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Kroatien: „Neuwahl oder brüchige Minderheitsregierung?“

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Kroatien: „Neuwahl oder brüchige Minderheitsregierung?“
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Während der alte und neue kroatische Ministerpräsident Andrej Plenkovic in Jubelpose von den Titelseiten der Tageszeitungen lächelte, zog einer seiner Konkurrenten einen Schlussstrich. Davor Bernardić hat nach der Niederlage bei der Parlamentswahl seinen Rücktritt als Vorsitzender der Sozialdemokraten eingereicht.

euronews-Reporter Zoltán Siposhegyi kommentiert: „Ganz Kroatien spricht über die Zahl 66. So viele Sitze im Parlament hat die siegreiche Kroatische Demokratische Union geholt. Aber jetzt ist die Zahl 34 wichtiger, denn die Wahlbeteiligung lag bei 34 Prozent. In den vergangenen Tagen haben wir Dutzende von Menschen befragt, und die meisten von ihnen sagten: Sie interessieren sich nicht für Politik, und sie wählen nicht, weil alle Parteien dasselbe anbieten. Andrej Plenkovic hat jetzt mit einer sehr geringen Legitimität viele Schwierigkeiten zu bewältigen, was nicht leicht sein wird.“

„Es ist vor allem die Korruption"

Warum war die Wahlbeteiligung so niedrig? Was passt nicht? „Es ist vor allem die Korruption", beklagt eine Kroatin. „Das Geld fließt in die falsche Richtung. Nichts geht voran, alles fällt durch", meint sie.

Ein Mann sagt: „Die vergeben die Posten an Menschen, die sie kennen, das Verbrechen ist in der Politik in hohen Ämtern und im ganzen Land vertreten.“

Plenkovic steht jetzt vor der Aufgabe, eine Regierung zu bilden. Der Konservative dürfte nach Ansicht von politischen Kommentatoren wie bisher auf kleinere Parteien der Mitte und Parteien der ethnischen Minderheiten bauen, um ein Bündnis zu schmieden.

„Neuwahl oder eine brüchige Minderheitsregierung?"

Dass Plenkovic trotz seines klaren Sieges eine tragfähige Regierung zusammenbekommt, davon ist nicht jeder überzeugt. Der politische Kommentator Vuk Vukovic gehört dazu. „Gibt es eine Neuwahl oder eine brüchige Minderheitsregierung, die wegen der Pandemie sowie der wirtschaftlichen Folgen in Schwierigkeiten geraten wird?", fragt Vukovic.

Einen Rückgang der Wirtschaftsleistung Kroatiens von bis zu 10 Prozent befürchten einige Ökonomen aufgrund der Coronavirus-Pandemie.