mit der Regierung: "Wir können an die frische Luft, uns mit Abstand unterhalten, wir haben diese Möglichkeiten. Und ich denke, das ist wichtig, um die Unterstützung der Bevölkerung zu bekommen. Die Menschen müssen die Maßnahmen verstehen. Ich persönlich bin glücklich so wie es ist."

Doch der liberale Kurs der Regierung ist umstritten. Anfangs verfolgte Ministerpräsident Mark Rutte die Strategie einer „Herdenimmunität“ – und machte damit vielen Menschen Angst. Inzwischen ist die Regierung zurückgerudert.

Von "Herdenimmunität" weit entfernt

Frits Rosendaal, Professor der Epidemiologie an der Universität Leiden erklärt: "Wenn wir eine Herdenimmunität wollen, können wir lang warten. Momentan gibt es in den Niederlanden nur bei drei bis vier Prozent der Menschen Zeichen dafür, dass sie die Krankheit hinter sich haben und immun sind. Für eine Herdenimmunität wären mindestens 50 Prozent nötig"

Wie viele Menschen immun sind, ist ohnehin eine heikle Frage. Zuletzt warnte die WHO: Noch sei nicht bewiesen, dass Patienten, die genesen sind und Antikörper haben, tatsächlich gegen eine zweite Infektion geschützt sind.