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"Preis der Freiheit", Kosovos Präsident Thaci selbstsicher in Den Haag

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"Preis der Freiheit", Kosovos Präsident Thaci selbstsicher in Den Haag
Copyright  Phil Nijhuis/The Associated Press
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Der kosovarische Präsident Hashim Thaci zeigte sich selbstbewusst bei seiner Ankunft am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Angeklagt wegen schwerer Kriegsverbrechen soll er von der Staatsawaltschaft befragt werden. Ein Richter muss die Vorwürfe noch überprüfen. Erst bei einer Bestätigung kann ein Haftbefehl erlassen werden.

Hashim Thaci sagte: "Ich bin bereit, mich den neuen Herausforderungen erfolgreich zu stellen, für meinen Sohn, für meine Familie und mein Volk. Niemand kann die Geschichte umschreiben. Das ist ein Preis für die Freiheit."

Anhänger Thacis glauben an eine Verschwörung

Dutzende Anhänger begrüßten Hashim Thaci mit Sprechchören und Transparenten. Als Kommandeur der kosovarischen Befreiungsarmee UCK soll Hashim Thaci für Folter und Mord an fast 100 Serben, Roma und politischen Gegnern verantwortlich sein. Seine Anhänger feiern ihn als Helden und halten einige der Anschuldigungen für ungerechtfertigt.

Valon Avdijaj ist Belgier und Sohn eines Kosovaren. Er ist zusammen mit anderen Anhängern Thacis zum Gerichtsgebäude gekommen, um ihn zu unterstützen und seine Solidarität zu zeigen: "Wir, die albanischen Kosovaren, halten das Ganze eigentlich für eine Verschwörung. Die Sachlage auf der einen Seite, aber es gibt auch eine Menge falscher Anschuldigungen - das, mit dem Organhandel und so weiter, daran glaube ich absolut nicht, denn dafür war der Krieg nicht da."

Gut 20 Jahre nach dem Kosovo-Krieg wurde im Juni Anklage gegen Thaci wegen schwerer Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit erhoben.

Das Gericht in Den Haag war auf internationalen Druck hin eingerichtet worden, um die Verbrechen während des Unabhängigkeitskrieges des Kosovos 1998-1999 strafrechtlich zu verfolgen. In dem Krieg gab es mehr als 10 000 Tote und Hunderttausende Vertriebene.

Der Sonderankläger in Den Haag beschuldigt neben Hashim Thaci auch Kadri Veseli. Er ist Vorsitzender von Thacis Partei PDK - derzeit in der Opposition. Von 2014 bis 2019 war er Parlamentspräsident. Neben Thaci und Veseli soll acht weiteren ehemaligen UCK-Kämpfern der Prozess gemacht werden.

Annäherungen zwischen Serbien und Kosovo

Die Folgen des kosovarischen Unabhängigkeitskrieges 1998-1999 wirken bis in die heutige Politik und Gesellschaft. Am Wochenende hatten die Konfliktparteien Serbien und Kosovo nach langer Eiszeit unter Vermittlung der EU ihre Gespräche wieder aufgenommen.

Das Gespräch fand als Videokonferenz statt. Der EU-Gesandte für den Belgrad-Pristina-Dialog Miroslav Lajčák meldete einen ersten Erfolg. Das nächste Treffen soll persönlich und am kommenden Donnerstag, den 16. Juli, in Brüssel stattfinden wird.