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"Absoluter Albtraum": Touristen reagieren verzweifelt auf Quarantäne-Regel für Spanien

Großbritannien hat Spanien von der Liste der sicheren Länder gestrichen - ausgerechnet zur Hochsaison.
Großbritannien hat Spanien von der Liste der sicheren Länder gestrichen - ausgerechnet zur Hochsaison.   -   Copyright  Joan Mateu/AP
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Nach dem langen Ausnahmezustand haben Millionen Europäer ihrem Sommerurlaub besonders sehnsüchtig entgegengeblickt. Doch steigende Zahlen machen vielen jetzt einen Strich durch die Planung,

Die britische Regierung hat von allen Reisen auf das spanische Festland abgeraten und für alle Reisenden, die aus Spanien zurückkehren, nach ihrer Rückkehr 14 Tage Quarantäne verhängt.

London strich Spanien am Samstag um Mitternacht von seiner Liste sicherer Länder oder so genannter Reisekorridore, da Spanien einen Anstieg der Coronavirus-Fälle meldete. Katalonien entschied zuvor, Nachtclubs zu schließen, um eine zweite Welle zu verhindern.

"Wir können uns nicht entschuldigen ... wir müssen in der Lage sein, schnell und entschlossen zu handeln", sagte der britische Außenminister Dominic Raab am Sonntag gegenüber Sky News.

Deutsche Touristen, die aus Spanien zurückkehren, können sich am Flughafen - auf freiwilliger Basis - kostenlos auf das Coronavirus testen lassen.

Als Reaktion darauf sagte Europas größte Feriengesellschaft TUI am Sonntag, sie werde alle Flüge zum spanischen Festland bis zum 9. August streichen.

"Ich denke, es ist sehr wichtig, die Ausbreitung zu stoppen, aber es ist wirklich ärgerlich, dass es absolut keine Vorwarnung gegeben hat", sagte Helena, die am Sonntag von Madrid nach Großbritannien zurückflog, gegenüber der Agentur Associated Press.

Es ist ein absoluter Albtraum für alle Beteiligten, für die Urlauber, die endlich mal raus wollten.
Georgie Frost
Finanzjournalistin, derzeit in Spanien

"Es ist ein absoluter Albtraum für alle Beteiligten, für die Urlauber, die endlich mal raus wollten, für die Menschen, die hier sind", sagte Georgie Frost, eine britische Finanzjournalistin, die derzeit im Südosten Spaniens in der Region Murcia zu Besuch bei ihrem Freund ist.

Sie sagte Euronews, sie habe "Glück", dass sie untergebracht sei, und daran gedacht hat, ihre Arbeitsausrüstung mitzubringen. Sie habe mit dem Fall gerechnet, dass diese Situation eintreten könnte.

Am 11. August wollte sie eigentlich zurückfliegen, weiß aber noch nicht, ob sie ihren Aufenthalt verlängern wird, wenn die Quarantänevorschrift bestehen bleibt.

"Ich würde es als Person, die im Bereich der persönlichen Finanzen arbeitet, sehr schwierig finden, jemandem zu sagen, er solle einen Urlaub im Ausland buchen."

"Die einzige Bedingung, in der ich sagen würde, dass man darüber nachdenken kann, [einen Flug zu buchen], ist in einer Situation wie der meinen, und wenn man hier Familie hat, bei der man wohnen kann", sagte sie.

Der Tourismussektor, der 12% des spanischen Bruttoinlandsprodukts ausmacht, wird Experten zufolge weiter stark unter der britischen Maßnahme leiden.

'Eine Chance, als Familie zusammen zu sein'

Aber nicht nur die Touristen sind betroffen.

Ian Rutter, ein britischer Staatsbürger, der im südspanischen Andalusien lebt, sollte am Mittwoch nach dem Tod seiner Mutter und seines Bruders im April zu seiner trauernden Familie zurück nach Großbritannien fliegen.

Aufgrund von Maßnahmen musste er die Reise absagen. "Wir konnten nicht zu der Beerdigungen zurückfliegen. Es war unsere Chance, als Familie zum Trauern zusammen zu sein", sagte er Euronews.

"Ich bezweifle, dass die Hotels, die wir reserviert haben, uns unter solchen Umständen wollen".

Rutter sagte, dass er "keine Ahnung" habe, wie er sich in seiner Situation beraten lassen könne, da die Reisehotline des Außen- und Commonwealth-Amtes nur von Montag bis Freitag zu erreichen sei.

Betroffen sind auch Politiker: Der britische Verkehrsminister Grant Shapps, der sich derzeit in Spanien aufhält, wird sich nach seiner Rückkehr für 14 Tage selbst isolieren müssen.

Spaniens Situation "unter Kontrolle"?

Spanien verzeichnete am Freitag innerhalb von 24 Stunden 280 neue Fälle von COVID-19, dreimal mehr als vor zwei Wochen.

Erst vor einem Monat hatte das Land seinen strengen Lockdown beendet.

Spanien ist mit mehr als 28.000 Toten und über 272.000 Infektionen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eines der am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder Europas.

Die spanische Regierung sagte am Sonntag, die Situation sei "unter Kontrolle".

"Die Ausbrüche sind lokalisiert, isoliert und unter Kontrolle", sagte das Außenministerium gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Vor Großbritannien hatte Norwegen am Freitag mitgeteilt, dass es für Menschen, die ab Samstag aus Spanien ankommen, wieder eine 10-tägige Quarantäne gibt.

Der französische Premierminister Jean Castex riet französischen Bürgern dringend davon ab, nach Katalonien zu reisen. Die französisch-katalanische Grenze bleibt aber offen.

Katalonien ist eines der wichtigsten Zentren für den Sommertourismus in Spanien. Es ist für seine Strände und die Stadt Barcelona berühmt. Am Samstag wurden dort 1.493 neue Coronavirus-Fälle und drei Covid-19-Todesfälle erfasst.

Manu Fernandez/AP
Katalonien hat sein Nachtleben eingeschränkt: Das Gefahr der Verbreitung des Virus wird hier als zu hoch eingestuft.Manu Fernandez/AP

Sperrmaßnahmen setzen auf Kooperation von Bevölkerung und Touristen

Die Region kündigte am Freitag an, Bars und Nachtclubs für 15 Tage zu schließen. Die Öffnungszeiten für Spielhallen und Kasinos wurden ebenfalls reduziert, da die Region eine zweite Welle befürchtet.

Am 17. Juli forderte die katalanische Regionalregierung rund vier Millionen Menschen - darunter alle Einwohner Barcelonas - auf, zu Hause zu bleiben und Zusammenkünfte von mehr als 10 Personen zu vermeiden.

Zwar trügen die Menschen in Murcia bei der Hitze von 35-40 Grad Celsius Masken tragen - trotz der Einschränkungen ginge sie aber in Restaurants und Bars, und treffen ihre Freunde und Bekannte, erzählte Frost.

Sie sagte, die Atmosphäre in Spanien sei wie ein Spiel der "Schuldzuweisung", bei dem die Menschen mit dem Finger auf Menschen zeigen, die in ihre Zweitwohnungen an die Küste reisen und das Virus verbreiten, auf Einwanderer, die auf dem Seeweg ankommen, und auf junge Leute, die unvorsichtig sind.