Eilmeldung
This content is not available in your region

Test für Venedigs umstrittenen Flutschutz "Mose"

Test für Venedigs umstrittenen Flutschutz "Mose"
Copyright  Claudio Furlan/LaPresse
Schriftgrösse Aa Aa

Regierungschef Giuseppe Conte kam persönlich in den Kontrollraum. "Und los, anheben", gab Cote den Startschuss für das Ausfahren der mächtigen Stahl-Barrieren aus dem Adria-Wasser.

Am Freitag fand ein Testlauf für die neue Flutschutzanlage statt, die die Lagunenstadt künftig vor Hochwasser schützen soll. Es war der erste offiziell Test und ein symbolischer Moment für die UNESCO-Stadt.

78 der mobilen Dämme sollen das Wasser in den drei Hafeneingängen künftig stauen, die die Lagune vom Meer trennen. Doch Mose - so der Name des sechs Milliarden Euro-Großbauprojektes - ist umstritten, höhere Kosten und Verzögerungen werden befürchtet. Vor 17 Jahren war der Spatenstich, in frühestens 18 Monaten soll die Anlage einsatzbereit sein.

Es gibt genügend Gegner der Flutschutzanlage in Venedig. "Mose wird die Lagune töten, es wird dieses einzigartige und empfindliche Ökosystem zerstören", erklärte das Bündnis No Grandi Navi, das sich auch gegen die Kreuzfahrtschiffe in der Lagune einsetzt. Einige Gegner fuhren daher auch am Freitag aufs Wasser, um zu protestieren. Manch einer befürchtet, dass "Mose" die Stadt noch mehr gefährdet und sie schlussendlich von einem "Tsunami" geflutet werden könnte.

Doch dass Venedig einen Hochwasserschutz braucht, hat zuletzt die Flut im letzten Herbst deutlich gemacht. Am 12. November stieg das Wasser auf 187 Zentimeter über Normalnull und überflutetete den größten Teil der Altstadt, zerstörte Kulturmonumente, Museen, Archive und verschreckte Touristen, von denen Venedig lebt. Es war ein Weckruf für alle, wie gefährdet die wohl schönste Stadt der Welt ist.

Venedig künftig ein Reiseziel für weniger und gehobenen Tourismus?

Auf dem Markusplatz herrscht nach wie vor ungewöhnliche Ruhe. Auch wenn die Schengen-Grenzen für einige Länder ausserhalb Europas seit dem 1. Juli wieder geöffnet sind, lassen die Touristen auf sich warten. Das hat Venedig noch nie erlebt - über 23 Millionen sind es normalerweise pro Jahr, das sind 370 pro Einwohner.

Der Manager der berühmten Harry's Bar sagt: "Venedig muss zur Ruhe kommen, um der Welt zu zeigen, dass sie kein negatives Beispiel des Massentourismus ist. Sie kann mit einem Gleichgewicht von Umwelt, Kultur und einer Besucherzahl, die Venedig verkraften kann, neu beginnen."