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2 Jahre Morandi-Unglück - Opfer kritisieren Hype um neue Brücke

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2 Jahre Morandi-Unglück - Opfer kritisieren Hype um neue Brücke
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Vor zwei Jahren, am 14. August 2018, stützte die Morandi-Brücke in Genua ein und mit ihr 43 Menschen in den Tod. Die Opferfamilien finden, dass die Aufmerksamkeit für die neue Brücke als Vorzeigeprojekt die Tragödie in den Hintergrund drängt.

Auf einer Gedenkveranstaltung unter der neuen Brücke "Ponte San Giorgio" betonte Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte, dass die Instandhaltung öffentlicher Infrastrukturen in Italien höchste Priorität eingeräumt werde. Kritiker werfen der Regierung vor, dass der Einsturz der Morandi-Brücke hätte verhindert werden können.

Giuseppe Conte:"Wir arbeiten mit den Behörden und der gesamten Bevölkerung in Genua zusammen, damit Genua wieder geheilt werden kann. Die Voraussetzungen dafür sind geschaffen und wir werden weiter daran arbeiten. Mit dem neuen nationalen Wiederaufbauplan werden wir Genua eine besondere Aufmerksamkeit widmen."

Die 51 Jahre alte Autobahnbrücke war nach heftigen Regenfällen plötzlich zusammengebrochen. Die Fahrzeuge auf der Brücke waren in die Tiefe in ein ausgetrocknetes Flussbett gestützt.

Neue Brücke in Rekordzeit gebaut - Opfer kritisieren Hype

Die neue Brücke "Ponte San Giorgio" wurde nach nur etwas mehr als einem Jahr Bauzeit am 3. August eingeweiht. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise gilt die über einen Kilometer lange Autobahnbrücke als Symbol für einen schnellen Wiederaufbau. Viele sprechen vom "Modell Genua". Planung und Bau der Beton- und Stahlkonstruktion wurden rasch durchgezogen.

Bei der Einweihungs-Zeremonie blieben die Familien der Opfer demonstrativ fern. Aus ihrer Sicht gibt es nichts zu feiern.

Egle Possetti, deren Schwester zusammen mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern bei der Katastrophe starben , ist die Sprecherin einer Gruppe von Angehörigen.

Egle Possetti: "Für unser Land als Ganzes und seine verantwortungsvollen Unternehmer ist es wichtig, den entstandenen Riss in unserer Glaubwürdigkeit zu überwinden. Wir müssen das verrottete System abschaffen, das 2018 in Italien eine Brücke zum Einsturz gebracht hat."

Die Katastrophe hatte ein Schlaglicht auf die verfallenden Straßen, Brücken und Eisenbahnen im Land geworfen.

Für die Hafenstadt Genua ist die Brücke wichtig, sie ist die Verbindung zwischen der französischen Riviera und Mailand. Vier Wartungsroboter sollen am neuen Bauwerk dafür sorgen, dass sich eine Tragödie wie 2018 nicht wiederholt.