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Bewährungsstrafe für SS-Mann (93) wegen Beihilfe zu 5.230 Morden

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Angeklagter im Prozess in Hamburg
Angeklagter im Prozess in Hamburg   -   Copyright  Daniel Bockwoldt/(c) dpa Pool
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Das Oberlandesgericht Hamburg hat einen 93-Jährigen, der im Nazi-Lager Stutthof SS-Wachmann war, zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Er stand wegen der Beihilfe zu 5.230 Morden vor Gericht. Die Richter verurteilten den Mann, der in den Jahren 1944 und 1945 mehrere Monate als Jugendlicher zur Wachmannschaft des Konzentrationslagers Stutthof gehört hatte, zu zwei Jahren Jugendhaft auf Bewährung.

Der angeklagte Bruno Dey hatte nicht bestritten, dass er im Lager Stutthof SS-Wachmann war, er sei sich aber keiner Schuld bewusst. Er selbst habe niemandem Leid zugefügt.

Daniel Bockwoldt/(c) dpa Pool
Der frühere SS-Wachmann ist 93 Jahre altDaniel Bockwoldt/(c) dpa Pool

An dem Prozess waren auch 35 Überlebende des Konzentrationslagers als Nebenkläger beteiligt. Einige von ihnen äußerten ausdrücklich den Wunsch, der 93-Jährige möge nicht inhaftiert werden. Vor Gericht hatte der 93-jährige die Überlebenden und Hinterbliebenen der KZ-Opfer um Entschuldigung gebeten.

Ohne die kooperation des Angeklagten wäre der Prozess wohl gar nicht zustande gekommen:

Der Angeklagte hatte von Anfang an Auskunft über die Umstände seiner Taten gegeben. Er lieferte Informationen über seine Aktivitäten im Konzentrationslager Stutthof, ohne die die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft überhaupt nicht hätten durchgeführt werden können.
Nana Frombach
Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft

Das Sonderlager Stutthof unterstand erst der Danziger Gestapo, der gefürchteten Geheimen Staatspolizei, dann der SS als Arbeits, spàter als Vernichtungslager. 110.000 Menschen waren insgesamt in diesem Konzentrationslager inhaftiert, ungefähr 65.000 kamen um.